
Gaspreise 2026: Analyse und Prognose der Erdgasmärkte und strategische Optionen für Endverbraucher
Die deutsche Energielandschaft im Jahr 2026 ist Teil einer kontinuierlichen Transformation, die durch die geopolitischen Erschütterungen der Jahre 2021 und 2022 eingeleitet wurde. Während das System heute eine deutlich höhere Resilienz gegenüber physischen Lieferunterbrechungen aufweist, bleibt die ökonomische Belastung für den Endverbraucher durch regulatorische Faktoren und globale Marktentwicklungen auf einem Niveau, das weit über den historischen Durchschnittswerten liegt. Die vorliegende Analyse untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen meteorologischen Unwägbarkeiten, dem drastischen Umbau der europäischen Gasflüsse und den fiskalischen Rahmenbedingungen, um eine fundierte Prognose für das Jahr 2026 zu erstellen.
Die historische Genese der Gaspreise: Vom stabilen Jahrzehnt zur volatilen Ära
Um die aktuelle Preisarchitektur des Jahres 2026 zu verstehen, ist eine retrospektive Analyse der letzten zehn Jahre unabdingbar. Dieser Zeitraum markiert den Übergang von einem durch günstiges russisches Pipeline-Gas dominierten Käufermarkt zu einem global integrierten, aber preissensiblen LNG-Markt. Zwischen 2016 und 2020 erlebte Deutschland eine Phase außergewöhnlicher Preisstabilität.1 In diesem Zeitraum bewegten sich die Endkundenpreise für Haushalte zumeist in einem Korridor zwischen 6,00 und 6,70 Cent pro Kilowattstunde.2 Diese Jahre waren geprägt von einem Überangebot am Weltmarkt und einer weitgehenden Abwesenheit politischer Risikoprämien. Die Beschaffungskosten für Energieversorger lagen konstant bei etwa 3 Cent/kWh, was einen stabilen Wettbewerb unter den Anbietern ermöglichte.3
Der Wendepunkt trat im Jahr 2021 ein, als eine Kombination aus leer gefegten Speichern nach einem langen Winter, einer rasanten wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie und ersten geopolitischen Spannungen die Preise nach oben trieb, noch bevor der eigentliche Ukraine-Konflikt eskalierte.1 Das Jahr 2022 markierte schließlich den historischen Preisschock, als die Großhandelspreise am Spotmarkt auf zeitweise 40 Cent/kWh explodierten und die Bundesregierung mit massiven Interventionen wie der Gaspreisbremse reagieren musste.1 Im Jahr 2023 erreichte der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte mit 14,80 Cent/kWh seinen historischen Höchststand.2
Ab 2024 setzte eine Phase der langsamen, aber volatilen Entspannung ein. Die Inbetriebnahme der ersten deutschen LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran sowie eine deutliche Verbrauchsreduktion in der Industrie führten dazu, dass die Preise wieder sanken.1 Dennoch ist festzustellen, dass das Preisniveau im Jahr 2025 mit durchschnittlich 12,07 Cent/kWh weiterhin rund 80 % über dem Niveau von 2020 lag.1 Diese Differenz erklärt sich primär durch die höheren Grenzkosten von verflüssigtem Erdgas (LNG) im Vergleich zum früheren russischen Pipeline-Gas und die stetig steigende CO2-Abgabe.6
Statistische Zeitreihe der Gaspreisentwicklung (2015–2025)
| Jahr | Durchschnittlicher Gaspreis (ct/kWh) | Veränderung zum Vorjahr (%) | Charakteristik der Marktphase |
| 2015 | 6,68 | – | Ausreichende Versorgung, moderate Nachfrage 2 |
| 2016 | 6,54 | -2,10 | Überangebot am globalen Gasmarkt 2 |
| 2017 | 6,15 | -5,96 | Intensiver Wettbewerb unter Stadtwerken 2 |
| 2018 | 6,07 | -1,30 | Hohe Füllstände in den europäischen Speichern 2 |
| 2019 | 6,34 | +4,45 | Einführung erster klimapolitischer Zielvorgaben 2 |
| 2020 | 6,31 | -0,47 | COVID-19 Pandemie: Nachfrageeinbruch 2 |
| 2021 | 6,68 | +5,86 | Start der nationalen CO2-Abgabe (25 €/t) 2 |
| 2022 | 9,88 | +47,90 | Ukraine-Krieg und Ende russischer Lieferungen 2 |
| 2023 | 14,80 | +49,80 | Historisches Preismaximum, Energiekrise 2 |
| 2024 | 12,49 | -15,61 | Marktanpassung und Ausbau LNG-Infrastruktur 2 |
| 2025 | 12,07 | -3,36 | Relative Stabilisierung auf hohem Niveau 1 |
Ausgangsbedingungen im Januar 2026: Ein fragmentierter Markt
Zum Stichtag Januar 2026 zeigt sich ein tief gespaltener Gasmarkt. Während Neukunden von den gesunkenen Großhandelspreisen profitieren und Tarife bereits ab etwa 7,14 bis 8,00 Cent/kWh abschließen können, verharren Millionen von Haushalten in teuren Altverträgen oder der Grundversorgung.9 Der Durchschnittspreis für Bestandskunden liegt Ende Januar 2026 bei 10,74 Cent/kWh, während Kunden in der Grundversorgung sogar 13,60 Cent/kWh zahlen müssen.9 Diese Spreizung von über 6 Cent/kWh verdeutlicht die immense Bedeutung der Anbieterwahl in der aktuellen Marktphase.
Fiskalische und regulatorische Rahmenbedingungen zum Jahreswechsel
Das Jahr 2026 ist durch signifikante Änderungen in der staatlichen Preisstruktur gekennzeichnet. Zwei gegenläufige Effekte prägen die Kostenentwicklung: die Abschaffung der Gasspeicherumlage und der Anstieg der CO2-Bepreisung. Zum 1. Januar 2026 wurde die Gasspeicherumlage, die zuletzt bei 0,289 Cent/kWh lag, vollständig gestrichen.6 Diese Kosten werden fortan aus dem Bundeshaushalt finanziert, was einen Haushalt mit 20.000 kWh Jahresverbrauch nominal um etwa 58 Euro pro Jahr entlastet.7
Gleichzeitig tritt die CO2-Abgabe in eine neue, marktbasierte Phase ein. Statt eines festen Preises wird der Zertifikatspreis nun in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne ermittelt.11 Dies führt dazu, dass die CO2-Kosten pro Kilowattstunde auf bis zu 1,40 Cent (brutto) ansteigen.6 Berechnungen zeigen, dass die Mehrbelastung durch den CO2-Anstieg (ca. 47 Euro pro Jahr) die Entlastung durch den Wegfall der Speicherumlage nahezu vollständig neutralisiert.6
Ein weiterer kritischer Faktor sind die Gasnetzentgelte. Während die Stromnetzentgelte durch staatliche Zuschüsse im Jahr 2026 durchschnittlich um 16 % sinken konnten, verzeichnen die Gasnetze eine gegenteilige Entwicklung.11 Die Entgelte für den Gastransport steigen bundesweit im Schnitt um 11,2 %, was Mehrkosten von rund 0,18 bis 0,34 Cent/kWh verursacht.11 Der Grund hierfür ist struktureller Natur: Immer weniger Gaskunden müssen die fixen Kosten für Instandhaltung und Betrieb des Netzes schultern, während Netzbetreiber ihre Investitionen aufgrund der geplanten Dekarbonisierung über kürzere Zeiträume abschreiben dürfen (sog. Transformationsabschreibungen).11
Kostenstruktur des Erdgaspreises für Haushalte im Januar 2026
Die folgende Tabelle illustriert die Zusammensetzung des Endkundenpreises für ein typisches Einfamilienhaus (EFH) mit einem Verbrauch von 20.000 kWh/Jahr.
| Preisbestandteil | Kosten (ct/kWh) | Anteil (%) | Dynamik/Grundlage |
| Beschaffung, Vertrieb & Marge | 5,04 | 45,4 % | Abhängig von Börsenpreisen 3 |
| Netzentgelte (inkl. Messung) | 2,57 | 23,2 % | Regionaler Anstieg (+11 %) 3 |
| CO2-Preis | 1,40 | 12,6 % | Preiskorridor 55–65 €/t 6 |
| Erdgassteuer | 0,55 | 5,0 % | Gesetzlich fixiert 3 |
| Konzessionsabgabe | 0,03 | 0,3 % | Kommunale Abgabe 3 |
| Mehrwertsteuer (19 %) | 1,51 | 13,5 % | Regelsteuersatz seit April 2024 3 |
| Gesamtpreis | 11,10 | 100,0 % | Effektiver Endkundenpreis 3 |
Die Analyse der Gasspeicher: Ein kritisches Fundament für 2026
Ein zentrales Merkmal der Ausgangslage im Jahr 2026 ist die Situation der Gasspeicher. Während Deutschland in den Krisenjahren 2023 und 2024 von sehr hohen Füllständen profitierte, zeigt der aktuelle Winterverlauf eine strukturelle Schwäche in der Vorsorgestrategie.
Historisch niedrige Speicherstände und ihre Ursachen
Ende Januar 2026 liegen die deutschen Gasspeicherfüllstände bei ca. 35 % bis 47 %.11 Zum Vergleich: Am selben Stichtag im Jahr 2025 lag der Füllstand bei 58 %, im Jahr 2024 sogar bei 76 %.19 Dieser Rückgang wird von Experten als “historisch niedriges Niveau” eingestuft, das Erinnerungen an den Krisenwinter 2021/22 wachruft.19
Die Ursache liegt primär in einer unzureichenden Befüllung vor Beginn der Heizperiode. Deutschland startete am 1. November 2025 mit einem Füllstand von lediglich 75 %, während die gesetzlichen Zielvorgaben früherer Jahre oft Werte von über 95 % vorsahen.19 Zwar wurde die europäische Zielvorgabe von 70 % knapp erfüllt, doch der Sicherheitspuffer für extreme Kältephasen ist dadurch signifikant geschrumpft.20 Diese Situation hat unmittelbare Auswirkungen auf die psychologische Preisbildung an den Börsen: Jede Kältewelle führt nun schneller zu Preisspitzen, da das Vertrauen in die physischen Reserven erodiert ist.
Technische Restriktionen bei niedrigen Füllständen
Ein oft unterschätzter Faktor ist der sinkende physische Lagerstättendruck in den Speichern. Bei Füllständen unter 20 % kann die benötigte Gasmenge nicht mehr mit der gleichen Geschwindigkeit ausgespeichert werden wie bei vollen Speichern.19 Dies ist besonders bei Kavernenspeichern kritisch, die für die Abdeckung von Lastspitzen bei Frostperioden zuständig sind.19 Sollte der Füllstand unter diese kritische Marke sinken, droht eine operative Instabilität im Netz, die selbst bei theoretisch vorhandenen Gasmengen zu einer lokalen Unterversorgung führen kann.
Prognosen für den Restwinter 2026: Ein meteorologisches Roulette
Die Preisentwicklung bis zum Frühjahr 2026 hängt massiv vom verbleibenden Temperaturverlauf ab. Die Meteorologie ist hierbei der stärkste Treiber für kurzfristige Volatilität.
Szenario 1: Die Grenzwetterlage im Februar
Aktuelle Modelle für den Februar 2026 zeigen eine markante Grenzwetterlage über Deutschland. Der Nordosten bleibt unter dem Einfluss arktischer Frostluft mit Temperaturen von bis zu -8 Grad, während der Südwesten mildere Luftmassen bis +8 Grad erlebt.24 Sollte sich die Kaltluft bundesweit durchsetzen (“Beast from the East”), würde der Tagesverbrauch auf über 5 TWh ansteigen.19 Dies würde die Speicherentnahmeraten auf 1,2 bis 1,4 Prozentpunkte pro Tag treiben und könnte die Speicher bereits bis Anfang März vollständig entleeren.8
Szenario 2: Der “Märzwinter” und seine Folgen
Ein meteorologisches Phänomen, das 2026 an Bedeutung gewinnt, ist die Instabilität des Polarwirbels. Ein sog. “Polarwirbel-Split” kann dazu führen, dass der Frühling im März durch späte Kälteeinbrüche verzögert wird.27 Ein solcher “Märzwinter” würde die Heizperiode verlängern und die ohnehin niedrigen Speicherbestände weiter belasten. Die Wahrscheinlichkeit für einen kühlen März mit Durchschnittstemperaturen zwischen +3,5 °C und +5,5 °C wird auf über 50 % geschätzt.26
Szenario 3: Die frühe Normalisierung im April
Für den April 2026 deutet die Langfristprognose auf eine Rückkehr zur Normalität hin. Die Durchschnittswerte um +8 bis +10 Grad markieren das Ende der Kernheizperiode.27 Für die Energiepreise ist dieser Monat entscheidend, da hier die Wiederbefüllung der Speicher für den nächsten Winter beginnt. Ein milder April würde den Druck auf die Preise senken und den Anbietern erlauben, günstigere Konditionen an Neukunden weiterzugeben.27
Internationale Entwicklungen: Die “LNG-Welle” als globaler Gamechanger
Während die lokale Situation durch niedrige Speicherstände angespannt ist, zeigt das globale Bild im Jahr 2026 Anzeichen einer massiven Entlastung. Wir befinden uns am Beginn einer globalen “LNG-Welle”.
Kapazitätsausbau in Nordamerika und Katar
Im Jahr 2026 werden weltweit neue Kapazitäten zur Verflüssigung von Erdgas in Betrieb genommen, die das Angebot sprunghaft erhöhen. Allein aus den USA, Katar, Kanada und Afrika wird ein Zuwachs von mindestens 35 bis 40 Millionen Tonnen Kapazität erwartet.30 Das globale LNG-Angebot soll damit um über 7 % steigen – der stärkste Zuwachs seit 2019.30 Diese Entwicklung führt zu einer Entspannung der fundamentalen Marktdaten und übt einen erheblichen Abwärtsdruck auf die Preise aus. Analysten prognostizieren, dass die Preise am europäischen Terminmarkt (TTF) im Jahresmittel 2026 auf rund 30 €/MWh sinken könnten, was deutlich unter dem Niveau von 2025 liegt.29
Geopolitische Verschiebungen und das Ende des Ukraine-Transits
Ein kritischer Faktor ist das offizielle Ende des russischen Gastransits durch die Ukraine, das Ende 2024 wirksam wurde und dessen Auswirkungen 2026 voll zum Tragen kommen. Zentraleuropäische Märkte wie Österreich, Tschechien und die Slowakei müssen nun vollständig über westliche Routen versorgt werden.35 Dies führt zu einer dauerhaften Umkehr der Gasflüsse in Europa von West nach Ost. Deutschland fungiert hierbei als zentrale Drehscheibe, was die Auslastung der hiesigen Infrastruktur erhöht und die regionalen Netzentgelte stabil auf hohem Niveau hält.34
Gleichzeitig hat die EU beschlossen, russisches Pipeline-Gas und LNG bis spätestens November 2027 vollständig zu verbieten.37 Bis Ende 2026 soll bereits der Import von russischem LNG eingestellt werden.37 Diese politische Entscheidung zwingt die europäischen Versorger in langfristige, oft teurere Verträge mit US-Produzenten, was einen “Preisfloor” (eine Untergrenze) für Gaspreise schafft, der weit über dem historischen Niveau der 2010er Jahre liegt.7
Differenzierung der Gasarten: Pipelinegas versus Flüssiggas (LPG)
Für den Endkunden ist es essenziell, zwischen dem leitungsgebundenen Erdgas (Pipelinegas) und dem per Tank gelieferten Flüssiggas (LPG) zu unterscheiden, da sie unterschiedlichen Marktgesetzen folgen.
Pipelinegas: Die komplexe Preisarchitektur
Erdgas aus dem Netz wird durch die bereits detailliert beschriebene Mischung aus Beschaffung, Netzentgelten und Steuern bepreist. Ein wesentliches Merkmal 2026 ist die hohe Korrelation mit dem Strommarkt. Da Gas ein zentraler Energieträger für die Stromerzeugung bleibt, führen Schwankungen im Gaspreis direkt zu Änderungen der Strompreise.7 Der durchschnittliche Endkundenpreis für Pipelinegas liegt 2026 bei ca. 10 bis 11 Cent/kWh, wobei Neukundentarife die 8-Cent-Marke unterbieten können.3
Flüssiggas (LPG): Die autarke Alternative
Flüssiggas, bestehend aus Propan und Butan, wird unabhängig vom öffentlichen Leitungsnetz in Tanks gespeichert. Rund eine halbe Million Haushalte in Deutschland nutzen diese Heizform.39
Die Preisbildung bei Flüssiggas folgt primär dem Ölpreis (Brent) und unterliegt starken saisonalen Schwankungen. Im Januar 2026 kostet ein Liter Flüssiggas durchschnittlich 72,16 Cent (inkl. MwSt.) bei Abnahmemengen unter 3.000 Litern.39 Rechnet man dies auf den Brennwert um (), ergibt sich ein Preis von ca. 9 bis 10 Cent/kWh.40
| Merkmal | Pipelinegas (Erdgas) | Flüssiggas (LPG) |
| Transport | Leitungsgebunden (Netz) | LKW-Lieferung (Tank) 40 |
| Preistreiber | Börse (TTF), Netzentgelte, CO2 9 | Ölpreis (Brent), Logistikkosten 39 |
| Kosten Jan 2026 | 10,74 ct/kWh (Bestand) 9 | ~9,80 ct/kWh (umgerechnet) 40 |
| Investition | Hausanschluss (1.500–3.000 €) 40 | Tankmiete möglich 40 |
| CO2-Abgabe | Steigend (1,4 ct/kWh) 15 | Etwas höher als Erdgas (215 g/kWh) 16 |
Ein signifikanter Vorteil von Flüssiggas im Jahr 2026 ist das Fehlen der staatlich regulierten Netzentgelte, die bei Erdgas massiv steigen. Zudem sind LPG-Nutzer unabhängiger von Infrastrukturausfällen im Gasnetz. Allerdings ist die CO2-Belastung pro kWh bei Flüssiggas mit ca. 215 g CO2/kWh höher als bei Erdgas (ca. 201 g CO2/kWh), was zu leicht höheren CO2-Zusatzkosten führt.16
Szenarienbasierte Prognose für das Gesamtjahr 2026
Basierend auf den analysierten Datenclustern lassen sich drei plausible Szenarien für die Gaspreisentwicklung in Deutschland skizzieren.
Szenario A: Das “Abundance”-Szenario (Best Case)
In diesem Szenario führt ein milder Restwinter zu Speicherständen von über 20 % im April. Die gleichzeitig auf den Markt drängende “LNG-Welle” aus den USA und Katar führt zu einem massiven Überangebot. Die Großhandelspreise sinken dauerhaft unter 25 €/MWh.
- Auswirkung: Die Neukundenpreise fallen im Sommer 2026 auf ca. 6,8 bis 7,5 Cent/kWh. Versorger geben die Senkungen aggressiv weiter, um Marktanteile zu gewinnen.
- Eintrittswahrscheinlichkeit: 20 %.19
Szenario B: Das Konsolidierungs-Szenario (Base Case)
Der Winter verläuft normal, die Speicher leeren sich bis April auf ca. 10 %. Die globale LNG-Welle stabilisiert den Markt, kann aber die steigenden Binnenkosten (Netzentgelte, CO2-Preis) nur teilweise kompensieren.
- Auswirkung: Die Preise für Neukunden bewegen sich stabil in einem Korridor zwischen 7,7 und 8,5 Cent/kWh. Bestandskunden verharren bei ca. 10 Cent/kWh. Die Inflation der Netzentgelte frisst die Effizienzgewinne der Beschaffung auf.
- Eintrittswahrscheinlichkeit: 60 %.7
Szenario C: Das Krisen-Resonanz-Szenario (Worst Case)
Ein extrem kalter Februar (“Grenzwetterlage”) leert die Speicher vollständig. Technische Probleme an einem norwegischen Hub oder geopolitische Sperren im Suezkanal verzögern LNG-Lieferungen.
- Auswirkung: Kurzfristiger Preisschock im März/April 2026 auf über 15 Cent/kWh am Spotmarkt. Die Bundesnetzagentur ruft die Alarmstufe aus. Die Endkundenpreise steigen für alle Tarife ohne Preisgarantie sprunghaft an.
- Eintrittswahrscheinlichkeit: 20 %.19
Strategische Empfehlungen: Anbieterwechsel und Timing
Für Haushalte im Jahr 2026 ist das Timing des Anbieterwechsels der entscheidende Hebel zur Kostensenkung.
Wann ist der optimale Wechselzeitpunkt?
Die Analyse der saisonalen Preiskurven am Terminmarkt der EEX (European Energy Exchange) zeigt ein klares Muster. Die Preise für Lieferungen im Sommer 2026 werden aktuell deutlich niedriger gehandelt als die Preise für den aktuellen Winter.41
- Empfehlung: Der beste Monat für einen Wechsel ist der April oder Mai 2026. Zu diesem Zeitpunkt sinkt die Heiznachfrage saisonal ab, die Unsicherheit über den Winter ist gewichen und die neue “LNG-Welle” wird im Markt voll eingepreist sein.39 Ein Wechsel im Frühjahr sichert zudem oft eine Preisgarantie für den darauffolgenden Winter zu günstigen Konditionen.
Regionale Besonderheiten beachten
Verbraucher in Berlin und Hamburg profitieren von einer hohen Siedlungsdichte und daraus resultierenden niedrigeren Netzentgelten.6 Hier sind Tarife um 7,3 Cent/kWh realisierbar.9 Im Gegensatz dazu müssen Haushalte in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder dem Saarland aufgrund der dünneren Besiedlung und der höheren Netzkosten mit mindestens 8,5 bis 9,5 Cent/kWh rechnen.2
Rechtliche Hebel: Das Sonderkündigungsrecht
Jeder Gasanbieter ist verpflichtet, Änderungen bei Steuern, Abgaben oder Umlagen transparent mitzuteilen. Der Wegfall der Gasspeicherumlage zum 1. Januar 2026 hätte bei vielen Anbietern zu einer Preissenkung führen müssen. Wurde diese Senkung nicht eins zu eins weitergegeben oder mit einer Erhöhung anderer Komponenten “verrechnet”, steht dem Kunden oft ein Sonderkündigungsrecht zu.14 Haushalte in der Grundversorgung können ohnehin jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen und sollten dies angesichts einer potenziellen Ersparnis von bis zu 1.250 Euro pro Jahr umgehend prüfen.10
Fazit: Die neue Realität der Gasversorgung
Das Jahr 2026 markiert das Ende der akuten Energiekrise, aber nicht die Rückkehr zum Billiggaszeitalter. Der deutsche Gasmarkt hat sich in einem “High-Level-Equilibrium” eingependelt. Die physische Versorgungssicherheit ist durch LNG und norwegische Importe gewährleistet, doch der Preis dafür ist eine dauerhaft höhere Kostenbasis.
Die historisch niedrigen Speicherstände im ersten Quartal 2026 stellen ein signifikantes Risiko dar, das jedoch durch die globale Angebotsschwemme ab dem zweiten Quartal ausgeglichen wird. Für den Endverbraucher bedeutet dies: Preisstabilität ist nur durch aktives Marktmonitoring und regelmäßige Anbieterwechsel zu erreichen. Die strukturellen Preistreiber – insbesondere die Netzentgelte und die CO2-Abgabe – werden in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen und den reinen Beschaffungspreis als dominierende Komponente ablösen. Wer 2026 strategisch klug handelt, den Wechsel im Frühjahr vollzieht und auf moderne Gastarife mit Preisgarantie setzt, kann die Belastungen jedoch auf ein handhabbares Maß reduzieren. Gas bleibt eine Brückentechnologie, deren ökonomische Attraktivität zunehmend von politischer Steuerung und globaler Logistik statt von einfacher Verfügbarkeit abhängt.
Referenzen
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- Gaspreisentwicklung in Deutschland 2024 – 2025 – PREISVERGLEICH.de, Zugriff am Januar 31, 2026, https://gas.preisvergleich.de/info/21/gaspreisentwicklung/
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- Gaspreise 2026 vergleichen & bis 1.250 € sparen – Verivox, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.verivox.de/gas/gaspreise/
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- Preisvergleich: Erdgas und Flüssiggas – Gastank + Gas! | Flüssiggas1.de, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.fluessiggas1.de/preisvergleich-erdgas-und-fluessiggas/
- Iqony – EEX, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.eex.com/de/customised-solutions/iqony
- Erdgas_EEX Terminmarkt Handelstage Quartal_2026.xlsm – ENGIE Deutschland, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/erdgas_eex-terminmarkt-handelstage-quartal_2026.pdf
- Preiserhöhungen bei Strom und Gas – was ist erlaubt? | Verbraucherzentrale.de, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/probleme-mit-vertraegen-und-rechnungen/preiserhoehungen-bei-strom-und-gas-was-ist-erlaubt-13201
- Preiserhöhungen – Bundesnetzagentur, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/Energie/Preiserhoehungen/start.html
KI-gestützt. Menschlich veredelt.
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