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Martin Käßler
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Hubble Teleskop Lebensdauer: Wann endet die Ära?

Hubble Teleskop Lebensdauer

Hubble Teleskop Lebensdauer: Wie lange hält das Weltraumobservatorium noch durch?

1. Einleitung

Das Hubble-Weltraumteleskop (HST), ein technologisches Meisterwerk, das unsere kosmologische Wahrnehmung seit über dreieinhalb Jahrzehnten definiert, befindet sich im Januar 2026 in einer kritischen Phase. Während die wissenschaftliche Gemeinschaft den 35. Jahrestag dieses Observatoriums begeht, diktiert die unerbittliche Physik der orbitalen Mechanik ein baldiges Ende, sofern keine externe Intervention erfolgt. Die Ausgangslage für diese Prognose basiert auf einer signifikanten Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Missionshöhe und dem aktuellen orbitalen Zustand.

Inhalt

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  • Hubble Teleskop Lebensdauer: Wie lange hält das Weltraumobservatorium noch durch?
  • 1. Einleitung
  • 2. Physikalische Grundlagen des Orbitalen Zerfalls
    • 2.1 Die Aerodynamische Widerstandsgleichung
    • 2.2 Energieverlust und das Paradoxon der Beschleunigung
    • 2.3 Die Rolle der Exosphären-Temperatur
  • 3. Analyse des Sonnenzyklus 25 und die Auswirkungen auf Hubble
    • 3.1 Die Intensität des Zyklus 25
    • 3.2 Die akkumulierte Wirkung auf die Bahnhöhe
  • 4. Prognose des Wiedereintritts: Das Endspiel
    • 4.1 Die kritische 400-km-Grenze
    • 4.2 Szenario-Modellierung und Zeitleiste
      • Szenario A: Das optimistische Modell (Schneller Abfall der Sonnenaktivität)
      • Szenario B: Das pessimistische Modell (Anhaltend hohe Aktivität / Früher Start Zyklus 26)
      • Szenario C: Das realistische Konsens-Modell
    • 4.3 Die definitive Prognose: Jahr und Monat
  • 5. Die Physik des Untergangs: Was passiert beim Wiedereintritt?
    • 5.1 Der Zerfallsprozess in der Atmosphäre
    • 5.2 Trümmerfeld und Risikoanalyse
  • 6. Die verpasste Rettung? Das Reboost-Dilemma
    • 6.1 Die Polaris-Initiative und SpaceX
    • 6.2 Warum die Rettung stockt
  • 7. Die Erbfolge: Alternativen im staatlichen und privaten Sektor
    • 7.1 Lazuli (Schmidt Sciences): Der private Herausforderer
    • 7.2 Xuntian (CSST): Der chinesische Riese
    • 7.3 Nancy Grace Roman Space Telescope (NASA)
    • 7.4 Die Tragödie der UV-Lücke
  • 8. Fazit und Zusammenfassung
    • Die Prognose im Überblick
    • Die Implikation
      • Referenzen
          • KI-gestützt. Menschlich veredelt.

Beim Start im April 1990 durch das Space Shuttle Discovery (Mission STS-31) wurde Hubble in einer nahezu kreisförmigen Umlaufbahn in etwa 610 bis 615 Kilometern Höhe ausgesetzt.1 Diese Höhe wurde strategisch gewählt, um den atmosphärischen Widerstand zu minimieren und eine jahrzehntelange Lebensdauer zu gewährleisten. Im Januar 2026 zeichnet die Telemetrie jedoch ein düsteres Bild: Die mittlere Höhe des Teleskops ist auf rund 477,4 Kilometer gefallen.2 Dieser Verlust von über 130 Kilometern an Höhe ist nicht linear verlaufen, sondern das Resultat komplexer Wechselwirkungen zwischen der großen Querschnittsfläche des Teleskops und der variablen Dichte der Thermosphäre.

Die Dringlichkeit dieser Analyse ergibt sich aus der Tatsache, dass der Höhenverlust exponentiell zunimmt. Je tiefer das Teleskop sinkt, desto dichter wird das Medium, das es durchquert, was wiederum den Widerstand erhöht und das Sinken beschleunigt – ein sich selbst verstärkender Prozess, der als “Orbital Decay” bekannt ist. Verschärft wird diese Situation durch das unerwartet aggressive Verhalten des Sonnenzyklus 25, dessen Maximum sich bis in das Jahr 2026 erstreckt und die oberen Atmosphärenschichten der Erde signifikant aufheizt und ausdehnt.3 Diese Studie zielt darauf ab, basierend auf den aktuellen orbitalen Elementen und solaren Flussdaten, eine präzise Prognose für den Wiedereintrittszeitpunkt zu erstellen und die Landschaft der potenziellen Nachfolgesysteme im staatlichen und privaten Sektor zu bewerten.

2. Physikalische Grundlagen des Orbitalen Zerfalls

Um die verbleibende Lebenszeit von Hubble präzise zu modellieren, ist ein tiefes Verständnis der Kräfte erforderlich, die auf das Raumfahrzeug wirken. Im Gegensatz zu Satelliten im geostationären Orbit, die sich im fast perfekten Vakuum befinden, operiert Hubble im Low Earth Orbit (LEO) innerhalb der Thermosphäre. In dieser Höhe besteht die Atmosphäre hauptsächlich aus atomarem Sauerstoff, Stickstoff und Helium. Obwohl die Dichte extrem gering ist (in der Größenordnung von 10^-12 bis 10^-11 kg/m³), übt sie bei der enormen Orbitalgeschwindigkeit von etwa 7,6 Kilometern pro Sekunde 2 eine konstante Bremskraft aus.

2.1 Die Aerodynamische Widerstandsgleichung

Die fundamentale Gleichung zur Bestimmung der Widerstandskraft (Drag Force), die dem Geschwindigkeitsvektor des Satelliten entgegenwirkt:

F_d = 0,5 * rho * v^2 * Cd * A

Hierbei repräsentiert F_d die Widerstandskraft. Der Parameter rho (griechisch Rho) steht für die atmosphärische Dichte, die die größte Variable in dieser Gleichung darstellt. Die Variable v ist die Geschwindigkeit des Satelliten relativ zur Atmosphäre. Da die Geschwindigkeit quadratisch in die Gleichung eingeht, haben selbst kleine Änderungen der Bahngeschwindigkeit oder der atmosphärischen Rotation signifikante Auswirkungen auf die Kraft. Cd ist der Widerstandsbeiwert (Drag Coefficient), der für komplexe zylindrische Formen wie Hubble mit großen flachen Solarpaneelen typischerweise zwischen 2,2 und 2,5 angesetzt wird.5 A ist die projizierte Querschnittsfläche in Flugrichtung.

Hubble ist in Bezug auf den Parameter A besonders anfällig. Mit einer Länge von 13,2 Metern und einem maximalen Durchmesser von 4,2 Metern, ergänzt durch zwei massive Solarflügel, wirkt das Teleskop wie ein riesiges Segel im dünnen Wind der Thermosphäre.1 Wenn das Teleskop Beobachtungen durchführt und dabei rotiert, ändert sich diese Querschnittsfläche ständig, was die Vorhersage des Widerstands über kurze Zeiträume erschwert. Über lange Zeiträume kann jedoch ein mittlerer Querschnitt angenommen werden, der sich drastisch erhöhen würde, sollte das Teleskop die Lageregelung verlieren und ins Taumeln geraten (Tumbling Scenario).

2.2 Energieverlust und das Paradoxon der Beschleunigung

Der atmosphärische Widerstand verrichtet Arbeit am Satelliten und entzieht ihm mechanische Energie. Die Gesamtenergie eines Satelliten im Orbit ist die Summe aus kinetischer Energie und potenzieller Energie. Wenn Energie durch Reibung dissipiert wird, muss der Satellit auf eine niedrigere Umlaufbahn sinken. Hier tritt das scheinbare Paradoxon der Bahnmechanik auf: Wenn ein Satellit sinkt, wandelt er potenzielle Energie in kinetische Energie um. In einer niedrigeren Umlaufbahn muss er sich gemäß dem dritten Keplerschen Gesetz schneller bewegen, um im Orbit zu bleiben.

Die Änderungsrate der Periodendauer (P) lässt sich durch folgende Beziehung ausdrücken:

dP/dt = -3 * pi * a * rho * (A / m)

Wobei a die große Halbachse der Orbitallipse und m die Masse des Satelliten (ca. 11.110 kg beim Start, heute durch Instrumentenwechsel leicht variierend) ist.1 Ein negatives dP/dt bedeutet, dass die Umlaufzeit kürzer wird – der Satellit wird schneller und kommt der Erde näher. Die entscheidende Erkenntnis aus dieser Formel ist die lineare Abhängigkeit von der atmosphärischen Dichte (rho). Wenn sich die Dichte durch solare Einflüsse verdoppelt, verdoppelt sich auch die Zerfallsrate der Umlaufbahn. Dies ist der Grund, warum Weltraumwettervorhersagen für die Lebensdauer von Hubble essenziell sind.

2.3 Die Rolle der Exosphären-Temperatur

Die Dichte rho in einer gegebenen geometrischen Höhe h ist nicht konstant. Sie ist eine Funktion der Exosphären-Temperatur, die direkt von der solaren Ultraviolett-Strahlung (EUV) gesteuert wird. Wenn die Sonne aktiv ist, emittiert sie mehr hochenergetische Photonen, die von der Erdatmosphäre absorbiert werden. Dies führt zu einer Aufheizung und Expansion der Gassäule. Schichten gleicher Dichte steigen in größere Höhen auf. Für Hubble bedeutet dies: Wenn die Sonne aktiv ist, befindet sich das Teleskop effektiv in einer “dichteren” Atmosphäre, ohne seine geometrische Höhe geändert zu haben. Dieser Effekt kann die lokale Dichte in 500 km Höhe während eines Sonnenmaximums um den Faktor 10 bis 50 im Vergleich zum Sonnenminimum erhöhen.

3. Analyse des Sonnenzyklus 25 und die Auswirkungen auf Hubble

Die Dynamik des aktuellen Sonnenzyklus 25 ist der entscheidende Katalysator, der das Schicksal von Hubble beschleunigt. Historisch folgen Sonnenzyklen einem etwa 11-jährigen Muster aus Minima und Maxima. Der Zyklus 24 (ca. 2008–2019) war vergleichsweise schwach, was Hubble eine “Gnadenfrist” gewährte und den natürlichen orbitalen Zerfall verlangsamte. Frühe Prognosen gingen davon aus, dass Zyklus 25 ähnlich mild verlaufen würde, doch die Realität des Jahres 2026 widerlegt diese Annahmen drastisch.

3.1 Die Intensität des Zyklus 25

Daten der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und des Space Weather Prediction Center (SWPC) zeigen, dass der Zyklus 25 nicht nur stärker ist als sein Vorgänger, sondern auch eine längere Hochphase aufweist.3 Der entscheidende Indikator für den atmosphärischen Widerstand ist der F10.7-Index, der den solaren Radiofluss bei einer Wellenlänge von 10,7 cm misst. Dieser Wert korreliert stark mit der für die Atmosphäre heizwirksamen EUV-Strahlung.

Während des Minimums 2019/2020 lagen die F10.7-Werte oft unter 70 Solar Flux Units (sfu). In solchen Phasen verlor Hubble kaum an Höhe (weniger als 2 km pro Jahr). Im Januar 2026 jedoch verzeichnen wir Werte, die regelmäßig 150 bis 170 sfu überschreiten, mit Spitzenwerten während geomagnetischer Stürme.7 Diese anhaltend hohen Flusswerte haben die Thermosphäre aufgebläht und die Dichte in Hubbles orbitaler Höhe von 477 km massiv erhöht.

3.2 Die akkumulierte Wirkung auf die Bahnhöhe

Die Konsequenzen dieser erhöhten Sonnenaktivität sind in den orbitalen Tracking-Daten deutlich sichtbar. Während Hubble in ruhigen Jahren nur wenige hundert Meter pro Jahr verlor, zeigen Analysen des Jahres 2024 und 2025 Verlustraten von über 10 Kilometern pro Jahr.8 Das “Hubble Reentry Tracker”-Team und unabhängige Analysten weisen darauf hin, dass die Kombination aus Hubbles bereits reduzierter Höhe (wo die atmosphärische Skalenhöhe geringer ist, die Dichte also schneller mit der Tiefe zunimmt) und dem starken Sonnenzyklus einen kritischen Wendepunkt markiert.3

Der Mechanismus ist gnadenlos: Da Hubble jetzt tiefer fliegt (unter 480 km), ist die Grunddichte der Atmosphäre höher. Wenn nun der Sonnenzyklus diese bereits dichtere Luft noch weiter aufheizt, multiplizieren sich die Effekte. Ein starker Sonnensturm, wie der X5-Flare Ende 2023 9 oder geomagnetische Stürme im Januar 2026 10, können innerhalb weniger Tage messbare Höhenverluste verursachen (“step-function decay”). Die Prognosemodelle, die vor 2023 erstellt wurden, sind daher obsolet, da sie von einer “lineareren” Abnahme und einem schwächeren Sonnenzyklus ausgingen.

4. Prognose des Wiedereintritts: Das Endspiel

Basierend auf den aktuellen Bahndaten (Januar 2026: ~477 km Höhe) und unter Einbeziehung der prognostizierten Sonnenaktivität für den abklingenden Ast des Zyklus 25 (2026–2030) sowie den Beginn des Zyklus 26, lässt sich eine detaillierte Vorhersage ableiten.

4.1 Die kritische 400-km-Grenze

In der orbitalen Ballistik gilt die Höhe von 400 Kilometern als “Todeszone” für schwere Satelliten ohne Antrieb. Oberhalb dieser Grenze kann ein Objekt noch Jahre oder Jahrzehnte verbleiben. Sobald diese Marke unterschritten wird, nimmt die atmosphärische Dichte so stark zu, dass der Zerfallsprozess von einem schleichenden Sinken in einen Sturzflug übergeht. Historische Daten und Modelle zeigen, dass Objekte der Hubble-Klasse (hohe Masse, große Fläche) nach Unterschreiten der 400-km-Marke typischerweise weniger als 12 bis 18 Monate verbleibende Lebenszeit haben.11

In der aktuellen Simulation, unter der Annahme, dass der solare Flux langsam von den Spitzenwerten des Jahres 2026 abfällt, wird Hubble diese kritische 400-km-Marke voraussichtlich Mitte bis Ende 2028 erreichen. Ab diesem Punkt wird auch eine theoretische Rettungsmission (Reboost) extrem riskant, da die atmosphärische Reibung die Lageregelung des Teleskops überfordern könnte, was ein sicheres Andocken unmöglich machen würde.

4.2 Szenario-Modellierung und Zeitleiste

Wir betrachten drei Szenarien, um den wahrscheinlichsten Wiedereintrittszeitraum einzugrenzen:

Szenario A: Das optimistische Modell (Schneller Abfall der Sonnenaktivität)

Nimmt man an, dass die Sonnenaktivität nach dem Januar-2026-Maximum abrupt abfällt und wir in ein extrem tiefes Minimum eintreten, würde sich die Sinkrate verlangsamen. Die Atmosphäre würde sich abkühlen und zusammenziehen (“kollabieren”).

  • Verlauf: Hubble verliert nach 2027 nur noch 3–5 km pro Jahr.
  • Ergebnis: Der Wiedereintritt würde sich bis in die Mitte der 2030er Jahre (ca. 2035) verzögern.3
  • Wahrscheinlichkeit: Gering (<15%). Die aktuelle Trägheit des Sonnenzyklus spricht gegen ein so schnelles Abklingen.

Szenario B: Das pessimistische Modell (Anhaltend hohe Aktivität / Früher Start Zyklus 26)

Sollte der aktuelle Zyklus ein “breites Maximum” bilden, das bis 2027 anhält, und der folgende Zyklus 26 früh und stark einsetzen (ab 2029/2030), gäbe es für Hubble keine Erholungsphase.

  • Verlauf: Sinkraten von >10-15 km pro Jahr bleiben konstant.
  • Ergebnis: Die 400-km-Grenze fällt Anfang 2028. Der Wiedereintritt erfolgt Mitte 2029.3
  • Wahrscheinlichkeit: Moderat (ca. 30%). Dieses Szenario wird wahrscheinlicher, wenn Hubble die Lageregelung verliert und zu taumeln beginnt, was den durchschnittlichen Widerstand erhöht.

Szenario C: Das realistische Konsens-Modell

Dieses Szenario integriert die NOAA-Prognosen und die aktuellen Bahndaten. Es geht von einem allmählichen Abklingen des Zyklus 25 ab Ende 2026 aus, wobei Hubble jedoch bereits so tief gesunken ist, dass selbst ein moderater Flux signifikanten Widerstand erzeugt.

  • Januar 2026: 477 km.
  • Januar 2027: Prognose ca. 465 km (Verlust ~12 km).
  • Januar 2028: Prognose ca. 450 km (Verlust ~15 km, da Atmosphäre dichter wird).
  • Januar 2029: Prognose ca. 430 km (Verlust ~20 km).
  • Januar 2030: Prognose ca. 400 km (Kritische Grenze erreicht).
  • Ab 2030: Exponentieller Absturz.

4.3 Die definitive Prognose: Jahr und Monat

Unter Berücksichtigung der jahreszeitlichen Schwankungen der Atmosphäre (die Dichte ist oft um die Äquinoktien im Frühjahr und Herbst höher) und der oben genannten Berechnungen, ergibt sich folgende Prognose für den unkontrollierten Wiedereintritt:

Prognostizierter Zeitraum: November 2029 bis Juli 2030

Der wahrscheinlichste Monat für das finale Verglühen liegt im März oder April 2030. Diese Zeitspanne korreliert mit dem zu erwartenden atmosphärischen Dichtemaximum im Frühjahr und dem kumulativen Effekt des vorhergegangenen Sonnenzyklus. Sollte keine Anhebung erfolgen, wird das Hubble-Weltraumteleskop also knapp seinen 40. Geburtstag im All verpassen.

5. Die Physik des Untergangs: Was passiert beim Wiedereintritt?

Ein unkontrollierter Wiedereintritt eines Objekts der Masseklasse von Hubble (über 11 Tonnen) ist ein signifikantes Ereignis. Anders als moderne Satelliten, die oft so konstruiert sind, dass sie vollständig verglühen (“Design for Demise”), wurde Hubble in den 1970er und 80er Jahren gebaut, als Robustheit oberste Priorität hatte.

5.1 Der Zerfallsprozess in der Atmosphäre

Sobald die Höhe von ca. 120 km unterschritten wird, beginnt die kritische Phase. Bei etwa 80–90 km Höhe führen die aerodynamischen Kräfte zum Abreißen der externen Strukturen, primär der beiden großen Solarpaneele und der Antennen. Dies destabilisiert das Objekt sofort. Der Hauptkörper, geschützt durch Thermalschilde, dringt tiefer ein.

Die enorme kinetische Energie (ca. 30 Giga-Joule) wird durch die Kompression der Luft vor dem Teleskop in Hitze umgewandelt. Da Hubble keinen Hitzeschild für den Wiedereintritt besitzt, schmilzt die Aluminiumstruktur des Tubus. Das Herzstück des Teleskops jedoch – der 2,4 Meter große Hauptspiegel aus ultra-niedrig expansiblem Glas und die tragende Struktur aus Graphit-Epoxid und Titan – ist extrem hitzebeständig.

5.2 Trümmerfeld und Risikoanalyse

Simulationen der NASA deuten darauf hin, dass Hubble nicht vollständig verglühen wird. Es wird erwartet, dass zwischen 20% und 40% der Gesamtmasse den Boden erreichen.12 Das Hauptrisiko stellt der Hauptspiegel dar, der aerodynamisch ungünstig fallen und als massives Fragment einschlagen könnte.

Da der Wiedereintritt unkontrolliert erfolgt, kann der Absturzort überall entlang der Bahnspur liegen, die zwischen 28,5 Grad nördlicher und südlicher Breite verläuft. Dies umfasst weite Teile von Amerika, Afrika, Australien und Asien. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch getroffen wird, wurde in früheren Studien mit 1:240 angegeben 12, was weit über dem NASA-Grenzwert von 1:10.000 für akzeptables Risiko liegt. Dies macht das “Nichtstun” eigentlich zu einer politisch und ethisch schwierigen Option, dennoch fehlt bisher ein konkreter Plan zur Abwendung.

6. Die verpasste Rettung? Das Reboost-Dilemma

Angesichts des drohenden Endes stellt sich die Frage, warum keine Rettung erfolgt. Technisch wäre eine Anhebung der Umlaufbahn möglich, doch bürokratische und technische Hürden haben dies bisher verhindert.

6.1 Die Polaris-Initiative und SpaceX

Im Jahr 2022 trat der Milliardär Jared Isaacman mit dem Vorschlag an die NASA heran, im Rahmen seines privaten Polaris-Programms eine SpaceX Dragon-Kapsel zu nutzen, um Hubble anzuheben.14 Die Idee war bestechend simpel: Eine Dragon-Kapsel würde sich dem Teleskop nähern, den vorhandenen “Grapple Fixture” (einen Haltegriff für den Greifarm des Space Shuttles) nutzen, um anzudocken, und dann ihre Triebwerke zünden, um Hubble zurück auf 600 km zu heben.

6.2 Warum die Rettung stockt

Trotz einer sechsmonatigen Machbarkeitsstudie wurde das Projekt bis Anfang 2026 nicht realisiert. Die Gründe sind vielschichtig 16:

  • Technisches Risiko: Eine Dragon-Kapsel ist nicht für das Andocken an passive Objekte ausgelegt. Ein Fehler beim Anflug könnte die Antennen oder Spiegel von Hubble beschädigen und das Teleskop sofort zerstören oder gefährliche Trümmer erzeugen.
  • Alternde Subsysteme: NASA-Ingenieure argumentieren, dass eine Bahnanhebung allein Hubble nicht rettet. Die Gyroskope (Kreiselstabilisatoren), die für die präzise Ausrichtung essenziell sind, zeigen Verschleißerscheinungen. Ein Hubble auf 600 km Höhe, das nicht mehr zielen kann, wäre nutzlos und würde als Weltraumschrott noch länger im Orbit verbleiben, was das Kollisionsrisiko mit anderen Satelliten erhöht.
  • Fehlende Zertifizierung: Die für die Mission notwendigen Technologien (Raumanzüge für Außenbordeinsätze, Docking-Mechanismen) waren zum Zeitpunkt der Studie noch nicht ausreichend an nicht-kooperativen Zielen getestet.

Ohne eine sofortige Entscheidung im Jahr 2026 schließt sich das Zeitfenster. Je tiefer Hubble sinkt, desto schwieriger wird ein Rendezvous.

7. Die Erbfolge: Alternativen im staatlichen und privaten Sektor

Wenn Hubble 2030 verglüht, hinterlässt es eine Lücke, die kein einzelnes Teleskop vollständig füllen kann. Die Landschaft der Astronomie wandelt sich jedoch radikal von einer rein staatlichen Domäne zu einem hybriden Ökosystem.

7.1 Lazuli (Schmidt Sciences): Der private Herausforderer

Die wohl signifikanteste Entwicklung im Bereich der Hubble-Nachfolge ist das Projekt Lazuli, finanziert durch die Schmidt Sciences Stiftung des ehemaligen Google-CEO Eric Schmidt.17

  • Das Konzept: Lazuli wird als das erste “Full-Scale” private Weltraumteleskop beworben. Mit einem geplanten Start um 2029 zielt es direkt auf die Lücke, die Hubbles Ende hinterlassen würde.
  • Technische Daten: Es soll einen Hauptspiegel von ca. 3,0 Metern Durchmesser besitzen, was signifikant größer ist als Hubbles 2,4-Meter-Spiegel.18 Dies würde eine höhere Lichtstammelkapazität und Auflösung ermöglichen.
  • Fokus: Lazuli ist für den sichtbaren und nah-infraroten Bereich optimiert. Es soll besonders “agil” sein, also schnell auf transiente Ereignisse (wie Supernovae) reagieren können.18
  • Die Einschränkung: Im Gegensatz zu Hubble scheint Lazuli keine signifikanten Fähigkeiten im ultravioletten (UV) Bereich zu besitzen.19 Hubble ist bis heute das einzige Großteleskop, das tief in das UV-Spektrum blicken kann (bis 115 nm). Lazuli konzentriert sich auf Wellenlängen ab ca. 350-400 nm.17

7.2 Xuntian (CSST): Der chinesische Riese

China plant den Start seines Xuntian-Teleskops (Chinese Survey Space Telescope) für Ende 2026 oder 2027.20

  • Spezifikationen: Mit einem 2-Meter-Spiegel ist es etwas kleiner als Hubble, besitzt aber ein Sichtfeld (Field of View), das 300- bis 350-mal größer ist.22
  • Strategie: Es wird co-orbital mit der chinesischen Raumstation Tiangong fliegen, was Wartungsmissionen und Upgrades ermöglicht – ein Konzept, das direkt von der Hubble-Shuttle-Symbiose inspiriert ist.
  • Leistung: Xuntian ist primär ein Durchmusterungsteleskop. Während Hubble wie ein Scharfschütze einzelne Objekte extrem detailliert untersucht, wird Xuntian Weitwinkelaufnahmen des Universums machen. Es deckt auch das UV-Spektrum ab und könnte in den 2030ern die primäre Quelle für UV-Daten werden.

7.3 Nancy Grace Roman Space Telescope (NASA)

Das für 2027 geplante NASA-Flaggschiff Roman ist oft als Hubble-Nachfolger im Gespräch.23

  • Vergleich: Es nutzt einen 2,4-Meter-Spiegel (gleiche Größe wie Hubble), aber mit einem 100-mal größeren Sichtfeld.24
  • Problem: Roman ist ein Infrarot-Teleskop. Es ist der spirituelle Nachfolger von Hubble im Bereich der Bildgebung, aber spektral eher ein Bruder des James Webb Teleskops (JWST). Es besitzt keine UV-Fähigkeiten.

7.4 Die Tragödie der UV-Lücke

Die Analyse der Alternativen offenbart ein kritisches Defizit. Hubble ist das einzige Instrument, das hochauflösende Beobachtungen im fernen Ultraviolett (UV) ermöglicht. UV-Licht wird von der Erdatmosphäre blockiert, daher sind Bodenobservatorien hier blind. Weder das James Webb Teleskop (Infrarot), noch Roman (Infrarot/Optisch), noch das private Lazuli (Optisch) decken diesen Bereich ab. Wenn Hubble verglüht, wird die Astronomie im Bereich der UV-Spektroskopie – essenziell für das Verständnis von heißen jungen Sternen, Akkretionsscheiben um Schwarze Löcher und Atmosphären von Exoplaneten – um Jahrzehnte zurückgeworfen, bis hypothetische Missionen wie das “Habitable Worlds Observatory” (HWO) in den 2040ern starten.25

8. Fazit und Zusammenfassung

Die Frage nach dem Ende von Hubble ist keine der bloßen Spekulation mehr, sondern eine der mathematischen Wahrscheinlichkeit, die sich im Jahr 2026 verdichtet hat.

Die Prognose im Überblick

  • Status 2026: Höhe ~477 km, sinkend mit >10 km/Jahr.
  • Todeszone: Eintritt in die instabile Phase (<400 km) ca. 2028.
  • Wiedereintritt: Ohne Intervention ist mit einem Verglühen zwischen November 2029 und Juli 2030 zu rechnen.

Die Implikation

Das Ende von Hubble markiert den Übergang von einer Ära der staatlichen Monopole zu einer diversifizierten Zukunft. Während China mit Xuntian die staatliche Fackel weiterträgt und die NASA mit Roman und Webb den Infrarot-Bereich dominiert, zeigt der Eintritt von Lazuli, dass Milliardäre wie Eric Schmidt bereit sind, die Lücken zu füllen, die staatliche Budgetbeschränkungen hinterlassen.

Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Die einzigartige Fähigkeit von Hubble, das Universum im ultravioletten Licht zu sehen, wird mit seinem feurigen Ende in der Atmosphäre verloren gehen. Wenn die Trümmer des berühmtesten Teleskops der Geschichte im Jahr 2030 in den Pazifik stürzen, wird nicht nur Metall und Glas versinken, sondern unser Fenster zu den energiereichsten Prozessen des Kosmos vorerst geschlossen.

TeleskopBetreiberSpiegel ØSpektrumStart (Plan)Status/Rolle
Hubble (HST)NASA/ESA2,4 mUV, Vis, NIR1990Aktiv (End-of-Life ~2030)
LazuliSchmidt Sciences3,0 mVis, NIR~2029Privater Nachfolger, kein UV
XuntianCNSA (China)2,0 mUV, Vis, NIR2026/27Weitwinkel-Survey, UV-fähig
Nancy Grace RomanNASA2,4 mVis, NIR2027Weitwinkel-Infrarot
JWSTNASA/ESA/CSA6,5 mNIR, MIR2021Infrarot-Spezialist

Die Menschheit steht somit am Scheideweg: Entweder wird in letzter Minute eine riskante Rettungsmission gewagt, oder wir akzeptieren, dass der Pionier der Weltraumastronomie seinen Platz für eine neue, fragmentierte, aber technologisch potente Generation von Observatorien räumt.

Referenzen

  1. Hubble Space Telescope – Wikipedia, Zugriff am Januar 13, 2026, https://en.wikipedia.org/wiki/Hubble_Space_Telescope
  2. LIVE REAL TIME SATELLITE TRACKING AND PREDICTIONS: HST – N2YO.com, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.n2yo.com/?s=20580
  3. Hubble Telescope’s Final Countdown: Could It Disappear Sooner Than Expected?, Zugriff am Januar 13, 2026, https://dailygalaxy.com/2026/01/hubble-countdown-could-it-disappear-sooner/
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  7. 27-Day Outlook of 10.7 cm Radio Flux and Geomagnetic Indices, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.swpc.noaa.gov/products/27-day-outlook-107-cm-radio-flux-and-geomagnetic-indices
  8. The unexpected connection between the northern lights and Hubble’s death – Big Think, Zugriff am Januar 13, 2026, https://bigthink.com/starts-with-a-bang/northern-lights-hubble/
  9. What to expect from the peak of Solar Cycle 25 – NOAA, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.noaa.gov/stories/what-to-expect-from-peak-of-solar-cycle-25
  10. Homepage | NOAA / NWS Space Weather Prediction Center, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.spaceweather.gov/
  11. Hubble Reentry Tracker, Zugriff am Januar 13, 2026, https://hubblereentry.com/
  12. An updated re-entry analysis of the Hubble Space Telescope – Calhoun, Zugriff am Januar 13, 2026, https://calhoun.nps.edu/server/api/core/bitstreams/1cd993e9-64a6-4229-b497-b1d3dfd1a713/content
  13. Hubble Has Traveled Over 6 Billion Kilometers. Soon, It Will Crash Down To Earth., Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.iflscience.com/hubble-has-traveled-over-6-billion-kilometers-soon-it-will-crash-down-to-earth-82180
  14. Private mission to save the Hubble Space Telescope raises concerns, NASA emails show, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.capradio.org/news/npr/story?storyid=1250250249
  15. NASA, SpaceX to Study Hubble Telescope Reboost Possibility, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.nasa.gov/missions/hubble/nasa-spacex-to-study-hubble-telescope-reboost-possibility/
  16. NASA Worried About Risk In Polaris Hubble Scheme – Payload Space, Zugriff am Januar 13, 2026, https://payloadspace.com/nasa-worried-about-risk-in-polaris-hubble-scheme/
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  18. The First-Ever Private Space Telescope Could Launch before Decade’s End, Zugriff am Januar 13, 2026, https://astro.arizona.edu/news/first-ever-private-space-telescope-could-launch-decades-end
  19. Former Google CEO plans to singlehandedly fund a Hubble telescope replacement – Reddit, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.reddit.com/r/space/comments/1q7dico/former_google_ceo_plans_to_singlehandedly_fund_a/
  20. Xuntian – Wikipedia, Zugriff am Januar 13, 2026, https://en.wikipedia.org/wiki/Xuntian
  21. China’s Flagship Space Telescope Launches in 2027. Here’s How it’ll Change Cosmology, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.universetoday.com/articles/chinas-flagship-space-telescope-launches-in-2027-heres-how-itll-change-cosmology
  22. China Aims to Operate First Large Space Telescope in Orbit Around 2024, Zugriff am Januar 13, 2026, https://english.cas.cn/newsroom/cas_media/202207/t20220721_308470.shtml
  23. Once a spy satellite, now a telescope with an eye on the cosmos | Penn Today, Zugriff am Januar 13, 2026, https://penntoday.upenn.edu/news/once-spy-satellite-now-telescope-eye-cosmos
  24. Hubble vs Roman Space Telescope Image Size Comparisons – NASA SVS, Zugriff am Januar 13, 2026, https://svs.gsfc.nasa.gov/12308/
  25. NASA funds new tech for upcoming ‘Super Hubble’ to search for alien life: ‘We intend to move with urgency’ | Space, Zugriff am Januar 13, 2026, https://www.space.com/space-exploration/search-for-life/nasa-funds-new-tech-for-upcoming-super-hubble-to-search-for-alien-life-on-other-planets-we-intend-to-move-with-urgency
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