
Inflation Deutschland 2026: Szenarien und Prognosen
Die ökonomische Landschaft Deutschlands im Januar 2026 ist geprägt von einer Phase der fragilen Normalisierung. Nach den volatilen Preisausschlägen der frühen 2020er Jahre, die durch Pandemiefolgen und geopolitische Verwerfungen ausgelöst wurden, befindet sich die Inflationsrate nun in einem Bereich, den Ökonomen als „hartnäckige Stabilisierung“ bezeichnen. Die vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes für den Januar 2026 weisen eine Inflationsrate von +2,1 % aus, was eine leichte Beschleunigung gegenüber dem Vormonat Dezember 2025 (+1,8 %) darstellt.1 Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Untersuchung der zugrunde liegenden Mechanismen, der geldpolitischen Reaktionen und der langfristigen strukturellen Verschiebungen, die das Preisniveau in der größten Volkswirtschaft der Eurozone bestimmen.
Definition der Inflation
Inflation ist im Kern ein monetäres Phänomen, das eine anhaltende Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen beschreibt. Dies ist gleichbedeutend mit einer Minderung der Kaufkraft der Währung: Für eine Geldeinheit kann im Zeitverlauf eine geringere Menge an realen Gütern erworben werden. Die ökonomische Theorie unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Kausalitäten. Die Nachfrageinflation tritt auf, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage die Produktionskapazitäten übersteigt („Too much money chasing too few goods“), während die Angebotsinflation durch steigende Produktionskosten – etwa für Energie oder Löhne – getrieben wird, die von Unternehmen an die Endverbraucher weitergegeben werden.3
Ein zentrales Konzept zur Beurteilung der Inflation ist die Unterscheidung zwischen der Gesamtinflation (Headline Inflation) und der Kerninflation (Core Inflation). Letztere schließt die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel aus, um den fundamentalen Preistrend einer Volkswirtschaft sichtbar zu machen. Im Januar 2026 liegt die Kerninflation in Deutschland voraussichtlich bei 2,5 % und damit signifikant über der Gesamtrate.2 Dies deutet auf einen verfestigten Preisdruck im Dienstleistungssektor hin, der durch steigende Lohnkosten und einen strukturellen Arbeitskräftemangel getrieben wird.6
Mathematisch lässt sich die Inflationsrate als prozentuale Veränderung des Preisniveaus
zum Vorjahreszeitpunkt
definieren:

Die Kaufkraftentwicklung eines Geldbetrages über einen Zeitraum von
Jahren bei einer konstanten Inflationsrate
berechnet sich nach der Formel:

Diese Formel verdeutlicht den Zinseszinseffekt der Geldentwertung. Bei einer stabilen Inflationsrate von 2 % verliert ein Betrag von 1.000 Euro nach 20 Jahren fast ein Drittel seiner Kaufkraft und sinkt auf einen Realwert von ca. 668 Euro.7
Auswirkungen auf Wertanlagen und die finanzielle Architektur
Die Inflation wirkt als mächtiger Umverteilungsmechanismus, der die relativen Werte von Nominalvermögen und Sachwerten verschiebt. Für den privaten Anleger im Jahr 2026 ist das Verständnis dieser Dynamik entscheidend für den Vermögenserhalt.
Bankkonten und die Realzinsfalle
Traditionelle Bankeinlagen wie Girokonten, Tagesgelder oder Sparbücher sind in einem inflationären Umfeld am stärksten gefährdet. Da diese Anlagen auf Nominalwerten basieren, führt jede Steigerung des Preisniveaus zu einem direkten Kaufkraftverlust des Kapitals. Die entscheidende Kennzahl für Sparer ist der Realzins, der sich aus dem Nominalzins abzüglich der Inflationsrate ergibt.
In der aktuellen Marktphase des Jahres 2026 haben die Zentralbanken die Leitzinsen zwar stabilisiert, doch es besteht weiterhin die Gefahr der sogenannten Realzinsfalle. Wenn die Banken die Zinsen für Einlagen niedriger halten als die Inflationsrate, schrumpft das Sparkapital real.7 Beträgt die Inflation beispielsweise 2,2 % und der Zinssatz auf dem Festgeldkonto lediglich 1,5 %, erleidet der Anleger einen realen Verlust von 0,7 % pro Jahr. Über längere Zeiträume führt dies zu einer signifikanten Erosion des Privatvermögens.
Aktien als Instrument des Inflationsschutzes
Aktien repräsentieren Anteile an Produktivvermögen und gelten daher langfristig als Sachwertschutz. In einer inflationären Phase haben Unternehmen grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Preise anzupassen und somit steigende Kosten an die Kunden weiterzugeben. Dies stützt die nominalen Umsätze und Gewinne, was sich mittel- bis langfristig in steigenden Aktienkursen widerspiegeln sollte.3
Allerdings ist die Beziehung zwischen Inflation und Aktienmärkten nicht linear. Kurzfristig können stark steigende Inflationsraten die Aktienkurse belasten, da sie die Notenbanken zu Zinserhöhungen zwingen. Höhere Zinsen führen dazu, dass zukünftige Unternehmensgewinne in Bewertungsmodellen stärker diskontiert werden, was insbesondere die Bewertungen von Wachstumsunternehmen (Growth-Aktien) drückt.3 Im Jahr 2026 wird für Aktien ein moderat positives Umfeld erwartet, da die Stabilisierung der Inflation die Planbarkeit für Unternehmen erhöht und die Zinsen voraussichtlich nicht weiter steigen müssen.9
Immobilien und die Dynamik der Sachwerte
Immobilien gelten als klassischer Schutz gegen Geldentwertung. Ihr Wert basiert auf realen Ressourcen wie Grund und Boden sowie Baumaterialien, deren Preise tendenziell mit der Inflation steigen. Zudem profitieren Vermieter von der Möglichkeit, Mieten anzupassen, insbesondere bei Indexmietverträgen, die direkt an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind.3
Ein oft übersehener Vorteil der Inflation für Immobilienbesitzer ist die Wirkung auf die Fremdfinanzierung. Während der Sachwert der Immobilie nominal steigt, bleibt die Restschuld des Darlehens nominal gleich. Real sinkt die Schuldenlast somit im Verhältnis zum gestiegenen Immobilienwert und den gestiegenen (Miet-)Einkommen.7 Dennoch müssen Anleger im Jahr 2026 die gestiegenen Zinsen für Anschlussfinanzierungen und die hohen Kosten für energetische Sanierungen berücksichtigen, die die Nettorendite schmälern können.
Gesellschaftliche Implikationen und soziale Statik
Die Inflation ist kein neutrales ökonomisches Phänomen, sondern hat tiefgreifende soziale Auswirkungen. Sie wirkt oft wie eine regressive Steuer, da sie Haushalte mit geringem Einkommen überproportional belastet.
Verteilungseffekte und Kaufkraftverluste
Einkommensschwache Haushalte müssen einen größeren Teil ihres Budgets für lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel, Energie und Miete aufwenden. Im Jahr 2026 zeigen Analysen, dass Haushalte mit weniger als 900 Euro monatlichem Einkommen ca. 63 % ihrer Ausgaben für diese Basisbedarfe aufwenden, während dieser Anteil bei wohlhabenden Haushalten mit über 5.000 Euro Einkommen lediglich bei ca. 40 % liegt.11 Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln, die im Januar 2026 bei +2,1 % liegen, treffen diese vulnerablen Gruppen somit unmittelbar in ihrer Existenzsicherung.2
Ein positiver Aspekt für das Jahr 2026 ist jedoch die erwartete Rentenanpassung. Auf Basis der Lohnentwicklung wird für Juli 2026 eine Rentenerhöhung von ca. 3,73 % prognostiziert, was deutlich über der erwarteten Inflationsrate liegt und somit zu einem realen Kaufkraftgewinn für Rentner führen könnte.12 Gleichzeitig steigen jedoch die Steuerbelastungen für Rentner, da die Freibeträge oft langsamer angepasst werden als die Rentenbezüge.12
Arbeitsmarkt und Lohn-Preis-Dynamik
In einem Umfeld moderater Inflation spielen Lohnverhandlungen eine zentrale Rolle. Der strukturelle Arbeitskräftemangel in Deutschland, der sich bis 2030 auf ca. 3,5 bis 4 Millionen fehlende Erwerbspersonen ausweiten wird, stärkt die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer.13 Dies führt im Jahr 2026 zu kräftigen Lohnzuwächsen, die einerseits die Kaufkraft stützen, andererseits aber als Kostenfaktor für Unternehmen preistreibend wirken können – insbesondere bei arbeitsintensiven Dienstleistungen, die im Januar 2026 mit +3,2 % teurer werden als der Durchschnitt.2
Das Deflations-Dilemma: Warum sinkende Preise schädlich sind
In der öffentlichen Wahrnehmung werden sinkende Preise oft als positiv für den Konsumenten bewertet. Ökonomisch betrachtet ist eine Deflation – ein anhaltender Rückgang des allgemeinen Preisniveaus – jedoch oft weitaus zerstörerischer als eine moderate Inflation.
Die Mechanismen der Deflationsspirale
Eine Deflation führt zu einer psychologischen Verhaltensänderung bei Konsumenten und Unternehmen. In Erwartung noch niedrigerer Preise in der Zukunft werden Anschaffungen und Investitionen aufgeschoben. Dies führt zu einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, was die Unternehmen zwingt, Preise weiter zu senken und Kosten durch Entlassungen oder Lohnkürzungen zu reduzieren.16
Die Folge ist eine Abwärtsspirale:
- Sinkende Nachfrage führt zu sinkenden Preisen.
- Sinkende Preise schmälern Unternehmensgewinne.
- Sinkende Gewinne führen zu Entlassungen und Investitionsstopps.
- Steigende Arbeitslosigkeit mindert die Kaufkraft weiter.
Ein massives Problem der Deflation ist zudem die steigende reale Schuldenlast. Da der nominale Wert von Schulden fixiert ist, müssen Schuldner bei sinkenden Preisen und Löhnen einen immer größeren Teil ihrer realen Wirtschaftsleistung für den Schuldendienst aufbringen. Dies kann zu massiven Wellen von Privatinsolvenzen und Bankenkrisen führen.16
Die „Japanisierung“ als warnendes Beispiel
Japan dient als primäres Fallbeispiel für die Gefahren der Deflation. Seit dem Platzen der dortigen Immobilien- und Aktienblase in den frühen 1990er Jahren kämpfte das Land über zwei Jahrzehnte mit stagnierenden Preisen und schwachem Wachstum – den sogenannten „verlorenen Jahrzehnten“.17 Die japanische Notenbank versuchte mit massiver Liquiditätszufuhr und Nullzinsen gegenzusteuern, was jedoch erst ab 2024/2025 erste nachhaltige Erfolge in Form einer moderaten Inflation zeigte.
Interessanterweise befindet sich Japan im Jahr 2026 an einem historischen Wendepunkt. Die Inflation liegt dort seit über 40 Monaten über dem Zielwert von 2 %, und die Bank of Japan (BoJ) hat begonnen, die Zinsen vorsichtig auf 0,75 % anzuheben.20 Dieser Ausstieg aus der Negativzinspolitik hat globale Auswirkungen, da der „Carry Trade“ – das Ausleihen von günstigem Geld in Japan zur Investition in anderen Weltregionen – versiegt, was die globalen Finanzmärkte vor neue Herausforderungen stellt.22
Das 2-Prozent-Inflationsziel der EZB: Kriterien und Strategie
Um die Risiken sowohl von Hyperinflation als auch von Deflation zu minimieren, verfolgt die Europäische Zentralbank (EZB) ein klares Ziel für die Preisstabilität.
Symmetrie und mittelfristige Orientierung
Seit der Strategieüberprüfung im Jahr 2021 strebt die EZB eine Inflationsrate von 2 % auf mittlere Sicht an. Das Ziel ist explizit symmetrisch definiert: Abweichungen nach unten werden als ebenso schädlich erachtet wie Abweichungen nach oben.24 Diese Symmetrie ist eine Lehre aus der Phase der zu niedrigen Inflation vor 2021. Sie bedeutet, dass die EZB bei dauerhaft niedrigen Raten bereit ist, vorübergehende Überschreitungen des Ziels zu tolerieren, um die Inflationserwartungen stabil zu verankern.24
Gründe für das 2-Prozent-Niveau
Warum wählt die EZB genau 2 % und nicht etwa 0 %?
- Sicherheitsmarge gegen Deflation: Der Puffer von 2 % bietet Schutz davor, dass konjunkturelle Schwankungen die Wirtschaft direkt in den Bereich sinkender Preise stürzen.18
- Messfehler-Kompensation: Statistische Verfahren zur Preismessung neigen dazu, die Inflation leicht zu überschätzen (z. B. durch verzögerte Berücksichtigung von Qualitätsverbesserungen). Ein gemessener Wert von 2 % entspricht somit in der Realität einer nahezu perfekten Preisstabilität.18
- Strukturelle Flexibilität: Innerhalb der Eurozone gibt es unterschiedliche Inflationsraten. Ein gemeinsames Ziel von 2 % lässt Raum für notwendige Anpassungen in einzelnen Mitgliedsländern, ohne dass andere Länder in deflationäre Bereiche gezwungen werden.18
Messung der Inflation in Deutschland: Warenkorb vs. Gefühl
Die amtliche Inflationsrate wird durch den Vergleich der Preise eines repräsentativen Warenkorbs ermittelt.
Der Verbraucherpreisindex (VPI) und der HVPI
Das Statistische Bundesamt erhebt monatlich rund 300.000 Einzelpreise für ca. 600 Güterarten.27 Diese Güter werden entsprechend ihrem Anteil an den durchschnittlichen Haushaltsausgaben gewichtet. Für den europäischen Vergleich wird der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) genutzt, der methodische Unterschiede zwischen den Ländern ausgleicht. Ein wesentlicher Unterschied in Deutschland: Im HVPI sind die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum nicht enthalten, weshalb Dienstleistungen dort ein höheres Gewicht haben als im nationalen VPI.28
| Vergleich der Gewichtungen im HVPI (Januar 2026) | Gewicht in % |
| Dienstleistungen | 46,3 |
| Industrieerzeugnisse (ohne Energie) | 28,2 |
| Nahrungsmittel (inkl. Alkohol/Tabak) | 16,6 |
| Energie | 9,0 |
| (Daten basierend auf 28) |
Das Paradoxon der gefühlten Inflation
Es ist ein wiederkehrendes Phänomen, dass die Bevölkerung die Inflation als deutlich höher wahrnimmt, als die statistischen Daten es nahelegen. Im Jahr 2024 lag die gemessene Inflation bei 2,2 %, während Umfragen ergaben, dass die Menschen eine Teuerung von über 15 % empfanden.29
Dieses Auseinanderklaffen hat psychologische Gründe:
- Frequenz-Bias: Preise für häufig gekaufte Waren wie Lebensmittel oder Treibstoffe steigen oft schneller als für langlebige Güter (Fernseher, Möbel). Da diese Einkäufe präsenter sind, prägen sie das Gefühl der Teuerung überproportional.30
- Preisniveaustabilität vs. Veränderungsrate: Die Inflation misst, wie schnell Preise steigen, nicht wie hoch sie sind. Nach den massiven Preissprüngen von 2022 und 2023 bleiben die Preise auf einem hohen Niveau stehen, auch wenn die Rate (der weitere Anstieg) auf 2 % sinkt. Für den Verbraucher fühlt es sich weiterhin „teuer“ an, da das alte Preisniveau nicht zurückkehrt.31
Historische Entwicklung: 40 Jahre Inflation in Deutschland (1986–2026)
Die Betrachtung der letzten vier Jahrzehnte verdeutlicht, dass die aktuelle Situation im Jahr 2026 keineswegs beispiellos ist, aber nach einer Phase extremer Stabilität eine Zäsur darstellt.
Die Ära der Stabilität und die Wiedervereinigung (1986–1999)
Das Jahr 1986 markiert mit einer Rate von -0,1 % einen der wenigen Momente negativer Inflation in Deutschland, bedingt durch den Verfall der Ölpreise.32 Mit der Wiedervereinigung 1990 änderte sich das Bild drastisch. Der Nachfrageboom und die monetäre Integration der neuen Bundesländer trieben die Inflation 1992 auf 5,0 %. Die Bundesbank reagierte mit massiven Zinserhöhungen, was die Inflation bis 1999 wieder auf 0,6 % drückte.33
Das Euro-Zeitalter und die großen Krisen (2000–2026)
In den ersten zwei Jahrzehnten des Euro war die Inflation in Deutschland bemerkenswert stabil und lag meist unter der 2-Prozent-Marke. Erst die post-pandemische Erholung und der Ukraine-Krieg ab 2022 führten zu den höchsten Raten seit der Nachkriegszeit.
| Historische Inflationsraten Deutschland (VPI) | Jahresrate in % |
| 1986 | -0,1 |
| 1992 | 5,0 |
| 2000 | 1,4 |
| 2009 (Finanzkrise) | 0,3 |
| 2022 | 6,9 |
| 2023 | 5,9 |
| 2024 | 2,2 |
| 2025 | 2,2 |
| 2026 (Prognose/Januar) | 2,1 |
| (Daten basierend auf 27) |
Inflation Deutschland 2026: Die szenariobasierte Prognose
Für das Jahr 2026 lassen sich auf Basis aktueller Wirtschaftsdaten und Expertenmeinungen drei plausible Szenarien entwerfen.
Szenario A: Die „Zähe Normalisierung“ (Wahrscheinlichkeit: 65 %)
In diesem Basisszenario stabilisiert sich die Inflation im Jahresdurchschnitt bei ca. 2,2 % bis 2,3 %.35 Die Energiepreise sinken leicht weiter, was den Gesamtindex dämpft. Dem steht jedoch ein anhaltender Preisdruck bei Dienstleistungen gegenüber, da die kräftigen Lohnsteigerungen der Vorjahre zeitversetzt an die Konsumenten weitergegeben werden. Die EZB hält die Zinsen stabil auf einem neutralen Niveau, was das Wachstum moderat bei ca. 0,6 % bis 0,8 % hält.15
Szenario B: Der „Zoll- und Geopolitik-Schock“ (Wahrscheinlichkeit: 20 %)
Dieses pessimistische Szenario geht von einer Eskalation der globalen Handelskonflikte aus. Sollten die USA unter Präsident Trump massive Importzölle erheben, würde dies die Kosten für Vorprodukte in Deutschland erhöhen.15 Zusammen mit einem Anstieg des CO2-Preises auf bis zu 65 Euro pro Tonne könnte dies die Inflation vorübergehend wieder in Richtung 3,5 % treiben.39 Die Folge wäre eine stagnierende Wirtschaft bei gleichzeitig steigenden Preisen (Stagflation).
Szenario C: Der „Technologie-Boost“ (Wahrscheinlichkeit: 15 %)
In diesem optimistischen Szenario führen die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz und Automatisierung (global ca. 500 Mrd. USD in 2026) zu unerwartet schnellen Produktivitätsgewinnen.40 Unternehmen können ihre Kosten senken, ohne Löhne zu kürzen. Die Inflation fällt bereits Mitte 2026 unter 1,8 %, was der EZB Spielraum für Zinssenkungen gibt und einen kräftigen Aufschwung einleitet.
Globaler Kontext und 5-Jahres-Ausblick (2026–2031)
Blickt man über das Jahr 2026 hinaus, zeigen sich strukturelle Kräfte, die das inflationäre Umfeld der kommenden fünf Jahre prägen werden.
Die Transformation zur „Greenflation“
Der ökologische Umbau der Weltwirtschaft ist ein noch preistreibender Faktor: Die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen für Batterien und Stromnetze wird das Angebot dauerhaft übersteigen, was zu steigenden Preisen führen kann. Gleichzeitig verteuert die CO2-Bepreisung fossile Energien, während der Aufbau einer grünen Infrastruktur große Kapitalmengen bindet.41 Experten prognostizieren für den Zeitraum bis 2030 ein Basisszenario mit einer globalen Inflation von ca. 3,5 %, was deutlich über dem Niveau der 2010er Jahre liegt.44
Demografischer Wandel und Arbeitskräftemangel
Deutschland und weite Teile der westlichen Welt stehen vor dem „Great Demographic Reversal“. Das Ausscheiden der Babyboomer aus dem Erwerbsleben verknappt das Arbeitsangebot massiv. Dies führt zu einem dauerhaften Aufwärtsdruck auf die Löhne. Da gleichzeitig die Zahl der Konsumenten (Rentner) stabil bleibt, trifft ein schrumpfendes Angebot auf eine gleichbleibende Nachfrage – ein klassisches Rezept für strukturell höhere Inflation.13
| Prognostizierte Inflation 2026 im globalen Vergleich | Rate in % |
| USA | 3,5 |
| Deutschland | 2,3 |
| Euroraum | 2,1 |
| China | 1,5 |
| Weltweit (Median) | 3,5 |
| (Prognosen basierend auf 36) |
Schlussfolgerungen und strategische Implikationen
Das Jahr 2026 markiert für Deutschland das Ende der akuten Inflationskrise, aber nicht die Rückkehr zur absoluten Preisstabilität der Vergangenheit. Wir treten in eine Ära ein, die durch eine höhere Volatilität und strukturell bedingte Preissteigerungen von ca. 2 % bis 2,5 % gekennzeichnet ist.
Für den Einzelnen bedeutet dies:
- Anpassung der Sparstrategie: Nominalwerte allein reichen nicht mehr aus, um das Vermögen real zu erhalten. Ein diversifiziertes Portfolio aus Sachwerten (Aktien, Immobilien, Gold) ist essentiell.
- Lohnbewusstsein: Arbeitnehmer müssen ihre Forderungen vor dem Hintergrund der Kerninflation (2,5 %) und der persönlichen Warenkörbe bewerten, um Reallohnverluste zu vermeiden.
- Soziale Aufmerksamkeit: Die Politik ist gefordert, die kalte Progression und die Belastungen für Geringverdiener abzufedern, da die Inflation im Bereich der Grundbedürfnisse weiterhin über dem Durchschnitt liegen dürfte.
Die Inflation im Jahr 2026 ist somit kein temporäres Störfeuer mehr, sondern ein integraler Bestandteil einer sich transformierenden Weltwirtschaft, die zwischen Dekarbonisierung, demografischem Druck und technologischem Fortschritt nach einem neuen Gleichgewicht sucht.
Referenzen
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- Inflationsrate steigt im Januar spürbar auf 2,1 Prozent, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.fuldainfo.de/inflationsrate-steigt-im-januar-spuerbar-auf-21-prozent/
- Inflation entwertet Geld, während Immobilienwerte stabil bleiben oder sogar steigen – Meine-Renditeimmobilie, Zugriff am Januar 31, 2026, https://meine-renditeimmobilie.de/immobilien-und-inflation/
- Inflationsschutz mit Immobilien 2022 | Immoheld, Zugriff am Januar 31, 2026, https://immoheld.com/wissen/inflationsschutz-mit-immobilien-vermietung-sichert-ihr-vermoegen/
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- Inflation: Bedeutung für die Geldanlage – Sparkasse.de, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.sparkasse.de/pk/ratgeber/finanzplanung/investieren/inflation.html
- Werden die Zinsen 2026 fallen? Was das für dein Geld bedeutet! – YouTube, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.youtube.com/watch?v=KVPQPZBj5FI
- Kapitalmarktausblick 05/2022 – FINVIA, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.finvia.fo/kapitalmarktausblick-reinhard-panse/sachwerte-zins-und-inflation
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- Rentenjahr 2026: Die wichtigsten Fragen und Antworten | Ihre Vorsorge, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.ihre-vorsorge.de/rente/gesetzliche-rente/rentenjahr-2026-die-wichtigsten-fragen-und-antworten
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- Inflation: Warum sich das “neue Normal” teuer anfühlt – ZDFheute, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.zdfheute.de/wirtschaft/inflation-deutschland-teuer-preise-100.html
- Auf und Ab der Inflation in Deutschland in den letzten 70 Jahren: Das waren die Höchst- und Tiefststände – CAPinside, Zugriff am Januar 31, 2026, https://capinside.com/c/auf-und-ab-der-inflation-in-deutschland-in-den-letzten-70-jahren-das-waren-die-hoechst-und-tiefststaende
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- Near-Term Macroeconomic Impact of Decarbonization Policies; World Economic Outlook, October 2022 – International Monetary Fund, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.imf.org/-/media/files/publications/weo/2022/october/english/ch3.pdf
- Economic Experts Survey: Experten rechnen mit anhaltend hoher Inflation bis 2028 (4. Quartal 2024) | ifo Institut, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.ifo.de/fakten/2025-01-14/economic-experts-survey-q4-2024-experten-rechnen-mit-anhaltend-hoher-inflation-bis-2028
- Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt – Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Zugriff am Januar 31, 2026, https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Demografie/Generische-Publikationen/Bericht-Demografie.pdf
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