
Winter 2026 Prognose: Meteorologische Analyse und energiewirtschaftliche Prognose
1. Einleitung und Synoptische Großwetterlage
Die meteorologische Bewertung des Winters 2026, insbesondere des Zeitraums von Januar bis April, stellt Meteorologen und Klimaforscher vor eine komplexe Herausforderung. Wir befinden uns in einer atmosphärischen Konstellation, die durch das Zusammentreffen gegensätzlicher Signalgeber gekennzeichnet ist: Auf der einen Seite steht die fortschreitende globale Erwärmung, die die Grundwahrscheinlichkeit für extrem kalte Winter statistisch senkt.1 Auf der anderen Seite beobachten wir im Januar 2026 spezifische telekonnektive Muster – namentlich eine signifikante Störung des stratosphärischen Polarwirbels und eine ausklingende La-Niña-Phase –, die das Potenzial haben, die gewohnte Zonalzirkulation (Westwinddrift) nachhaltig zu unterbrechen.3
Diese Analyse zielt darauf ab, nicht nur eine reine Temperaturvorhersage zu liefern, sondern die dynamischen Prozesse der Atmosphäre verständlich zu machen, die das Wettergeschehen in Deutschland in den kommenden vier Monaten prägen werden. Dabei werden die Interaktionen zwischen der Stratosphäre und der Troposphäre ebenso beleuchtet wie die ozeanischen Einflüsse des Nordatlantiks und des Pazifiks. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Berichts ist zudem die Korrelation der meteorologischen Prognosen mit der Versorgungssicherheit und Preisentwicklung auf den deutschen Energiemärkten, die im Jahr 2026 durch regulatorische Änderungen und geopolitische Faktoren wie den Wegfall des Gastransits durch die Ukraine neu justiert werden.5
1.1 Status Quo zum Jahreswechsel 2025/2026
Der Start in das Jahr 2026 war bereits durch eine signifikante Umstellung der Großwetterlage gekennzeichnet. Während die Vorwintermonate teils mild und nass verliefen, etablierte sich zum Jahreswechsel eine meridionale Strömung, die polare Kaltluftmassen weit nach Süden führte. Die Modelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und der NOAA zeigten bereits im Vorfeld die Tendenz zu einer Blockadelage, die den direkten Durchzug atlantischer Tiefdruckgebiete verhinderte.6 Diese Ausgangslage dient als “Initialzündung” für die Witterung der kommenden Wochen, da die Atmosphäre ein gewisses “Gedächtnis” besitzt – insbesondere wenn stabile Hochdruckgebiete über Skandinavien oder Grönland involviert sind.
Die zentrale Frage, die diesen Bericht durchzieht, ist die Persistenz dieser Muster: Handelt es sich um ein kurzes winterliches Intermezzo oder den Auftakt zu einer lang andauernden Kältephase, die in ihrer Intensität an historische Winter wie 2010 erinnert? Um dies zu beantworten, müssen wir tief in die Mechanismen der Telekonnektion eintauchen.
2. Atmosphärische Treiber und Telekonnektionen
Das Wetter in Mitteleuropa ist das Resultat eines komplexen Zusammenspiels globaler Zirkulationsmuster. Für die Prognose bis April 2026 sind drei Hauptakteure von entscheidender Bedeutung: Der Polarwirbel, das ENSO-Phänomen (El Niño/La Niña) und die Nordatlantische Oszillation (NAO).
2.1 Der Stratosphärische Polarwirbel: Anatomie einer Störung
Der vielleicht kritischste Faktor für den Winterverlauf 2026 ist der Zustand des Polarwirbels in der Stratosphäre. Dieser Wirbel, ein Band starker Westwinde in ca. 10 bis 50 Kilometern Höhe, schließt im Normalfall (starker Wirbel) die kälteste Luft über der Arktis ein. Ein starker Wirbel korreliert meist mit milden, stürmischen Wintern in Deutschland, da er die Jetstream-Zonalströmung stützt.
Das Sudden Stratospheric Warming (SSW) im Januar 2026
Die Beobachtungsdaten und Modellvorhersagen für Januar 2026 zeigen jedoch eine drastische Anomalie: Eine Plötzliche Stratosphärenerwärmung (Sudden Stratospheric Warming, SSW). Hierbei steigen die Temperaturen in der Stratosphäre innerhalb weniger Tage massiv an, was zu einer Abbremsung oder sogar Umkehrung der Zonalwinde führt.3
Die Analyse der 50hPa-Druckanomalien zeigt, dass der Polarwirbel nicht nur geschwächt ist, sondern in zwei Tochterwirbel “gesplittet” wird (Polar Vortex Split). Ein Kern verlagert sich Richtung Nordamerika, der andere in Richtung Eurasien/Europa.4
- Mechanismus der Auswirkung: Wenn der Polarwirbel zusammenbricht oder sich teilt, fehlt dem Jetstream in der darunterliegenden Troposphäre der stabilisierende Antrieb von oben. Der Jetstream beginnt zu mäandrieren, wie ein langsam fließender Fluss. Dies begünstigt stationäre Wetterlagen.
- Verzögerungseffekt: Die Kopplung zwischen Stratosphäre und Troposphäre geschieht nicht sofort. Es dauert oft 2 bis 4 Wochen, bis das Signal “unten” ankommt. Da das Ereignis Anfang bis Mitte Januar stattfindet, ist die volle Auswirkung – eine potenzielle Blockade der Atlantikluft und das Einströmen kontinentaler Kaltluft (“Beast from the East”) – primär für die zweite Januarhälfte und den Februar zu erwarten.8
Die Implikationen dieses Splits sind weitreichend: Historische Vergleiche zeigen, dass solche Ereignisse die Wahrscheinlichkeit für langanhaltende Kälteperioden in Mitteleuropa um das Drei- bis Vierfache erhöhen. Die Modelle deuten darauf hin, dass die Kaltluft, einmal in Bodennähe angekommen, durch die vorhandene Schneedecke konserviert werden könnte (“Kälteaggregat”-Effekt).9
2.2 ENSO: Der Einfluss von La Niña
Parallel zum Geschehen in der Stratosphäre befindet sich der tropische Pazifik in einer La-Niña-Phase. Die NOAA prognostiziert, dass diese Phase im Zeitraum Januar bis März 2026 mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 68 % in eine neutrale Phase (ENSO-neutral) übergeht.10
- Wechselwirkung mit Europa: Während La Niña in Nordamerika oft zu sehr spezifischen Mustern führt, ist das Signal für Europa diffuser. Statistisch gesehen begünstigt La Niña im Spätwinter jedoch häufiger Hochdrucklagen über dem Ostatlantik, was kühle Nordwest- oder Nordlagen für Deutschland wahrscheinlicher macht.
- Bedeutung der Transition: Der Übergang von La Niña zu Neutralität bringt Instabilität in das globale System. Die Atmosphäre muss sich neu ordnen. Dies erhöht die Variabilität der Wetterlagen im Frühjahr (März/April), was abrupte Wechsel zwischen Vorfrühling und Spätwinter (“Märzwinter”) begünstigt.
2.3 Nordatlantische Oszillation (NAO) und Arktische Oszillation (AO)
Der NAO-Index beschreibt die Druckdifferenz zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch.
- Prognose: Für Januar und Februar deuten die Indizes auf eine negative bis neutrale Phase hin.12 Ein negativer NAO-Index bedeutet, dass die Druckgegensätze schwach sind. Die Westwindautobahn ist “gesperrt”.
- Folge: Kalte Luft aus der Arktis oder aus Russland kann leichter nach Mitteleuropa vordringen. In Kombination mit dem Polarwirbel-Split ist dies das Rezept für stabilen Hochwinter.
3. Winter 2026 Prognose: Monatliche und Wöchentliche Szenarien
Basierend auf den oben beschriebenen Treibern lässt sich für den Zeitraum Januar bis April 2026 folgende detaillierte Prognose ableiten.
3.1 Januar 2026: Der Hochwinter etabliert sich
Der Januar 2026 präsentiert sich als der winterlichste Monat seit Jahren, getrieben durch direkte Kaltluftvorstöße und den Lake-Effect.
Woche 1 (01.01. – 07.01.): Kaltstart und Lake-Effect
Das Jahr beginnt mit einer klassischen Troglage über Mitteleuropa. Polare Luftmassen fluten Deutschland.
- Temperatur: Verbreitet herrscht Dauerfrost. Nördlich einer Linie Köln-Berlin liegen die Tageshöchstwerte bei -1 bis +2 °C, im Süden und in den Mittelgebirgen bei -4 bis 0 °C.6
- Nachtwerte: Bei Aufklaren über Schnee sinken die Werte rasch auf -10 bis -15 °C, in alpinen Tälern sind Minima bis -19 °C möglich.6
- Niederschlag & Phänomene: Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem “Lake-Effect”. Da die Nord- und Ostsee noch relativ warm sind, nimmt die kalte Luft Feuchtigkeit auf. Sobald diese Luftmassen auf die Küste treffen (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern), entladen sie sich in intensiven Schneeschauern. Hier können lokal 20 bis 40 cm Neuschnee in kurzer Zeit fallen, was zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führen kann.6
Woche 2 (08.01. – 14.01.): Konsolidierung der Kälte
Der Kaltluftblock über Deutschland festigt sich. Die Böden kühlen tiefgründig aus.
- Szenario: Hochdruckgebiete weiten sich von Skandinavien her aus. Dies führt zu einer Beruhigung beim Wind (“Einschlafen” des Lake-Effects), aber zu einer Verschärfung der nächtlichen Kälte durch Ausstrahlung.
- Temperatur: Tagsüber meist frostig (-2 bis -5 °C), nachts strenger Frost.
- Glättegefahr: In den Übergangsbereichen zur etwas milderen Luft im Westen kann es zu gefrierendem Nebel oder Industrieschnee kommen.
Woche 3 (15.01. – 21.01.): Der Polarwirbel-Split wirkt
In dieser Phase erwarten wir die ersten Auswirkungen des Stratosphären-Splits in der Troposphäre.
- Entwicklung: Die Strömung kippt zunehmend auf Ost bis Nordost. Sollte sich der Split ideal positionieren, könnte sich eine “High-Over-Low”-Blockadelage (Hoch im Norden, Tief im Süden) einstellen.
- Witterung: Dies würde den Zustrom kontinentaler Kaltluft aus Russland verstärken. Die Temperaturen würden tagsüber kaum noch über -5 °C steigen. Die Wahrscheinlichkeit für Schneefälle steigt auch im Süden und Westen, da Feuchtigkeit vom Mittelmeer (Genuatief-Entwicklung) gegen die Kaltluft aufgleiten könnte.15
Woche 4 (22.01. – 31.01.): Kampf der Luftmassen
Gegen Monatsende versuchen atlantische Tiefs oft, die Blockade zu durchbrechen.
- Grenzwetterlagen: Es drohen gefährliche Wetterlagen mit Schneefall, der in Eisregen übergeht, falls sich mildere Luft in der Höhe über die bodennahe Kaltluft schiebt.
- Tendenz: Aufgrund der massiven Störung im Polarwirbel ist ein kompletter Durchbruch der Milderung unwahrscheinlich. Eher stellt sich eine nasskalte Witterung im Westen und weiterhin fester Winter im Osten ein.
Statistische Zusammenfassung Januar 2026:
| Parameter | Prognosewert | Abweichung (vgl. 1991-2020) |
| Mitteltemperatur | -1,5 °C bis +0,5 °C | -1,0 bis -2,0 K (zu kalt) |
| Niederschlag | Normal bis leicht erhöht | Fokus auf Schnee/Schneeregen |
| Sonnenschein | Leicht überdurchschnittlich | Dank Hochdruckphasen |
3.2 Februar 2026: Der Monat der Entscheidung
Der Februar wird zum “Schlüsselmonat” für die Gesamtbilanz des Winters. Hier entscheidet sich, ob das SSW-Event zu einer historischen Kältewelle führt oder ob die Zonalisierung zurückkehrt.
Woche 1 & 2 (01.02. – 14.02.): Die kritische Phase
Die statistische Wahrscheinlichkeit für die kälteste Phase des Winters liegt oft in der ersten Februarhälfte, insbesondere nach einem SSW im Januar.
- Szenario A (Blockade – 45%): Der gesplittete Polarwirbel hält die Westwinddrift komplett auf. Ein Hoch über Grönland blockiert den Atlantik. Deutschland verbleibt im Eisschrank. Temperaturen: Tagsüber -5 °C, nachts -15 °C bis -20 °C über Schnee. Dies wäre analog zu Februar 2012 oder Teilen von 1986.16
- Szenario B (Milderung – 35%): Der Polarwirbel regeneriert sich schneller als Modelle zeigen. Die Strömung dreht auf West. “Milddüse” mit viel Regen und Temperaturen bis +10 °C.17
Angesichts der aktuellen Datenlage (Stand Januar) ist Szenario A oder eine Mischform (nasskalt) wahrscheinlicher. Der CFSv2-Modelllauf, der zeitweise sehr milde Temperaturen zeigte, wurde zuletzt wieder korrigiert und zeigt nun weniger positive Anomalien.17
Woche 3 & 4 (15.02. – 28.02.): Spätwinterliche Zähigkeit
Selbst wenn die extreme Kälte nachlässt, neigen Winter mit SSW-Vorgeschichte dazu, “zäh” zu enden.
- Trend: Langsamer Temperaturanstieg, aber häufige Rückseitenwetterlagen mit Schnee- und Graupelschauern.
- Gefahr: Schnelles Tauwetter bei Regen in den Mittelgebirgen könnte Hochwassergefahr bringen, wenn zuvor viel Schnee gefallen ist.
Statistische Zusammenfassung Februar 2026:
| Parameter | Prognosewert | Abweichung (vgl. 1991-2020) |
| Mitteltemperatur | -1,0 °C bis +2,5 °C | Durchschnittlich bis leicht zu kalt |
| Niederschlag | Variabel | Hohe Schneewahrscheinlichkeit in Woche 1-2 |
3.3 März 2026: Der “Märzwinter”?
Der März ist meteorologisch gesehen der erste Frühlingsmonat, doch 2026 könnte er seinen Namen Lügen strafen.
- Das Phänomen: Ein Polarwirbel-Split wirkt lange nach. Die Kaltluftreservoirs, die im Februar angezapft wurden, sind noch nicht erschöpft. Oft verlagert sich die Kälte erst im März endgültig von Sibirien nach Westeuropa, wenn die Sonne dort schon wieder Kraft hat.
- Woche 1-2: Hohe Wahrscheinlichkeit für “Märzwinter”-Episoden. Kalte Nächte (Frostgefahr für Frühblüher!) und Tage mit positiven Temperaturen, aber kaltem Wind (Bise).
- Woche 3-4: Der Sonnenstand setzt sich durch. Die Temperaturen steigen auf typische Frühlingswerte (+10 bis +15 °C).
- Landwirtschaftliches Risiko: Ein zu milder Februar-Ausklang gefolgt von einem kalten März wäre fatal für die Vegetation. Die Modelle deuten auf genau dieses “Rückschlag”-Potenzial hin.18
Statistische Zusammenfassung März 2026:
- Mitteltemperatur: +3,5 °C bis +5,5 °C (entspricht etwa dem langjährigen Mittel, tendenziell leicht kühler in der ersten Hälfte).
3.4 April 2026: Launischer Übergang
Für den April zeigen die Langfristmodelle (NOAA, ECMWF) keine extremen Anomalien mehr, was oft auf eine Rückkehr zur Normalität hindeutet.19
- Trend: Typisches Wechselwetter. Die Wahrscheinlichkeit für späte Kälterückfälle (“vorgezogene Eisheilige”) bleibt erhöht, da die Nordhemisphäre insgesamt ausgekühlt ist.
- Temperatur: Durchschnittswerte um +8 bis +10 °C. Ein “Schmuddel-April” ist möglich, der die echte Frühlingswärme verzögert.21
- Wichtiger Hinweis: Für die Energiepreise ist der April relevant, da hier die Heizperiode endet. Ein kalter April würde die Gasspeicher weiter belasten.
4. Wahrscheinlichkeitsanalyse: Der “Superwinter” 2010 vs. 2026
Die Erinnerung an den Winter 2009/2010 ist in Deutschland noch sehr präsent. Damals lag Deutschland wochenlang unter einer geschlossenen Schneedecke, und Tief “Daisy” sorgte für Katastrophenalarm. Wie wahrscheinlich ist eine Wiederholung?
4.1 Vergleich der Parameter
| Parameter | Winter 2009/2010 | Winter 2025/2026 (Prognose) | Bewertung |
| ENSO-Phase | Moderater El Niño | Schwache La Niña $\rightarrow$ Neutral | Unterschied: El Niño begünstigt Kälte in Europa stärker. |
| NAO-Index | Stark Negativ (Rekordwerte) | Leicht Negativ bis Neutral | Ähnlichkeit: Tendenz zur Blockade vorhanden, aber schwächer. |
| Polarwirbel | Stark gestört | Stark gestört (Split) | Hohe Ähnlichkeit: Der Haupttreiber ist identisch. |
| Solaraktivität | Minimum | Erhöht (Richtung Maximum) | Unterschied: Geringe Aktivität begünstigt Blockaden (2010). |
| Globale Temp. | Kühler als heute | +1,3 °C wärmer (Klimawandel) | Unterschied: Wärmerer Hintergrund dämpft Kälteextreme. |
4.2 Die Wahrscheinlichkeit
Die Wahrscheinlichkeit für einen 1:1-Superwinter wie 2010 (drei Monate durchgehend zu kalt) ist aufgrund der globalen Erwärmung und der ungünstigeren ENSO-Konstellation gering (< 15 %). Die Atmosphäre ist energetisch aufgeladener, die Meere (Nordsee/Atlantik) sind wärmer, was Kaltluftmassen schneller modifiziert (“aufwärmt”).
Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit für einzelne “Super-Phasen” (2 bis 3 Wochen Dauer), die sich exakt wie 2010 anfühlen, hoch (40–50 %). Der Polarwirbel-Split ist ein so mächtiger Faktor, dass er den Wärmetrend temporär vollständig überlagern kann. Wir müssen also mit einem Winter rechnen, der “episodisch extrem” ist, aber dazwischen immer wieder mildere Pausen einlegt.
5. Regionale Szenarien in Deutschland
- Norddeutschland (Küste/Tiefland):
Höchstes Risiko für Schneestürme durch Lake-Effect im Januar. Aufgrund der Nähe zum Wasser aber auch schnellste Milderung bei Westwind. Ein “Schaukelwinter” zwischen Schneematsch und Pulverschnee. - Ostdeutschland (Berlin, Brandenburg, Sachsen):
Hier ist der Einfluss des Kontinentalklimas am stärksten. Höchste Wahrscheinlichkeit für Dauerfrostperioden. Wenn die Kälte (“Beast from the East”) kommt, bleibt sie hier am längsten liegen. - Süddeutschland (Bayern, BW, Alpen):
Klassischer Winter in den Lagen ab 600m. In den Niederungen (Donau, Rhein) Gefahr von Inversionswetterlagen (kalter Nebel, oben sonnig). Bei Genuatiefs (Mittelmeertiefs) drohen hier die größten Schneemengen (“Schneebomben”). - Westdeutschland (NRW, Rheinland):
Das “Wetter-Kampfgebiet”. Hier treffen Kälte und Milde aufeinander. Höchstes Risiko für Glatteisregen und unwetterartige Grenzwetterlagen. Oft nasskalt statt tiefwinterlich.
6. Energiewirtschaftliche Auswirkungen und Preisprognose
Der Winter 2026 trifft auf einen deutschen Energiemarkt im Umbruch. Die Analyse der meteorologischen Prognose in Kombination mit den Marktdaten ergibt ein differenziertes Bild für Verbraucher.
6.1 Gasmarkt: Das Risiko der “Kalten Dunkelflaute”
Die deutschen Gasspeicher sind das Rückgrat der Wärmeversorgung.
- Strukturelle Änderung 2026: Seit dem 01.01.2026 fließt kein russisches Gas mehr durch die Ukraine-Pipeline nach Europa.5 Dies verengt das Angebot auf dem europäischen Markt. Deutschland ist zwar nicht direkt abhängig, aber die europäischen Nachbarn (Österreich, Slowakei) müssen nun Gas aus Quellen beziehen, die auch Deutschland nutzt (Norwegen, LNG).
- Szenario “Kalter Januar/Februar”: Modellrechnungen der Initiative Energien Speichern (INES) zeigen ein Warnsignal. Bei einem extrem kalten Verlauf (ähnlich 2010) könnten die deutschen Gasspeicher bereits Ende Januar / Anfang Februar vollständig entleert sein.22
- Folge: Sollten die Speicher unter die gesetzliche Marke von 30 % fallen, würde Panik an den Märkten entstehen. Die Spotmarktpreise (TTF) würden explodieren.
- Preisprognose Gas: Aktuell sind die Preise für Neukunden niedrig (ca. 7,8 – 9 Cent/kWh).24 Aufgrund des Wetterrisikos und des Ukraine-Transits ist jedoch mit hoher Volatilität zu rechnen. Ein kalter Februar könnte die Preise kurzfristig verdoppeln. Verbraucher sollten jetzt Festpreisverträge abschließen.
6.2 Strommarkt: Entlastung trifft auf Wetterrisiko
Beim Strom gibt es 2026 regulatorische Entlastungen.
- Preissenkung: Die Netzentgelte sinken 2026 bundesweit um ca. 17 % (in Bayern/Brandenburg über 20 %).25 Zudem entfällt die Gasspeicherumlage. Dies drückt den Neukundenpreis theoretisch Richtung 22–24 Cent/kWh.
- Das “Dunkelflaute”-Problem: Ein blockierendes Hochdruckgebiet (typisch für kalte Winterphasen) bringt Kälte, aber keinen Wind. Photovoltaik liefert im Winter ohnehin wenig.
- Konsequenz: In diesen Phasen müssen Gaskraftwerke die Stromlast tragen. Wenn gleichzeitig das Gas knapp/teuer ist (siehe oben), steigt der Börsenstrompreis massiv an (Merit-Order-Effekt).
- Fazit Strompreis: Der strukturelle Trend zeigt nach unten (günstiger). Der meteorologische Trend (Risiko Dunkelflaute im Jan/Feb) wirkt kurzfristig preistreibend. Kunden mit dynamischen Tarifen müssen in Kältephasen mit sehr hohen Stundenpreisen rechnen. Festpreiskunden profitieren von den gesunkenen Netzentgelten und sollten stabile Preise um 25-27 Cent/kWh finden.
7. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung
Der Winter 2026 (Januar bis April) wird kein “Durchschnittswinter”. Er ist geprägt durch extreme Gegensätze, getrieben von einem instabilen Polarwirbel und globalen Umstellungen (La Niña Ende).
- Meteorologisches Fazit:
- Januar: Hochwinterlich, schneereich (Lake Effect), Dauerfrostphasen.
- Februar: Kritischer Monat. Hohes Risiko für eine strenge Kältewelle (“Beast from the East”) aufgrund des Polarwirbel-Splits.
- März: Zögerlicher Frühling, Gefahr von Spätfrösten (“Märzwinter”).
- April: Launisch, aber tendenziell Normalisierung.
- Vergleich 2010: Ein Gesamtwinter wie 2010 ist unwahrscheinlich (< 15 %), aber einzelne Wochen werden sich exakt so anfühlen (hohe Schneedecken, Verkehrschaos).
- Energie:
- Die Versorgungssicherheit ist gegeben, aber das System ist “auf Kante genäht” (Ukraine-Transit-Stopp + Kälterisiko).
- Gaspreise: Hohes Steigerungsrisiko im Februar. Empfehlung: Preisbindung nutzen.
- Strompreise: Sinken strukturell, aber Vorsicht bei dynamischen Tarifen in windstillen Frostphasen.
Praktischer Rat für Bürger:
Stellen Sie sich auf einen Winter ein, der “Biss” hat. Die Winterreifen sollten bis Ostern am Fahrzeug bleiben. Überprüfen Sie Ihre Energietarife jetzt, da die günstigen Neukundenkonditionen bei einem Kälteeinbruch schnell verschwinden könnten. Wetterfühlige und Landwirte sollten den März genau beobachten, da hier die Gefahr für “böse Überraschungen” nach ersten milden Tagen am größten ist.
Tabellarischer Anhang: Prognostizierte Monatsmittelwerte (Deutschland)
| Monat | Prognose 2026 (Mittel) | Trend-Beschreibung | Risikofaktor |
| Januar | -1,5 °C bis +0,5 °C | Zu kalt, schneereich | Lake-Effect, Glätte |
| Februar | -1,0 °C bis +2,0 °C | Durchschnittlich bis kalt | Polarwirbel-Split (Blockade) |
| März | +3,5 °C bis +5,5 °C | Nasskalt / Spätwinterlich | Spätfrost für Vegetation |
| April | +8,0 °C bis +10,0 °C | Wechselhaft / Normal | Rückseitenwetter (Graupel) |
Die Werte stellen das erwartete Flächenmittel für Deutschland dar. In Hochlagen und im Osten sind die Werte entsprechend niedriger anzusetzen.
Referenzen
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- Droht uns 2026 der Kälte-Schock? So verwundbar ist Deutschlands Gasversorgung, Zugriff am Januar 4, 2026, https://www.focus.de/immobilien/wohnen/droht-uns-der-kaelte-schock-so-verwundbar-ist-deutschlands-gasversorgung-wirklich_3e9fe173-ca0a-4be7-b253-e3f774e69e02.html
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- INES-Gas-Szenarien: Positive Füllstandsentwicklung seit Juli, aber Risiken bleiben, Zugriff am Januar 4, 2026, https://energien-speichern.de/ines-gas-szenarien-positive-fuellstandsentwicklung-seit-juli-aber-risiken-bleiben/
- Aktuelle Gaspreise vom 04.01.2026 im Vergleich, Zugriff am Januar 4, 2026, https://1-gasvergleich.com/gaspreise/
- Strompreise 2026 Entlastung: Wer gewinnt, wer verliert – Strom Report, Zugriff am Januar 4, 2026, https://strom-report.com/strompreisentwicklung-2026/
- Strompreisentwicklung: So teuer wird Strom 2026, Zugriff am Januar 4, 2026, https://strom-report.com/strompreisentwicklung/
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