
Nächster Wintereinbruch: Prognose der Winterentwicklung im Februar 2026 für Deutschland
1. Einleitung und Großwetterlagen-Status zum 15. Januar 2026
Die meteorologische Bewertung des bevorstehenden Hoch- und Spätwinters im Februar 2026 erfordert eine differenzierte Betrachtung der atmosphärischen Zirkulation, die sich zur Monatsmitte des Januars 2026 in einem Zustand bemerkenswerter Instabilität befindet. Der bisherige Winterverlauf 2025/2026 war in Deutschland durch eine hohe Variabilität geprägt, die von extremen Glatteisereignissen, wie jenem am 12. Januar 2026 in Nordrhein-Westfalen 1, bis hin zu vorfrühlingshaften Temperaturspitzen in Südwestdeutschland reichte.2 Diese Ambivalenz ist symptomatisch für einen Kampf zwischen atlantischen und kontinentalen Einflussfaktoren, dessen Entscheidung nun im Februar fallen wird.
Die zentrale Fragestellung dieses Berichts – ob der Winter im Februar 2026 eine nachhaltige Rückkehr vollzieht („Wintereinbruch“) oder ob sich die atlantische Milderung durchsetzt – lässt sich nicht durch eine monokausale Betrachtung beantworten. Vielmehr ist das Zusammenwirken stratosphärischer Störungen, der nordatlantischen Oszillation (NAO) und der thermischen Trägheit der Ozeane und Kontinente entscheidend. Zum Stichtag 15. Januar 2026 liegen Indikatoren vor, die auf eine signifikante Störung des Polarwirbels hindeuten, ein Ereignis, das historisch betrachtet die Wahrscheinlichkeit für Kaltluftausbrüche in Mitteleuropa im Spätwinter massiv erhöht.3 Gleichzeitig prognostizieren führende Langfristmodelle wie das CFSv2 der NOAA positive Temperaturanomalien, was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint.4
Diese Diskrepanz zwischen physikalischen Treibern (Polarwirbelsplit) und statistischen Modelloutputs bildet den Kern der folgenden Analyse. Es gilt, die Signale zu entflechten und in eine kohärente, szenarienbasierte Prognose zu überführen, die nicht nur meteorologische Parameter berücksichtigt, sondern auch deren Auswirkungen auf den Alltag und die Infrastruktur in Deutschland beleuchtet. Dabei wird bewusst eine Sprache gewählt, die fachliche Tiefe mit allgemeiner Verständlichkeit verbindet, um die komplexen dynamischen Prozesse der Atmosphäre transparent zu machen.
1.1 Rückblick und Ausgangslage: Der Januarcharakter
Um die Entwicklung des Februars zu verstehen, ist eine Analyse der direkten Vorgeschichte unerlässlich. Die Atmosphäre besitzt ein „Gedächtnis“; Zirkulationsmuster, die sich im Januar etablieren, neigen oft zur Persistenz oder unterliegen zyklischen Schwankungen, die bis in den Folgemonat hineinwirken. Mitte Januar 2026 präsentierte sich die Großwetterlage über Europa zweigeteilt. Während sich über Russland eine stabile Hochdruckzone mit Dauerfrost etabliert hatte, wurde Mitteleuropa immer wieder von Tiefausläufern tangiert, die gegen eine Hochdruckbrücke anliefen.5 Diese Konstellation führte zu einer klassischen Inversionswetterlage in den südlichen Landesteilen Deutschlands, wo unter Hochdruckeinfluss teils sonniges, teils neblig-trübes Wetter dominierte.5
Ein entscheidendes Ereignis war die Glatteislage am 12. Januar 2026. Eine Luftmassengrenze schob sich über den Westen Deutschlands, wobei Warmluft in der Höhe auf bodennahe Kaltluft aufglitt. Dies führte zu gefrierendem Regen und massiven Einschränkungen im öffentlichen Leben, inklusive Schulausfällen in Nordrhein-Westfalen.1 Dieses Ereignis ist deshalb von prognostischer Relevanz für den Februar, da es die grundsätzliche Existenz von Kaltluftreservoirs in Bodennähe belegt. Anders als in reinen „Mildwintern“, in denen Kaltluft europaweit Mangelware ist, zeigt der Winter 2025/2026, dass Kaltluftproduktionsflächen über Osteuropa und Skandinavien aktiv sind. Die Frage für den Februar ist lediglich, ob diese Reservoirs angezapft und nach Westen transportiert werden.
Die Temperaturmessungen zur Monatsmitte unterstreichen diese Ambivalenz. Während Stationen wie Lahr oder Rheinstetten am 13. Januar Werte um 13 °C meldeten, verharrten andere Regionen bei Werten nahe dem Gefrierpunkt.6 Diese großen thermischen Gradienten auf engem Raum sind typisch für eine „Kampfzone“ zwischen Hochdruckblockade und atlantischer Frontalzone. Für den Februar deutet dies auf eine Fortsetzung der Meridionalisierung hin – also Wetterlagen, bei denen die Strömung eher von Nord nach Süd oder Süd nach Nord verläuft, statt der für mildes Wetter typischen West-Ost-Richtung.
1.2 Die Rolle der Schneedecke und Bodenspeicherung
Ein oft unterschätzter Faktor für die Langfristprognose ist der Zustand der Erdoberfläche. Schneeflächen wirken durch ihre hohe Albedo (Rückstrahlvermögen) wie ein Verstärker für Kälte. Zum Zeitpunkt der Analyse liegt in den Alpen sowie in Teilen der Mittelgebirge und Osteuropas eine Schneedecke.7 Sollte sich im Februar eine Strömung einstellen, die Luftmassen über diese schneebedeckten Gebiete nach Deutschland führt (z.B. eine Nordostlage), kühlt sich die Luft auf ihrem Weg kaum ab bzw. wird zusätzlich ausgekühlt. Die Beobachtungen aus den Alpenländern, wie etwa der Schweiz und Österreich, zeigen, dass die Schneefallgrenze im Januar stark schwankte, teils bis auf 1100 bis 1600 Meter anstieg, in Tälern aber Kaltluftseen (Cold Pools) persistierten.7 Diese “konservierte Kälte” in den Beckenlagen bildet ein Widerstandsnest gegen die milde Atlantikluft. Für den Februar bedeutet dies: Selbst bei einer generellen Milderung in der Höhe (z.B. durch Südwestwind) kann sich in den Niederungen und Tälern Süd- und Ostdeutschlands die Kälte zäh halten, was die Prognoseunsicherheit bezüglich Bodenfrost und Glätte erhöht.
2. Der Stratosphärische Treiber: Der Polarwirbelsplit
Das mit Abstand stärkste Signal für eine potenzielle Winterrückkehr im Februar 2026 kommt aus der Stratosphäre, jener Atmosphärenschicht, die sich in etwa 10 bis 50 Kilometern Höhe befindet. Hier residiert im Winter normalerweise der Polarwirbel, ein gigantisches Tiefdruckgebiet, das kalte Luftmassen über der Arktis bindet. Ist dieser Wirbel stark und stabil, sorgt er über die Kopplung mit der Troposphäre für starke Westwinde (Jetstream), die milde Luft vom Atlantik nach Europa führen.
Die Analyse der Daten von Anfang Januar 2026 zeigt jedoch, dass dieses System kollabiert ist. Ein Phänomen, das als Sudden Stratospheric Warming (SSW) bezeichnet wird, hat stattgefunden und entfaltet nun seine zeitverzögerte Wirkung.
2.1 Diagnose des Stratosphärenzustands
Die technischen Parameter des Polarwirbels zeigten Mitte Januar 2026 Anomalien von historischem Ausmaß. Normalerweise weht der Zonalwind in 10 hPa Höhe (ca. 30 km) entlang des 60. Breitengrades mit etwa 35 m/s von West nach Ost. Am 15. Januar 2026 jedoch wurde eine Umkehrung dieses Windes auf -10 m/s (Ostwind) prognostiziert bzw. beobachtet.3 Eine solche Umkehrung ist die Definition eines “Major Warmings”. Begleitet wurde dies von einem massiven Temperaturanstieg in der Stratosphäre über dem Nordpol von klimatologisch üblichen -70 °C auf -25 °C.3 Diese Erwärmung wird durch planetare Wellen verursacht, die aus der Troposphäre in die Stratosphäre aufsteigen und dort brechen, ähnlich wie Meereswellen am Strand. Die Energie dieser Wellen bremst den Polarwirbel ab und führt zu dessen Erwärmung und Destabilisierung.
Die Konsequenzen für die Struktur des Wirbels sind drastisch. Statt eines kompakten, kreisförmigen Wirbels über dem Pol zeigen die Modelle einen sogenannten Split oder ein Displacement (Verschiebung).3 Bei einem Split teilt sich der Wirbel in zwei Tochterwirbel, oft einen über Kanada und einen über Sibirien. Bei einem Displacement wird der Wirbel vom Pol weggedrängt. Die aktuellen Daten deuten auf eine komplexe Mischform hin, bei der sich Hochdruckgebiete (Antizyklonen) über dem Pol breitmachen.
2.2 Der Mechanismus der Kopplung (Coupling)
Das entscheidende Puzzlestück für die Februarprognose ist die Frage, wie und wann sich dieser Impuls von oben nach unten durchsetzt. Meteorologen sprechen hier von “Downwelling” oder troposphärischer Kopplung. Wenn die zonalen Winde in der Stratosphäre auf Ost drehen, kann sich diese Anomalie langsam, über einen Zeitraum von mehreren Wochen, bis zur Erdoberfläche durchfressen.
Erreicht die Ostwind-Anomalie den Boden, bricht die klassische Westwinddrift zusammen. Der Jetstream beginnt stark zu mäandrieren. Das Ergebnis ist eine negative Phase der Nordatlantischen Oszillation (NAO-).
Für Deutschland bedeutet eine NAO-Phase im Februar statistisch signifikant häufiger:
- Blockadehochs über Island, Grönland oder Skandinavien.
- Ein Versiegen der milden Atlantikluft.
- Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Anzapfen arktischer oder kontinentaler Kaltluftmassen (Ostwind).
Die Expertenanalysen deuten darauf hin, dass die Kälte bereits in der unteren Atmosphäre “eingeloggt” (locked in) ist und durch die stratosphärische Störung dort gehalten werden könnte.9 Dies spricht stark gegen eine schnelle Rückkehr zu einer stabilen, milden Westlage im Februar. Das System besitzt ein “Gedächtnis”, und die Störung des Polarwirbels wirkt wie ein Anker, der die atmosphärische Zirkulation in einem gestörten Modus hält.10
2.3 Zeitliche Einordnung für den Februar
Die Verzögerung zwischen einem SSW-Ereignis (Anfang Januar) und dem maximalen Effekt am Boden beträgt in der Regel 2 bis 6 Wochen. Damit fällt das Wirkungsfenster exakt in den Februar 2026.3 Es ist daher davon auszugehen, dass die erste Februarhälfte noch stark unter dem Einfluss dieser Kopplungsprozesse stehen wird. Die Modelle zeigen bereits, dass die Stabilisierung des Winterklimas auf der Nordhalbkugel massiv gefährdet ist und ein Kaltluftregime bis Anfang Februar andauern könnte.3 Dies widerspricht den rein statistischen Klimamodellen (siehe Abschnitt 4), die oft Schwierigkeiten haben, die dynamischen Effekte eines SSW korrekt abzubilden, da diese Ereignisse hochgradig nicht-linear sind.
3. Telekonnektionsmuster und ihre Signale
Neben dem dominanten Polarwirbel gibt es weitere globale Zirkulationsmuster (Telekonnektionen), die das Wetter im Februar 2026 beeinflussen. Diese wirken wie Hintergrundrauschen oder Verstärker für das Hauptsignal aus der Stratosphäre.
3.1 Die Quasi-Biennale Oszillation (QBO)
Die QBO beschreibt den Wechsel der Zonalwinde in der äquatorialen Stratosphäre. Aktuell befindet sich die QBO in ihrer Ost-Phase (QBO-East).11 In einer Ost-Phase der QBO ist der Polarwirbel im Winter tendenziell instabiler und anfälliger für Störungen. Die QBO-East wirkt hier also als Verstärker für das SSW-Ereignis. Statistisch gesehen korreliert eine Ost-QBO mit kälteren Wintern in Mittel- und Nordeuropa, da sie Blockadelagen (High-Over-Low) begünstigt. Das Zusammentreffen von SSW und QBO-East ist ein starkes Argument für Winterwetter im Februar 2026 und gegen eine reine Zonalisierung (milde Westlage).
3.2 El Niño / La Niña (ENSO)
Der Pazifik befindet sich in einem Übergangsstadium. Während der Winter 2025/2026 noch unter dem Einfluss einer ausklingenden La Niña steht, deuten die Prognosen auf einen raschen Übergang zu ENSO-neutralen Bedingungen und später zu einem El Niño im Jahr 2026 hin.12 La Niña-Winter sind in Europa oft mit einer schwächeren Westdrift im Spätwinter verbunden. Die aktuellen Daten zeigen, dass die kalten Anomalien im zentralen Pazifik sich abschwächen.13 Für den Februar 2026 ist die direkte Auswirkung der ENSO-Telekonnektion auf Europa schwächer als der Einfluss des Polarwirbels, aber die Tendenz weg von La Niña könnte die Blockadeneigung über dem Atlantik zusätzlich stützen, da der sonst typische starke Jetstream einer La Niña nachlässt.
3.3 Madden-Julian-Oscillation (MJO)
Die MJO ist eine tropische Störung, die ostwärts um den Globus wandert und die weltweiten Wetterlagen im Wochenrhythmus beeinflusst. Zwar liegen keine spezifischen MJO-Phasen-Prognosen für den gesamten Februar im Detail vor, aber die Interaktion der MJO mit der NAO ist bekannt. Sollte die MJO im Februar in die Phasen 7, 8 oder 1 eintreten, würde dies über dem Nordatlantik zusätzlich Blockadelagen triggern. In Kombination mit dem gestörten Polarwirbel wäre dies der Zünder für einen massiven Kaltluftvorstoß (“Arctic Outbreak”).
4. Nächster Wintereinbruch: Analyse der Prognosemodelle
Bei der Vorhersage für den Februar 2026 stehen wir vor dem Phänomen der Modell-Divergenz. Während die dynamischen Hintergründe (Stratosphäre) auf Kälte hindeuten, rechnen einige statistische und gekoppelte Modelle mit Wärme. Es ist essenziell, diese Widersprüche methodisch aufzulösen.
4.1 ECMWF (Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage)
Das ECMWF gilt weltweit als führend in der Mittelfristprognose.
- Wöchentliche Anomalien: Die erweiterten Prognosen des ECMWF zeigen für die ersten Februarwochen ein differenziertes Bild. Es wird keine flächendeckende “Rot-Färbung” (Wärme) für ganz Europa gezeigt, sondern komplexe Muster.
- Für den Zeitraum 02.02. bis 09.02.2026 deutet das Modell zwar auf positive Temperaturanomalien im Mittel hin 14, jedoch sind die Unsicherheitsbereiche (Spread) groß.
- Gleichzeitig signalisiert das Modell in den Druckanomalien Tendenzen zu hohem Luftdruck über Skandinavien oder dem Nordmeer.15 Das Vorhandensein solcher Hochdruckanomalien im Norden ist ein klassisches Indiz für Ostwindlagen. Dass die Temperaturprognose dennoch mild ist, könnte daran liegen, dass das Modell in der Glättung über 7 Tage die kalten Nächte und Inversionslagen unterschätzt oder dass es davon ausgeht, dass die Kaltluft knapp östlich von Deutschland verbleibt.
- Saisonale Prognose (SEAS5): Auf Monatsbasis rechnet das ECMWF mit einer Abweichung von +0,5 bis +1,5 Grad gegenüber dem Referenzzeitraum 1961-1990 (bzw. neutral bis leicht zu warm gegenüber 1991-2020).11 Das Modell schließt winterliche Abschnitte in der ersten Monatshälfte explizit nicht aus.
4.2 NOAA CFSv2 (Climate Forecast System)
Das amerikanische CFSv2-Modell ist bekannt für seine progressive Haltung und eine gewisse “Westwind-Bias” (Neigung, die milde Atlantikströmung zu überschätzen).
- Prognose: Das Modell sieht den Februar 2026 als “zu warm” mit Abweichungen von +1,5 bis +3,0 Grad.11 Auch der Niederschlag soll leicht erhöht sein.16
- Kritische Würdigung: Diese Prognose muss im Kontext des SSW-Events kritisch hinterfragt werden. Das CFSv2 reagiert oft träge auf plötzliche Stratosphärenerwärmungen. Solange das Modell die Kopplung der Stratosphäre nicht vollzieht, rechnet es stur mit einer starken Westdrift. Historisch gesehen lagen Modelle bei SSW-Ereignissen oft zu mild, da sie die Blockadewirkung unterschätzten. Daher ist die CFSv2-Prognose als “Warm-Szenario” (Worst Case für Winterfans) zu werten, aber nicht als das wahrscheinlichste deterministische Ergebnis.
4.3 Deutscher Wetterdienst (DWD)
Der DWD nutzt eigene statistisch-dynamische Verfahren.
- Trend: Die saisonale Vorhersage gibt eine Wahrscheinlichkeit von ca. 64 % für einen milderen Verlauf an (gegenüber 1991-2020).17
- Nuance: Der DWD warnt jedoch in seinen Kurzfrist- und Trendberichten explizit vor der “gestörten Zirkulation” und dem Potenzial für Kälte aus Ost.11 Die statistische Wahrscheinlichkeit spricht zwar für Milde (da die meisten Februar-Monate der letzten 30 Jahre mild waren), aber die aktuelle dynamische Lage (Blockadehoch) wird als Risikofaktor für Kälte benannt.
4.4 Zusammenfassende Bewertung der Modelle
| Modell | Temperaturtrend Feb 2026 | Zirkulationsmuster | Vertrauenswürdigkeit im SSW-Kontext |
| ECMWF Extended | Leicht mild bis Normal | Blockade-Tendenz | Hoch (erfasst Stratosphären-Kopplung gut) |
| NOAA CFSv2 | Sehr mild (+2 bis +3°C) | Zonale Westdrift | Niedrig (unterschätzt Blockade oft) |
| DWD Saisonal | Mild (64% Wahrsch.) | Gemischt | Mittel (basiert stark auf Statistik) |
| NASA | Mild (+1 bis +2°C) | Neutral | Mittel |
Das Fazit des Modellvergleichs: Die numerischen Modelle neigen zur Milde, die physikalischen Randbedingungen (Stratosphäre) schreien jedoch förmlich nach Kälte oder zumindest Blockade. In solchen Fällen gewinnt oft die Physik gegen die Statistik – zumindest temporär.
5. Szenarienbasierte Prognose für Februar 2026
Um die Unsicherheiten für den Endnutzer greifbar zu machen, werden drei Szenarien entwickelt. Diese decken die Bandbreite des Möglichen ab, gewichtet nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit unter Berücksichtigung des Stratosphären-Crashs.
Szenario A: Der “Arktische Konter” (Wahrscheinlichkeit: 35 %)
Das Szenario der vollen troposphärischen Kopplung.
Der Mechanismus: Der Zusammenbruch des Polarwirbels setzt sich bis zum Boden durch. Das Hochdruckgebiet über Skandinavien, das bereits im Januar präsent war 2, verbindet sich retrograd (rückläufig) mit einem Hoch über Grönland. Dies entspricht einer stark negativen NAO-Phase. Der Atlantik wird “zugemauert”. Tiefdruckgebiete müssen auf eine südliche Bahn über das Mittelmeer ausweichen.
Das Wettererlebnis in Deutschland:
- Temperatur: Es strömt kontinentale Kaltluft aus Russland oder arktische Luft direkt aus Norden ein. Wir erleben eine Phase mit Dauerfrost, auch tagsüber. Nachts sinken die Werte über Schnee auf -10 bis -15 °C, in Muldenlagen der Mittelgebirge und Alpen auch auf -20 °C.
- Niederschlag: Grundsätzlich eher trocken durch den Hochdruckeinfluss (“Kahlfrost”). Allerdings besteht die Gefahr von sogenannten “Vb-Tiefs” (Mittelmeertiefs), die auf der Vorderseite des Troges feuchte Luft gegen die Kaltluft schieben. Dies würde zu massiven Schneefällen führen, besonders im Süden und Osten Deutschlands.
- Dauer: Dieses Szenario würde typischerweise im Zeitraum 10. bis 25. Februar dominieren.
- Gefahren: Einfrieren von Wasserleitungen, extreme Heizkostenbelastung, Glätte durch überfrierende Nässe, Verkehrschaos bei Schneefall.
Szenario B: Die “Grenzwetterlage” / Das Patt (Wahrscheinlichkeit: 40 %)
Das Szenario der unentschiedenen Giganten.
Der Mechanismus:
Der Polarwirbel ist geschwächt, aber nicht tot. Er kämpft gegen die Erholung an. Das Hoch über Osteuropa/Russland ist stark, aber der Atlantik schickt immer wieder Tiefs dagegen an. Die Frontalzone schafft es nicht bis nach Russland, bleibt aber über Westeuropa “stecken”.
Das Wettererlebnis in Deutschland:
- Zweiteilung: Deutschland wird zum Schauplatz des Kampfes. Im Westen und Südwesten (NRW, Rheinland-Pfalz, Baden) sickert milde Luft ein (+5 bis +10 °C, Regen). Im Osten und Nordosten (Brandenburg, Sachsen, Vorpommern) hält sich die Kaltluft (Werte um 0 °C, Schneeregen oder Schnee).
- Die große Gefahr: An der Luftmassengrenze, die quer über Deutschland pendelt (oft diagonal von Nordwest nach Südost), drohen extreme Wetterereignisse: Eisregen (Blitzeis) und Starkschneefall. Dies erinnert an die Lage vom 12. Januar 2026, nur potenziell langlebiger.
- Niederschlag: Viel Niederschlag, da die Tiefs nicht weiterziehen können und abregnen/abschneien.
- Alltag: Hohes Risiko für Schulausfälle, gesperrte Autobahnen und “Wetterfrust” durch nasskaltes, graues Dauergraupeln.
Szenario C: Der “Atlantische Durchbruch” (Wahrscheinlichkeit: 25 %)
Das Szenario des Decouplings (Entkopplung).
Der Mechanismus:
Die Störung der Stratosphäre schafft es nicht bis zum Boden (Decoupling) oder der Polarwirbel regeneriert sich in den unteren Schichten schneller als erwartet. Die Temperaturkontraste zwischen dem kalten Kanada (Polarwirbelrest) und dem warmen Atlantik (Golfstrom) zünden den Jetstream neu an.
Das Wettererlebnis in Deutschland:
- Temperatur: Sehr mild. Die Strömung dreht auf Südwest. Wir sehen Temperaturen von +10 bis +15 °C, am Oberrhein vielleicht schon +18 °C. Der “Vorfrühling” bricht gewaltsam aus.
- Wind: Es wird stürmisch. Randtiefs ziehen in rascher Folge über die Nordsee. Sturmgefahr an den Küsten und auf den Bergen.
- Phänologie: Die Vegetation explodiert. Hasel und Erle blühen massiv, Krokusse und Schneeglöckchen sprießen.18
- Konsequenz: Der Winter wird als “Totalausfall” in die Bücher eingehen, auch wenn der Januar kühle Phasen hatte.
6. Chronologischer Fahrplan: Februar 2026 (Woche für Woche)
Basierend auf den vorliegenden Extended-Range-Daten und der typischen Abfolge nach einem SSW lässt sich folgender Zeitstrahl skizzieren:
Woche 1 (01.02. – 07.02.2026): Die Übergangsphase
Der Februar erbt die Wetterlage von Ende Januar. Die Modelle deuten auf einen “Kampf” zwischen dem Hoch über Skandinavien und der Frontalzone hin.6
- Prognose: Es bleibt nasskalt. Wahrscheinlich liegen wir noch auf der Vorderseite des Troges in einer Südwest- bis Westströmung, die aber zunehmend “einschläft”.
- Temperaturen: +2 bis +8 Grad tagsüber, nachts leichter Frost bei Aufklaren.
- Trend: Der Luftdruck im Norden steigt, der Wind beginnt langsam auf östliche Komponenten zu drehen.
Woche 2 (08.02. – 14.02.2026): Die kritische Phase
Hier erwarten wir die maximale Auswirkung des Stratosphären-Events. Die statistische Wahrscheinlichkeit für einen Kälteeinbruch steigt massiv an.
- Prognose: Die Strömung kippt. Ein “High-Over-Low”-Blocking (Hoch im Norden, Tief im Süden) etabliert sich.
- Wetter: Die Temperaturen gehen zurück. Die Wahrscheinlichkeit für Schnee bis in tiefere Lagen steigt auf über 50 %. In dieser Woche entscheidet sich, ob Szenario A oder B eintritt. Ein reines Szenario C ist in dieser Woche unwahrscheinlich.
Woche 3 (15.02. – 21.02.2026): Die Spätwinter-Singularität
Klimatologisch ist der Zeitraum vom 15. bis 24. Februar hochinteressant. In 70 % der Fälle tritt hier eine Kälteperiode auf.18
- Prognose: Selbst wenn die ersten zwei Wochen mild waren, ist hier mit einem “Rückschlag” zu rechnen. Kontinentale Kaltluft könnte Deutschland fluten.
- Detail: Da die Sonne schon Kraft hat, wären die Nächte extrem kalt, die Tage aber bei Sonnenschein erträglich (Märzwinter-Charakter).
Woche 4 (22.02. – 28.02.2026): Der Ausklang
Zum Monatsende nimmt der Sonnenstand so stark zu, dass sich dauerhafte Kälte in den Niederungen kaum noch halten kann, es sei denn, es liegt eine mächtige Schneedecke.
- Prognose: Langsame Milderung, aber Gefahr von Nachtfrösten bleibt hoch. Die Wettermodelle signalisieren hier oft wieder eine Normalisierung der Zonalwinde (Rückkehr zu Westwind).
7. Regionale Auswirkungen in Deutschland
Die Auswirkungen des vorhergesagten “Wetters der Extreme” treffen Deutschland nicht homogen. Die Topographie und geografische Lage sorgen für erhebliche Unterschiede.
| Region | Prognose-Tendenz Februar 2026 | Spezifische Risiken |
| Norddeutschland (Küste/Tiefland) | Eher nasskalt, windig. Bei Ostlage (Szenario A) “Lake Effect” Schnee von der Ostsee möglich.11 | Sturmflutgefahr bei Westlage; Schneeverwehungen bei Ostlage (“Schneekatastrophen”-Potenzial bei Vb-Lage). |
| Westdeutschland (NRW/RP) | Milder als der Osten. Oft im Einflussbereich der Warmluft. | Höchstes Risiko für Eisregen an Luftmassengrenzen (wie im Jan). Hochwassergefahr bei Tauwetter + Regen. |
| Südwestdeutschland (BW/Saarland) | Die wärmste Region. Vorfrühling am wahrscheinlichsten (bis +15°C im Oberrheingraben bei SW-Lage). | Früher Vegetationsstart, daher hohe Gefahr von Spätfrostschäden in der Landwirtschaft bei Kälterückfällen. |
| Südostdeutschland (Bayern) | Kältespeicher. In den Tälern hält sich Kaltluft zäh (Inversion). | Dauerfrost am wahrscheinlichsten. Gute Wintersportbedingungen in den Alpen durch Stauniederschläge bei Nordlagen. |
| Ostdeutschland (Berlin/Sachsen) | Tor zur Kälte. Bei Szenario A (Russland-Kälte) wird es hier am kältesten. | Trockene Kälte (Kahlfrost), Gefahr für Winterkulturen in der Landwirtschaft. |
8. Klimatologische Einordnung: Februar im Wandel
Abschließend muss die Prognose in den Kontext des Klimawandels gestellt werden. Der Februar ist in Deutschland der Monat, der sich in den letzten Jahrzehnten signifikant erwärmt hat.
- Trend: Die Wahrscheinlichkeit für “Flachlandwinter” (dauerhafte Schneedecke im Tiefland) sinkt kontinuierlich. In den letzten 30 Jahren wurde der Februar um durchschnittlich 1,1 Grad wärmer.11
- Schneefallgrenze: Diese ist um ca. 140 bis 170 Meter angestiegen.11
- Interpretation: Wenn wir für Februar 2026 eine “Kältewelle” prognostizieren, dann ist diese relativ zu sehen. Was heute als “extrem kalt” gilt (z.B. -10 Grad), war in den 1960er oder 80er Jahren in einem Februar keine Seltenheit. Umgekehrt erreichen Wärmeperioden heute viel schneller Rekordwerte.
- Konsequenz: Ein “normaler” Februar 2026 würde sich für viele Menschen heute bereits kalt anfühlen, da wir an die Serie extrem milder Winter der letzten Jahre gewöhnt sind.19
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung
Die Frage “Kehrt der Winter im Februar 2026 zurück?” lässt sich basierend auf der Analyse der Stratosphäre, der Modelle und der Telekonnektionen wie folgt beantworten:
Ja, eine Rückkehr des Winters ist sehr wahrscheinlich, aber sie wird vermutlich episodisch und heftig, statt monatelang und stabil sein.
- Das Hauptargument für Winter: Der Zusammenbruch des Polarwirbels (SSW) ist ein physikalisches Faktum. Die Atmosphäre ist massiv gestört. Die Wahrscheinlichkeit für Blockadelagen (und damit Kälte) ist gegenüber einem Normaljahr um ca. 30-40 % erhöht.
- Das Hauptargument dagegen: Der ozeanische Wärmeinhalt und der allgemeine Erwärmungstrend arbeiten gegen die Kälte. Die Modelle (NOAA, ECMWF saisonal) springen auf diesen Erwärmungstrend an und zeigen “Rot” (zu warm).
- Das wahrscheinlichste Szenario: Wir erwarten einen Februar der Extreme (Szenario B). Es wird Phasen geben, in denen es sich anfühlt, als wäre der Frühling da (+12 Grad, Regen), die abrupt von scharfen Kaltlufteinbrüchen (Schnee, Frost) abgelöst werden, wenn die Blockade kurzzeitig greift. Besonders die zweite und dritte Februarwoche (08.02. – 21.02.) sind Risikophasen für winterliche Überraschungen.
Handlungsempfehlung für Laien:
- Lassen Sie die Winterreifen aufgezogen.
- Rechnen Sie Mitte Februar nicht mit stabilem Frühlingswetter, auch wenn Ende Januar mild ausfällt.
- Verfolgen Sie die kurzfristigen Warnungen vor Glatteis, da Luftmassengrenzen das dominante Wetterthema des Monats sein könnten.
- Für Gartenbesitzer: Schützen Sie empfindliche Pflanzen noch nicht zu früh, Spätfröste sind im Februar 2026 hochwahrscheinlich.
Der Februar 2026 wird meteorologisch faszinierend, da er ein Lehrstück über den Kampf zwischen stratosphärischem Zwang (Kälte) und globaler Erwärmung (Wärme) bieten wird. Die Würfel in der Stratosphäre sind gefallen, nun müssen sie in der Troposphäre landen.
Hinweis: Dieser Bericht repräsentiert den Kenntnisstand der Meteorologie zum 15. Januar 2026. Wettervorhersagen über einen Zeitraum von mehr als 3-5 Tagen unterliegen naturgemäß Unsicherheiten. Die verwendeten Datenquellen umfassen Modelle des DWD, NOAA, ECMWF sowie stratosphärische Analysen.
Referenzen
- Achtung: Glatteisgefahr am Montagmorgen, 12. Januar 2026, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.duesseldorf.de/medienportal/pressedienst-einzelansicht/pld/achtung-glatteisgefahr-am-montagmorgen-12-januar-2026
- Wetter Januar 2026 – Wetterprognose und Wettervorhersage, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.wetterprognose-wettervorhersage.de/wetter/januar/wetter-januar-2026.html
- Analysis of the polar vortex disturbance in January 2026 – YouTube, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.youtube.com/watch?v=BFYO3TvQHus
- CFSv2 forecast monthly T2m anomalies, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/htmls/euT2me3Mon.html
- Großwetterlagenkarte Europa – wetter.net, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.wetter.net/grosswetterlagenkarte
- Frühlings- oder Winterwetter bis Februar – Schwacher Polarwirbel kippt die Großwetterlage, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.wetterprognose-wettervorhersage.de/wetter/februar/wetter-februar-2026/13315-fruehlings-oder-winterwetter-bis-februar-schwacher-polarwirbel-kippt-die-grosswetterlage.html
- Wetterprognose – GeoSphere Austria, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.geosphere.at/de/karten/wetterprognose
- Brace for a chilly start to 2026: Polar Vortex split to bring prolonged cold to North America and Europe, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.severe-weather.eu/global-weather/polar-vortex-split-after-stratospheric-warming-january-winter-weather-united-states-canada-europe-fa/
- Polar Vortex 2026 Update: New Stratospheric Warming Detected, Winter Shift Likely in January – YouTube, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.youtube.com/watch?v=hXtgheAy3Ec
- Prepare for a cold start to 2026: The polar vortex is splitting, bringing… – YouTube, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.youtube.com/watch?v=46BPdm_6nBs
- Wetter Februar 2026 Deutschland – Was vom Wetter zu erwarten ist, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.wetterprognose-wettervorhersage.de/wetter/februar/wetter-februar-2026/13299-wetter-februar-2026-deutschland-was-vom-wetter-zu-erwarten-ist.html
- La Niña Collapse Begins: How a Major Pacific Flip will Reshape the 2026 Weather Patterns, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.severe-weather.eu/long-range-2/la-nina-collapse-begins-el-nino-2026-united-states-canada-europe-fa/
- Global Seasonal Climate Update for January-February-March 2026, Zugriff am Januar 15, 2026, https://wmo.int/media/update/global-seasonal-climate-update-january-february-march-2026
- 2 m temperature: Weekly mean anomalies – ECMWF | Charts, Zugriff am Januar 15, 2026, https://charts.ecmwf.int/products/extended-anomaly-2t?base_time=202601130000&projection=opencharts_europe&valid_time=202601260000
- Mean sea level pressure: Weekly mean anomalies – ECMWF | Charts, Zugriff am Januar 15, 2026, https://charts.ecmwf.int/products/extended-anomaly-mslp
- CFSv2 forecast monthly Prec anomalies, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/htmls/euPrece3Mon.html
- Saisonale Klimavorhersage des DWD – DKKV, Zugriff am Januar 15, 2026, https://dkkv.org/saisonale-klimavorhersage-des-dwd/
- Wetter Februar 2026 – Wetterprognose und Wettervorhersage, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.wetterprognose-wettervorhersage.de/wetter/februar/wetter-februar-2026.html
- Update! Winter 2025/26 – so ist die aktuelle Prognose! Wieder sehr milde Monate oder …?, Zugriff am Januar 15, 2026, https://www.youtube.com/watch?v=Y0t6xfA4N4o
KI-gestützt. Menschlich veredelt.
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