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Martin Käßler
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Doomsday Clock: Warum der Weltuntergang verschoben werden kann

Doomsday Clock: Warum der Weltuntergang verschoben werden kann

Doomsday Clock: Die Illusion einer messbaren Apokalypse

Einleitung: Das Paradoxon von 85 Sekunden

Am 27. Januar 2026 vollzog sich in Washington, D.C., ein Ritual, das mittlerweile ebenso fest im Kalender der globalen Medienöffentlichkeit verankert ist wie die Verleihung der Nobelpreise oder die Eröffnung der UN-Generalversammlung. Vor den Augen der Weltpresse enthüllten die Mitglieder des Science and Security Board (SASB) des Bulletin of the Atomic Scientists die neue Einstellung der sogenannten “Doomsday Clock” – der Weltuntergangsuhr. Die Zeiger wurden auf 85 Sekunden vor Mitternacht vorgerückt.1 Dies markiert den geringsten Abstand zur metaphorischen Stunde der globalen Katastrophe, den das Instrument in seiner fast 80-jährigen Geschichte je angezeigt hat.4

Inhalt

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  • Doomsday Clock: Die Illusion einer messbaren Apokalypse
  • Einleitung: Das Paradoxon von 85 Sekunden
  • Kapitel 1: Die Genese eines Symbols – Von der Grafik zur vermeintlichen Metrik
    • 1.1 Der ästhetische Ursprung im Manhattan-Projekt
    • 1.2 Die Transformation zur Institution
    • 1.3 Die historische Volatilität als Indikator für Subjektivität
  • Kapitel 2: Das methodische Vakuum – Warum “5 vor 12” keine Messung ist
    • 2.1 Das Problem der fehlenden Definitionen
    • 2.2 Mangelnde Falsifizierbarkeit (Das Popper-Kriterium)
    • 2.3 Die “Black Box” des Entscheidungsprozesses
    • 2.4 Qualitativ vs. Quantitativ
  • Kapitel 3: Das Problem der Inkommensurabilität – Äpfel, Birnen und Atomsprengköpfe
    • 3.1 Divergierende Zeithorizonte
    • 3.2 Die Verwässerung des Nuklearrisikos
    • 3.3 Tabelle: Inkommensurabilität der Risikofaktoren
  • Kapitel 4: Die Politisierung der Zeit – “Liberal Bias” und “Securitization”
    • 4.1 Der Vorwurf der politischen Einseitigkeit
    • 4.2 Securitization: Klimawandel als Sicherheitsproblem
    • 4.3 Die Rolle der “Disruptiven Technologien” im Jahr 2026
  • Kapitel 5: Die Psychologie des Untergangs – Wirkung und Nebenwirkung
    • 5.1 Alarmismus und “Apocalypse Fatigue”
    • 5.2 Negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit
    • 5.3 Die Rolle der Medien
  • Kapitel 6: Der Vergleich mit echter Risiko-Wissenschaft
    • 6.1 Probabilistische Prognostik (Superforecasting)
    • 6.2 Mikromorts und QALYs
    • 6.3 Der Global Catastrophic Risk Index (GCRI)
    • Tabelle: Vergleich Doomsday Clock vs. Moderne Risikoanalyse
  • Kapitel 7: Analyse der Entscheidung 2026 – Warum 85 Sekunden?
  • Kapitel 8: Fazit – Das Ende der Zeitmessung
    • Epilog: Die Experten hinter dem Vorhang
      • Referenzen
          • KI-gestützt. Menschlich veredelt.

Die Botschaft, die von diesem Symbol ausgeht, ist von beispielloser Dringlichkeit: Die Menschheit steht dichter am Abgrund der Selbstvernichtung als während der Kubakrise 1962, dichter als bei der Einführung der Wasserstoffbombe 1953 und dichter als auf dem Höhepunkt des kalten Krieges in Europa in den 1980er Jahren. Als Gründe für diese drastische Verschärfung führte das Bulletin eine “toxische Mischung” aus eskalierenden geopolitischen Spannungen – insbesondere den fortgesetzten Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten –, der unkontrollierten Proliferation disruptiver Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) und biologischer Kampfstoffe sowie der existenziellen Bedrohung durch den Klimawandel an.4

Doch während die mediale Resonanz auf diese Verkündung gewaltig ist und die “85 Sekunden” in Schlagzeilen rund um den Globus als quasi-faktische Bestandsaufnahme des Weltzustands zitiert werden, regt sich in der wissenschaftlichen Gemeinschaft, unter Risikoanalysten und Wissenschaftstheoretikern fundierter Widerstand. Die zentrale Kritik lautet: Die Doomsday Clock ist kein wissenschaftliches Instrument. Sie ist keine Uhr, die etwas misst, sondern ein Meinungsbarometer, das Ängste aggregiert. Sie operiert im Gewand der exakten Wissenschaft – mit “Boards”, “Daten” und “Sekunden” –, entzieht sich aber deren grundlegenden Prinzipien: Transparenz, Reproduzierbarkeit, Falsifizierbarkeit und methodische Konsistenz.

Dieser Bericht hat das Ziel, jenseits der emotionalen Schlagkraft des Symbols eine nüchterne, wissenschaftstheoretische Autopsie der Doomsday Clock vorzunehmen. Er richtet sich an den kritischen Beobachter, der verstehen möchte, warum eine Gruppe von Experten zu dem Schluss kommt, dass “85 Sekunden” den Zustand der Welt adäquat beschreiben, und warum diese Zahl aus der Perspektive moderner Risikoanalyse weitgehend bedeutungslos, wenn nicht gar irreführend ist. Wir werden die methodischen Leerstellen analysieren, die historische Volatilität der Uhr als Beweis ihrer Subjektivität heranziehen und sie mit modernen, quantitativen Ansätzen der Existenzrisikoforschung (Existential Risk Studies) vergleichen. Dabei wird deutlich werden, dass die Doomsday Clock weniger über die physikalische Realität der Welt aussagt als über die psychologische Verfassung ihrer Wächter.

Kapitel 1: Die Genese eines Symbols – Von der Grafik zur vermeintlichen Metrik

Um die epistemologischen Defizite der Doomsday Clock zu verstehen, muss man zu ihrem Ursprung zurückkehren. Die Uhr wurde nicht als Ergebnis einer mathematischen Gleichung geboren, sondern als grafisches Element für ein Zeitschriften-Cover. Ihre Geschichte offenbart, wie sich ein Design-Objekt über die Jahrzehnte hinweg den Anschein wissenschaftlicher Präzision aneignete, ohne jemals das entsprechende methodische Fundament zu legen.

1.1 Der ästhetische Ursprung im Manhattan-Projekt

Das Bulletin of the Atomic Scientists wurde 1945 von Wissenschaftlern der Universität Chicago gegründet, die zuvor am Manhattan-Projekt gearbeitet hatten.7 Diese Männer und Frauen, darunter Giganten der Physik wie J. Robert Oppenheimer und Albert Einstein, waren getrieben von einer tiefen moralischen Schuld und der Sorge, dass die von ihnen entfesselte Kernenergie ohne politische Kontrolle zur Vernichtung der Menschheit führen würde.8

Im Jahr 1947 suchte Hyman Goldsmith, einer der Mitbegründer, nach einem einprägsamen Titelbild für die Juni-Ausgabe des Bulletins. Er beauftragte die Künstlerin Martyl Langsdorf, die Ehefrau des Physikers Alexander Langsdorf, mit dem Entwurf. Martyl wählte das Bild einer Uhr, deren Zeiger sich Mitternacht nähern, um die Dringlichkeit der Gefahr zu symbolisieren. Sie setzte den Minutenzeiger auf sieben Minuten vor zwölf. Warum sieben Minuten? Nicht aufgrund einer Risikoanalyse, sondern – wie sie später selbst zugab – weil es “für das Auge gut aussah”.3

Dieser Moment ist entscheidend für das Verständnis aller folgenden Jahrzehnte: Der “Nullpunkt” der Doomsday Clock, ihre Kalibrierung, basierte auf einer rein ästhetischen Entscheidung. Es gab keine Datenpunkte, die “7 Minuten” rechtfertigten, im Gegensatz zu “10 Minuten” oder “2 Minuten”. Die Uhr war von Geburt an Kunst, nicht Wissenschaft. Sie war Agitprop im besten Sinne – Propaganda für das Überleben –, aber sie war nie ein Messinstrument.

1.2 Die Transformation zur Institution

In den folgenden Jahren übernahm der Herausgeber des Bulletins, Eugene Rabinowitch, die Aufgabe, die Uhr zu stellen. Er tat dies basierend auf Gesprächen mit Wissenschaftlern und seiner eigenen Einschätzung der weltpolitischen Lage. Nach seinem Tod 1973 wurde diese Aufgabe an das Science and Security Board (SASB) übertragen, ein Gremium aus Experten für Nukleartechnologie, Politikwissenschaft und später Klimatologie.1

Mit dieser Institutionalisierung begann der Prozess der “Verwissenschaftlichung” des Symbols. Das Board trifft sich zweimal jährlich, berät sich mit einem Sponsoren-Board (das zahlreiche Nobelpreisträger umfasst) und veröffentlicht dann eine ausführliche Begründung für die neue Zeit.1 Durch diesen Prozess – Gremien, Experten, Nobelpreisträger, Begleittexte – wird der Anschein erweckt, die Zeigerstellung sei das Resultat eines rigorosen analytischen Prozesses. Die Öffentlichkeit nimmt die “85 Sekunden” als einen Wert wahr, der ähnlich präzise ermittelt wurde wie die Inflationsrate oder die globale Durchschnittstemperatur. Doch diese Wahrnehmung ist eine Illusion. Es gibt keinen Algorithmus, der geopolitische Spannungen in Sekunden umrechnet. Es bleibt, im Kern, eine subjektive Konsensentscheidung einer kleinen Gruppe von Intellektuellen.

1.3 Die historische Volatilität als Indikator für Subjektivität

Ein Blick auf die historische Entwicklung der Uhr zeigt, wie stark sie vom jeweiligen Zeitgeist und den politischen Präferenzen des Boards abhängt, oft losgelöst von objektiven Bedrohungsdaten.

  • 1953 (2 Minuten vor zwölf): Nachdem die USA und die Sowjetunion ihre ersten Wasserstoffbomben getestet hatten, wurde die Uhr auf 2 Minuten vor zwölf gestellt. Dies war bis 2020 der historische Tiefststand. Die Logik war klar: Die technologische Fähigkeit zur globalen Vernichtung war nun vorhanden.9
  • 1962 (Kubakrise): Während der Kubakrise, dem wohl gefährlichsten Moment der Menschheitsgeschichte, blieb die Uhr unverändert. Da die Krise nur wenige Tage dauerte und die Uhr nur periodisch gestellt wird, konnte das Instrument die tatsächliche Eskalation gar nicht abbilden. Dies zeigt die Trägheit und Unfähigkeit der Uhr als Echtzeit-Warnsystem.
  • 1991 (17 Minuten vor zwölf): Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Unterzeichnung des START-Vertrages wurde die Uhr auf 17 Minuten zurückgestellt – der sicherste Stand aller Zeiten.3 Rückblickend erscheint dieser Optimismus fast naiv. Der Zusammenbruch der Sowjetunion führte zu enormen Risiken bezüglich der Sicherheit von Nuklearmaterial (“Loose Nukes”) und der Instabilität riesiger Arsenale. Das Bulletin feierte den diplomatischen Erfolg, ignorierte aber weitgehend die chaotischen Risiken des Machtvakuums.
  • 2016 vs. 2017: Ein besonders deutliches Beispiel für politische Subjektivität. 2016, obwohl Nordkorea Atomtests durchführte, blieb die Uhr stabil. 2017, nach der Wahl Donald Trumps, wurde sie vorgestellt – explizit auch wegen der “Rhetorik” des neuen US-Präsidenten.10 Kritiker merkten an, dass hier Worte stärker gewichtet wurden als nukleare Tests, was den Verdacht nährt, dass die Uhr auch ein Instrument politischer Kritik an bestimmten Administrationen ist.

Die Zeigerbewegungen korrelieren also nicht zwingend mit der mathematischen Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs, sondern mit der Sorge (Concern) der Wissenschaftler. Sorge ist eine Emotion, keine Metrik.

Kapitel 2: Das methodische Vakuum – Warum “5 vor 12” keine Messung ist

Wissenschaftliche Instrumente zeichnen sich durch Validität (sie messen das, was sie messen sollen), Reliabilität (sie liefern unter gleichen Bedingungen gleiche Ergebnisse) und Objektivität (das Ergebnis ist unabhängig vom Messenden) aus. Die Doomsday Clock scheitert an allen drei Kriterien.

2.1 Das Problem der fehlenden Definitionen

Was genau ist “Mitternacht”? In den ersten Jahrzehnten war die Antwort relativ klar: Der globale nukleare Schlagabtausch, der das Ende der Zivilisation bedeutet. Diese Definition war binär. Entweder die Welt existiert, oder es ist Mitternacht.

Mit der Aufnahme des Klimawandels (2007) und disruptiver Technologien (KI, Bio) in die Bewertung hat sich diese Definition aufgelöst.11

  • Ist Mitternacht nun der Moment, in dem die Erderwärmung 2 Grad überschreitet?
  • Oder wenn 1,5 Grad überschritten sind?
  • Oder wenn der Golfstrom kollabiert?
  • Ist Mitternacht, wenn eine KI das Bewusstsein erlangt?

Da “Mitternacht” für diese neuen Risiken nicht eindeutig definiert ist, wird auch der Abstand zu Mitternacht bedeutungslos. Man kann nicht den Abstand zu einem Ziel messen, dessen Position nicht fixiert ist. Kritiker wie Alex Barasch von Slate argumentieren, dass diese Unschärfe die Uhr wissenschaftlich wertlos macht.3 Wenn Mitternacht eine Metapher für “etwas sehr Schlimmes” wird, verliert die Uhr ihre präzise Warnfunktion vor der existenziellen Auslöschung.

2.2 Mangelnde Falsifizierbarkeit (Das Popper-Kriterium)

Nach Karl Popper muss eine wissenschaftliche Theorie falsifizierbar sein. Man muss Bedingungen nennen können, unter denen sich die Theorie als falsch erweist. Die Doomsday Clock entzieht sich dieser Logik.12

  • Wenn kein Atomkrieg ausbricht, kann das Bulletin behaupten: “Unsere Warnung war erfolgreich, die Politik hat reagiert.”
  • Wenn die Situation eskaliert, kann das Bulletin sagen: “Wir haben es ja vorhergesagt.”

Es gibt kein Szenario, in dem die Uhr “falsch” gehen kann. Selbst wenn die Welt jahrzehntelang friedlich bleibt, können die Wissenschaftler argumentieren, dass das Risiko latent hoch war. Ein Instrument, das immer recht hat, egal was in der Realität passiert, ist kein wissenschaftliches Prognoseinstrument, sondern ein prophetisches Glaubenssystem.

Ein Nutzer auf Reddit brachte dieses Problem auf den Punkt: “Was passiert, wenn ihnen die Sekunden ausgehen und die Welt nicht untergegangen ist? Gehen sie dann zu Millisekunden über?”.13 Diese Frage, so salopp sie klingt, trifft den Kern des Skalierungsproblems. Wenn wir bei 85 Sekunden sind, und die Lage verschlechtert sich weiter (z.B. durch eine weitere Eskalation im Ukraine-Krieg), geht die Uhr dann auf 60 Sekunden? Und wenn dann noch eine Pandemie ausbricht, auf 30? Das asymptotische Annähern an Null, ohne dass das Ereignis eintritt (“Zenons Paradoxon des Weltuntergangs”), führt die Metapher ad absurdum.

2.3 Die “Black Box” des Entscheidungsprozesses

Wissenschaftliche Ergebnisse müssen reproduzierbar sein. Wenn ein anderes Expertengremium mit denselben Daten (Anzahl der Atomsprengköpfe, CO2-Konzentration, geopolitische Ereignisse) gefüttert würde, müsste es idealerweise zur selben Uhrzeit kommen. Bei der Doomsday Clock ist dies höchst unwahrscheinlich. Der Entscheidungsprozess des SASB findet hinter verschlossenen Türen statt. Es gibt keine veröffentlichten Algorithmen oder Gewichtungsmatrizen.14 Wir wissen nicht, ob der Klimawandel zu 30% in die Entscheidung von 2026 einfloss oder zu 50%. Wir wissen nicht, wie stark der Krieg in Gaza im Vergleich zum Krieg in der Ukraine gewichtet wurde. Es ist ein Prozess der Beratung und des Konsenses. Solche Prozesse sind anfällig für Gruppendenken (Groupthink) und die Dominanz einzelner meinungsstarker Persönlichkeiten im Raum. Ohne eine transparente Methodik ist die Uhrzeit von 2026 (85 Sekunden) nicht mehr als die “kristallisierte Angst” einer spezifischen Gruppe von Menschen an einem spezifischen Tag in Chicago.15

2.4 Qualitativ vs. Quantitativ

Die Verteidiger der Uhr argumentieren oft, dass qualitative Risikoanalyse legitim sei, da man komplexe Systeme nicht immer exakt berechnen könne.17 Das ist korrekt. Doch die Doomsday Clock präsentiert ihr qualitatives Urteil in einem quantitativen Gewand (Zeit). Eine Uhr ist das ultimative Symbol für präzise Messung. Indem das Bulletin Sekunden und Minuten verwendet, suggeriert es eine Messgenauigkeit, die qualitativ gar nicht existiert. Es ist eine “Kategorienfehler”: Man drückt ein diffuses Gefühl der Bedrohung in einer Einheit der Zeitmessung aus. Das wäre so, als würde man die Qualität eines Romans in “Grad Celsius” bewerten. Es passt nicht zusammen. Wissenschaftlich redlicher wäre ein “Traffic Light System” (Grün-Gelb-Rot) oder ein “DEFCON”-Level (1 bis 5). Die Nutzung einer Uhr mit Sekundenzeiger ist eine rhetorische Strategie, um Dringlichkeit (Zeit läuft ab) mit Präzision zu verwechseln.

Kapitel 3: Das Problem der Inkommensurabilität – Äpfel, Birnen und Atomsprengköpfe

Der wohl schwerwiegendste methodische Einwand gegen die moderne Doomsday Clock betrifft die Aggregation völlig unterschiedlicher Risikoarten. Seit 2007 (Klimawandel) und später mit der Hinzunahme von disruptiven Technologien (KI, Bio) ist die Uhr zu einem “Grab-Bag” (Sammelsurium) geworden.3

3.1 Divergierende Zeithorizonte

Anders Sandberg vom Future of Humanity Institute der Universität Oxford weist darauf hin, dass die verschiedenen Risiken fundamentale Unterschiede in ihrer Zeitstruktur aufweisen 18:

  • Nuklearkrieg: Ein Ereignis mit geringer Wahrscheinlichkeit, aber extrem hoher Geschwindigkeit. Es kann innerhalb von 30 Minuten die Zivilisation beenden. Hier passt die Metapher “Sekunden vor Mitternacht” perfekt.
  • Klimawandel: Ein kumulativer Prozess, der sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte erstreckt. Er ist deterministisch (er findet statt), aber seine Folgen sind graduell. Ihn in “Sekunden vor Mitternacht” auszudrücken, ist irreführend. Wenn die Uhr wegen des Klimas vorrückt, suggeriert sie eine unmittelbare Katastrophe (“morgen ist es vorbei”), was physikalisch beim Klima nicht der Fall ist (es wird schleichend schlimmer).
  • Künstliche Intelligenz: Ein spekulatives Risiko. Wir wissen nicht, ob KI ein existenzielles Risiko darstellt oder “nur” ein gesellschaftliches Problem (Arbeitsplätze, Desinformation).

Diese Risiken auf einer einzigen Skala zu addieren, ist wissenschaftlich unzulässig. Es führt zu einer Informationsverzerrung. Wenn die Uhr auf 85 Sekunden steht, weiß der Bürger nicht: Muss ich Angst haben, dass heute Nacht eine Bombe fällt (akute Gefahr), oder dass meine Enkel in einer 3 Grad wärmeren Welt leben (chronische Gefahr)? Die Uhr verwischt den Unterschied zwischen akut und chronisch.

3.2 Die Verwässerung des Nuklearrisikos

Kritiker wie Tristin Hopper (National Post) argumentieren, dass die Einbeziehung des Klimawandels die einzigartige Bedrohung durch Atomwaffen verharmlost.3 “Klimawandel ist schlimm, aber er spielt nicht in derselben Liga wie die totale nukleare Vernichtung.” Ein Atomkrieg beendet die Geschichte. Der Klimawandel macht die Geschichte extrem ungemütlich, schwierig und tödlich für viele, aber er bedeutet wahrscheinlich nicht das sofortige Aussterben der Spezies Homo sapiens innerhalb eines Nachmittags. Indem das Bulletin diese Risiken gleichsetzt (indem es beide nutzt, um die Zeiger zu bewegen), betreibt es eine politische Gleichmacherei. Es versucht, die Aufmerksamkeit, die Atomwaffen generieren, auf das Klimathema zu übertragen (“Piggybacking”). Das mag politisch wünschenswert sein, ist aber analytisch unsauber.

3.3 Tabelle: Inkommensurabilität der Risikofaktoren

Die folgende Tabelle verdeutlicht, warum die Addition dieser Faktoren wissenschaftlich problematisch ist:

RisikofaktorArt des RisikosZeithorizontWahrscheinlichkeitReversibilität
NuklearkriegExistentiell (Auslöschung)Sofort (Minuten/Stunden)Gering bis Moderat (Stochastisch)Irreversibel (Zivilisationsende)
KlimawandelKatastrophal (Systemstress)Langfristig (Jahrzehnte/Jahrhunderte)100% (findet statt)Teilweise irreversibel (Kipppunkte)
Künstliche IntelligenzDisruptiv bis ExistentiellUngewiss (Jahre bis Jahrzehnte)Spekulativ (unbekannte Verteilung)Unbekannt (Software ist abschaltbar?)
Biologische BedrohungKatastrophal bis ExistentiellMittelfristig (Wochen/Monate)Moderat (Pandemien sind zyklisch)Bedingt reversibel (Impfstoffe)

Die Doomsday Clock presst all diese unterschiedlichen Dimensionen in eine einzige Zahl: 85 Sekunden. Dies ist eine extreme Datenreduktion (Data Compression), die so viele Informationen vernichtet, dass das Ergebnis (die Uhrzeit) kaum noch analytischen Wert besitzt.

Kapitel 4: Die Politisierung der Zeit – “Liberal Bias” und “Securitization”

Wenn die Doomsday Clock keine objektive Wissenschaft ist, was treibt dann ihre Zeiger an? Viele Kritiker sehen in ihr ein Instrument der politischen Advokatur (Advocacy), das spezifische weltanschauliche Positionen in den Rang objektiver Wahrheiten erhebt.

4.1 Der Vorwurf der politischen Einseitigkeit

Konservative Kommentatoren und Think Tanks wie die Heritage Foundation werfen dem Bulletin vor, einen “Liberal Bias” zu haben.10 Sie argumentieren, dass die Uhr systematisch härter auf republikanische US-Präsidenten reagiert als auf demokratische, und dass sie westliche Demokratien stärker kritisiert als autokratische Regime. Ein Beispiel ist die Argumentation rund um den Iran-Deal (JCPOA). Das Bulletin kritisierte den Ausstieg der USA unter Trump scharf und rückte die Uhr vor. Konservative Sicherheitsanalysten argumentierten hingegen, der Deal sei fehlerhaft gewesen und der Ausstieg habe langfristig die Sicherheit erhöht. Hier zeigt sich: Die “Zeit” auf der Uhr hängt davon ab, welcher politischen Theorie man anhängt.

  • Glaubt man an Rüstungskontrolle und Diplomatie (liberale Schule), war Trumps Ausstieg gefährlich -> Uhr rückt vor.
  • Glaubt man an “Frieden durch Stärke” und Abschreckung (realistische Schule), war der Ausstieg notwendig -> Uhr müsste gleich bleiben oder zurückgehen. Indem das Bulletin die erste Sichtweise als “wissenschaftliche Wahrheit” präsentiert, maskiert es eine politische Meinung als Faktum. “Es ist unaufrichtig und gefährlich, solche politische Advokatur unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Autorität zu betreiben”, so ein Kritiker.10

4.2 Securitization: Klimawandel als Sicherheitsproblem

In der Politikwissenschaft beschreibt das Konzept der “Versicherheitlichung” (Securitization) den Prozess, durch den ein Thema aus dem Bereich der normalen politischen Debatte herausgenommen und zur existentiellen Bedrohung erklärt wird, um außergewöhnliche Maßnahmen zu rechtfertigen. Die Aufnahme des Klimawandels in die Doomsday Clock ist ein Paradebeispiel für Securitization. Klimawandel ist primär ein ökonomisches, technologisches und ökologisches Problem. Indem man es auf die Doomsday Clock setzt, rahmt man es als Sicherheitsproblem (“Krieg gegen das Klima”). Dies ist eine bewusste politische Strategie des Bulletins, um Aufmerksamkeit zu generieren.11 Rachel Bronson, die Präsidentin des Bulletins, gab zu, dass die Aufnahme des Klimas “eine der kontroversesten Entscheidungen” der Organisation war.19 Sie diente dazu, das Narrativ zu verschieben: Nicht mehr nur Atomwaffen töten uns, sondern auch unsere Autos und Kraftwerke. Das ist eine legitime politische Botschaft, aber sie verwässert die klare wissenschaftliche Abgrenzung von akuten Existenzrisiken.

4.3 Die Rolle der “Disruptiven Technologien” im Jahr 2026

Im Jahr 2026 spielte die KI eine zentrale Rolle bei der Entscheidung für “85 Sekunden”. Das Bulletin warnte vor der “Fusion von staatlicher Macht mit der Tech-Oligarchie” und Desinformation.20 Hier begibt sich das Bulletin auf das Feld der Gesellschaftskritik. Die Sorge vor Desinformation und Tech-Monopolen ist berechtigt, aber ist Desinformation wirklich ein “Weltuntergangsgrund” im gleichen Sinne wie eine Wasserstoffbombe? Kritiker würden sagen: Nein. Desinformation bedroht die Qualität der Demokratie, aber nicht die Existenz der biologischen Spezies Mensch. Indem die Uhr beides vermengt, betreibt sie eine alarmistische Inflationierung von Begriffen. Wenn alles “Doomsday” ist, ist nichts mehr “Doomsday”.

Kapitel 5: Die Psychologie des Untergangs – Wirkung und Nebenwirkung

Ein Instrument, das warnen will, muss an seiner Wirkung gemessen werden. Erreicht die Doomsday Clock ihr Ziel, die Menschheit wachzurütteln, oder bewirkt sie das Gegenteil?

5.1 Alarmismus und “Apocalypse Fatigue”

Die Uhr kennt nur eine Richtung: näher an Mitternacht. Seit 1991 (17 Minuten) hat sie sich fast kontinuierlich auf 2026 (85 Sekunden) zubewegt. Dieser permanente Alarmzustand führt zu einem Phänomen, das Psychologen als “Apocalypse Fatigue” (Weltuntergangsmüdigkeit) bezeichnen. Wenn Menschen über Jahre hinweg hören, es sei “2 Minuten vor zwölf”, dann “100 Sekunden”, dann “90 Sekunden”, dann “85 Sekunden”, tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Die Warnung wird zum Hintergrundrauschen.21 Anders Sandberg warnt, dass diese Strategie kontraproduktiv ist: “Man kann sein Leben nicht permanent 3 Minuten vor Mitternacht leben.”.18 Ein dauerhaft hohes Angstniveau ist physiologisch nicht aufrechtzuerhalten. Die Menschen schalten ab, werden fatalistisch oder zynisch. Die Botschaft “Es ist zu spät” (oder fast zu spät) kann dazu führen, dass Menschen denken: “Dann brauche ich auch nichts mehr zu tun.” Konstruktives Handeln erfordert Hoffnung und das Gefühl von Wirksamkeit (Self-Efficacy), nicht nur Angst vor dem Ende.

5.2 Negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Eine neue Studie von Forschern des Mass General Brigham, veröffentlicht im Bulletin selbst (!), untersuchte die Korrelation zwischen der Doomsday Clock und der öffentlichen Gesundheit. Die Ergebnisse sind beunruhigend: Je näher die Uhr an Mitternacht rückt, desto höher sind die Raten von Depressionen, Angststörungen und sogar Suiziden sowie stressbedingten Erkrankungen.22 Die Studie suggeriert, dass die Uhr als “sozialer Determinant von Gesundheit” wirkt. Sie erzeugt “existenziellen Stress”. Das bedeutet: Das Instrument, das die Menschheit retten soll, macht sie buchstäblich krank. Die permanente Retraumatisierung durch die Ankündigung des nahen Endes schadet dem psychischen Wohlbefinden der Bevölkerung, ohne dass ein direkter Beweis vorliegt, dass dieser Stress zu politischer Veränderung führt. Es ist Schmerz ohne Gewinn.

5.3 Die Rolle der Medien

Für die Medien ist die Doomsday Clock ein perfektes Produkt. Sie liefert einfache Bilder, Dramatik und Angst – die Währung der Aufmerksamkeitsökonomie. Artikel mit Titeln wie “Wissenschaftler warnen: Nur noch 85 Sekunden bis zum Ende” klicken gut.

Dies erzeugt eine Symbiose zwischen dem Bulletin und der Presse. Das Bulletin liefert den Content, die Presse liefert die Reichweite. Wissenschaftliche Differenzierung stört diesen Kreislauf nur. Wenn das Bulletin sagen würde: “Die Lage ist komplex, in manchen Bereichen (grüne Energie) besser, in anderen (Ukraine) schlechter, insgesamt schwer zu sagen”, gäbe es keine Schlagzeilen. Die Reduktion auf “85 Sekunden” ist also auch eine Marketingstrategie, um im medialen Lärm Gehör zu finden.

Kapitel 6: Der Vergleich mit echter Risiko-Wissenschaft

Um die Defizite der Doomsday Clock endgültig zu entlarven, lohnt ein Blick darauf, wie moderne Wissenschaft tatsächlich Existenzrisiken analysiert. Es gibt Disziplinen, die dies methodisch sauber tun.

6.1 Probabilistische Prognostik (Superforecasting)

Philip Tetlock und das “Good Judgment Project” haben gezeigt, dass man geopolitische Ereignisse vorhersagen kann – aber nicht durch vage Metaphern, sondern durch präzise Wahrscheinlichkeiten. In einem “Superforecasting”-Ansatz würde man nicht fragen: “Wie spät ist es?”, sondern: “Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Einsatzes zwischen Russland und der NATO im Jahr 2026?” Antworten wären dann: “3,5%”. Diese Zahl ist überprüfbar. Man kann im Nachhinein schauen, ob die Vorhersagen gut kalibriert waren (Brier-Score). Die Doomsday Clock verweigert sich dieser Präzision.25 Sie bleibt im Ungefähren. Ein “Superforecaster” würde die Uhr als “nicht testbare Proposition” verwerfen.

6.2 Mikromorts und QALYs

In der Gesundheits- und Sicherheitsökonomie nutzt man Einheiten wie “Mikromorts” (ein ein-milionstel Wahrscheinlichkeit zu sterben). Damit kann man Risiken vergleichen: Fallschirmspringen vs. Rauchen vs. Leben in Kiew 2026. Toby Ord, Autor von The Precipice, nutzt solche Ansätze, um das existentielle Risiko dieses Jahrhunderts auf “1 zu 6” zu schätzen.27 Der Unterschied zur Doomsday Clock:

  1. Transparenz: Ord legt seine Annahmen offen (z.B. Wahrscheinlichkeit für menschengemachte Pandemien vs. natürliche).
  2. Differenzierung: Er trennt Aussterberisiken (Existential Risks) von bloßen Katastrophen (Global Catastrophic Risks). Die Doomsday Clock vermischt beides.

6.3 Der Global Catastrophic Risk Index (GCRI)

Es gibt Versuche, Indizes zu bauen, die wissenschaftlichen Standards genügen, wie den Global Catastrophic Risk Index.29 Dieser Index nutzt Hunderte von Datenpunkten (z.B. CO2-Level, Anzahl der BSL-4 Labore, politische Stabilitätsindizes), um einen “Risk Score” zu berechnen. Dies ist ein datengetriebener Ansatz (Bottom-Up), während die Doomsday Clock ein meinungsgetriebener Ansatz (Top-Down) ist. Der GCRI erlaubt es Politikern zu sehen: “Aha, unser Risiko im Bereich Bio-Sicherheit ist gestiegen, weil wir mehr Labore haben, aber unser Nuklearrisiko ist gesunken.” Die Doomsday Clock liefert nur eine Zahl für alles, was keine handlungsleitende Differenzierung zulässt.

Tabelle: Vergleich Doomsday Clock vs. Moderne Risikoanalyse

MerkmalDoomsday ClockExistenzrisikoforschung (z.B. CSER, FHI)
BasiseinheitMetaphorische Zeit (Sekunden vor 12)Wahrscheinlichkeit (%, Odds)
MethodeExperteneinschätzung (Konsens)Modellierung, Datenanalyse, Forecasting
TransparenzGering (geschlossene Sitzungen)Hoch (Peer-Review, Open Data)
ZielAufmerksamkeit, AktivismusErkenntnis, Präzision
DifferenzierungAggregiert (“Alles ist schlimm”)Disaggregiert (spezifische Risikovektoren)
Reaktion auf neue DatenJährlich (starr)Kontinuierlich (dynamisch)

Kapitel 7: Analyse der Entscheidung 2026 – Warum 85 Sekunden?

Lassen Sie uns abschließend die spezifische Entscheidung vom Januar 2026 dekonstruieren. Warum 85 Sekunden? Warum nicht 80? Warum nicht 90?

Das Bulletin begründet die 4-Sekunden-Verschiebung (von 89 auf 85) mit:

  1. Der Eskalation in der Ukraine und im Nahen Osten:.2 Hier argumentiert man mit der Gefahr einer Ausweitung der Konflikte.
  • Kritik: Ist die Gefahr 2026 wirklich höher als 2025? Kriege haben Phasen. Eine pauschale Erhöhung der Gefahr um “4 Sekunden” suggeriert eine Messbarkeit des Kriegsverlaufs, die militärisch nicht haltbar ist. Es ist eher ein Ausdruck der Erschöpfung und Desillusionierung der Experten über die andauernden Konflikte.
  1. Dem heißesten Jahr 2025:
  • Kritik: Das ist ein Datenpunkt für das Klima. Aber rechtfertigt er, die Uhr näher an den nuklearen Abgrund zu rücken? Hier wird Wetter (bzw. Klima-Trend) in Weltuntergangsangst übersetzt.
  1. KI-Fortschritte:
  • Kritik: Die Fortschritte in KI (z.B. GPT-6 oder ähnliche Modelle 2026) sind technologisch beeindruckend. Aber stellen sie eine unmittelbare Vernichtungsgefahr dar? Die meisten KI-Experten sehen die existentiellen Gefahren (X-Risk) eher in der Zukunft. Die Uhr macht sie zum Problem von “heute Nacht”.

Die Zahl “85” ist letztlich arbiträr. Sie ist ein Signal. Sie soll sagen: “Wir sind noch besorgter als letztes Jahr.” Die Pseudopräzision der ungeraden Zahl (85 statt 90) soll Wissenschaftlichkeit suggerieren, ist aber reine Rhetorik.

Kapitel 8: Fazit – Das Ende der Zeitmessung

Die Doomsday Clock ist ein faszinierendes Relikt des 20. Jahrhunderts. Sie stammt aus einer Zeit, in der die Welt bipolar war (USA vs. UdSSR) und die Bedrohung binär (Leben oder atomarer Tod). In dieser einfachen Welt funktionierte die Metapher perfekt.

In der komplexen, multipolaren und technologisch vernetzten Welt des Jahres 2026 versagt die Metapher.

  • Sie ist wissenschaftlich untauglich, weil sie nicht misst, sondern fühlt.
  • Sie ist methodisch unsauber, weil sie inkommensurable Risiken vermischt.
  • Sie ist politisch angreifbar, weil sie subjektive Wertungen als Fakten tarnt.
  • Sie ist psychologisch riskant, weil sie Abstumpfung und Angststörungen fördert.

Das bedeutet nicht, dass die Risiken nicht real sind. Der Klimawandel ist bedrohlich. Die Gefahr eines Atomkriegs ist real. KI birgt Risiken.

Aber wir brauchen bessere Instrumente, um diese Risiken zu verstehen und zu managen. Wir brauchen Dashboards, Wahrscheinlichkeitsmodelle und differenzierte Risikoanalysen, keine Uhr, die immer nur “kurz vor zwölf” anzeigt.

Die Doomsday Clock sollte als das gesehen werden, was sie ist: Ein Kunstwerk, ein Mahnmal, ein politischer Weckruf. Aber man sollte aufhören, sie als Wissenschaft zu behandeln. Wenn wir wissen wollen, wie spät es wirklich ist, müssen wir auf andere Instrumente schauen – oder akzeptieren, dass die Zukunft nicht an einer Uhr abgelesen werden kann, sondern von uns geschrieben wird.

Epilog: Die Experten hinter dem Vorhang

Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten und zu fragen: Wer sind diese “Wächter der Zeit”? Das Science and Security Board besteht aus brillanten Köpfen – Physikern, Politikwissenschaftlern, Ex-Diplomaten. Menschen wie Daniel Holz (Astrophysiker) oder Sharon Squassoni (Non-Proliferation-Expertin).1 Sie sind Experten in ihren Fachgebieten. Aber sind sie Experten für die Zukunft? Studien zeigen, dass Fachexperten oft schlechte Prognostiker sind, weil sie dazu neigen, ihr eigenes Fachgebiet überzubewerten (der “Hammer-und-Nagel”-Effekt). Ein Nuklearexperte sieht überall nukleare Gefahren. Ein Klimaforscher sieht überall Klimagefahren. Die Uhr ist die Summe dieser professionellen Deformationen. Sie ist das aggregierte “Worst-Case-Scenario” aller beteiligten Experten. Dass sie auf 85 Sekunden steht, sagt uns also vor allem eines: Dass wir eine Gruppe sehr besorgter, sehr intelligenter Menschen gefragt haben, wie sie die Welt sehen. Das ist eine wertvolle Perspektive. Aber es ist nicht die “Zeit der Welt”. Es ist die Zeit in den Köpfen des Bulletins.

Referenzen

  1. 2026 #DoomsdayClock Announcement – YouTube, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.youtube.com/shorts/syH8PpzoUIU
  2. ‘Doomsday Clock’ moves to 85 seconds to midnight as global tensions rise, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.livenowfox.com/news/doomsday-clock-2026
  3. Doomsday Clock – Wikipedia, Zugriff am Januar 27, 2026, https://en.wikipedia.org/wiki/Doomsday_Clock
  4. ‘Doomsday Clock’ moves closer to midnight over threats from nuclear weapons, climate change and AI, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.ksat.com/tech/2026/01/27/doomsday-clock-moves-closer-to-midnight-over-threats-from-nuclear-weapons-climate-change-and-ai/
  5. Doomsday Clock Moves From 89 Seconds in 2025 to 85 Seconds to Midnight in 2026, Zugriff am Januar 27, 2026, https://intervention.ng/32986/
  6. Doomsday Clock Moves Forward To 85 Seconds To Midnight – The Closest It Has Ever Been, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.iflscience.com/doomsday-clock-moves-forward-to-85-seconds-to-midnight-the-closest-it-has-ever-been-82359
  7. Is AI Pushing Us Closer to Nuclear Disaster? – Reveal, Zugriff am Januar 27, 2026, https://revealnews.org/podcast/doomsday-clock-nuclear-war-artificial-intelligence-climate-change/
  8. Bulletin of the Atomic Scientists – Wikipedia, Zugriff am Januar 27, 2026, https://en.wikipedia.org/wiki/Bulletin_of_the_Atomic_Scientists
  9. Doomsday Clock is great propaganda but a poor predictor – Jason Sanford, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.jasonsanford.com/jason/2012/01/10/doomsday-clock-this
  10. Why the Doomsday Clock Is Wrong | The Heritage Foundation, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.heritage.org/progressivism/commentary/why-the-doomsday-clock-wrong
  11. Measuring Existential Risk | Peace Policy, Zugriff am Januar 27, 2026, https://peacepolicy.nd.edu/2023/12/06/measuring-existential-risk/
  12. The failings of the Doomsday Clock – The Oxford Student, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.oxfordstudent.com/2023/06/01/the-failings-of-the-doomsday-clock/
  13. The doomsday clock is fucking stupid : r/TrueUnpopularOpinion – Reddit, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.reddit.com/r/TrueUnpopularOpinion/comments/1ic7bhz/the_doomsday_clock_is_fucking_stupid/
  14. The Doomsday Algorithm – Calculating days of the week. Could use a little guidance. : r/mentalmath – Reddit, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.reddit.com/r/mentalmath/comments/1h3bogv/the_doomsday_algorithm_calculating_days_of_the/
  15. We set the Doomsday Clock as members of the Bulletin of Atomic Scientists. Ask Us Anything! – Reddit, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.reddit.com/r/IAmA/comments/eurtw3/we_set_the_doomsday_clock_as_members_of_the/
  16. Claiming the Doomsday Clock as a Universal Tool – Inkstick, Zugriff am Januar 27, 2026, https://inkstickmedia.com/claiming-the-doomsday-clock-as-a-universal-tool/
  17. Two Types of AI Existential Risk: Decisive and Accumulative – arXiv, Zugriff am Januar 27, 2026, https://arxiv.org/html/2401.07836v2
  18. What’s Up With the Very Real ‘Doomsday Clock’? – TodayIFoundOut.com, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.todayifoundout.com/index.php/2023/01/whats-up-with-the-very-real-doomsday-clock/
  19. Beyond Midnight: Navigating the Unsettling Landscape of Global Threats, Zugriff am Januar 27, 2026, https://kroc.nd.edu/news-events/news/beyond-midnight-navigating-the-unsettling-landscape-of-global-threats/
  20. Doomsday Clock set at 85 seconds to ‘midnight,’ closest ever to the end, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.washingtonpost.com/climate-environment/2026/01/27/doomsday-clock-2026-85-seconds-to-midnight/
  21. The ‘Doomsday Clock’ Is Stupid, Actually | Lifehacker, Zugriff am Januar 27, 2026, https://lifehacker.com/the-doomsday-clock-is-stupid-actually-1848414345
  22. Mass General Brigham Study Finds Relationship between Doomsday Clock and Patterns of Mortality and Mental Health in the United States, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.massgeneralbrigham.org/en/about/newsroom/press-releases/relationship-between-doomsday-clock-mortality-mental-health
  23. ‘Doomsday Clock’ and patterns of mortality and mental health in the United States, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.sciencedaily.com/releases/2025/03/250312124959.htm
  24. The Doomsday Clock’s Advance Toward Destruction Mirrors a Decline in Our Well-Being, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.discovermagazine.com/the-doomsday-clocks-advance-toward-destruction-mirrors-a-decline-in-our-well-47241
  25. How Policymakers Can Build a Better Doomsday Clock – Lawfare, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.lawfaremedia.org/article/how-policymakers-can-build-better-doomsday-clock
  26. Building a Better Doomsday Clock — EA Forum, Zugriff am Januar 27, 2026, https://forum.effectivealtruism.org/posts/DxZmf5fMeRWGNJ3Ta/building-a-better-doomsday-clock
  27. The Precipice: Existential Risk and the Future of Humanity | Reviews, Zugriff am Januar 27, 2026, https://ndpr.nd.edu/reviews/the-precipice-existential-risk-and-the-future-of-humanity/
  28. Toby Ord on the precipice and humanity’s potential futures | 80,000 Hours, Zugriff am Januar 27, 2026, https://80000hours.org/podcast/episodes/toby-ord-the-precipice-existential-risk-future-humanity/
  29. Global Catastrophic Risks 2026: Timely Insights Amid Mounting Strains, Zugriff am Januar 27, 2026, https://globalgovernanceforum.org/global-catastrophic-risks-2026-timely-insights-amid-mounting-strains/
  30. Doomsday Clock holds steady as global threats persist, Zugriff am Januar 27, 2026, https://www.nti.org/risky-business/doomsday-clock-holds-steady-as-global-threats-persist/
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