
Strompreisprognose Deutschland 2026: Eine strategische Analyse für private Haushalte
Die Strompreise in Deutschland dürften sich im Jahr 2026 für private Haushalte in einem Korridor von 35 bis 38 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) bewegen, was auf eine Stabilisierung oder sogar einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr hindeutet. Diese Prognose steht im Zentrum einer komplexen Dynamik, die von einem Tauziehen zwischen signifikanten staatlichen Entlastungsmaßnahmen und persistenten, strukturell bedingten Kostentreibern der Energiewende geprägt ist.
Nach der Normalisierung des Marktes im Anschluss an die Energiekrise der Jahre 2022 und 2023, in der die Großhandelspreise historische Höchststände erreichten 1, hat sich ein neues Preisniveau etabliert, das weiterhin über den historischen Normen liegt.2 Für das Jahr 2026 sind drei zentrale, jedoch gegenläufige Kräfte entscheidend, die den Endkundenpreis formen werden:
- Großhandelsmärkte: Die Preise an der Strombörse, die weiterhin stark vom Gaspreis und dem wachsenden, volatilen Anteil erneuerbarer Energien beeinflusst werden, deuten auf eine Beruhigung, aber keine Rückkehr zum Vorkrisenniveau hin.
- Staatliche Intervention: Ein geplanter, milliardenschwerer Bundeszuschuss zu den Netzentgelten wird als direkter und wirkungsvoller Preisdämpfer fungieren.
- Klimapolitische Kosten: Der planmäßig ansteigende nationale CO2-Preis wirkt als bewusster Preistreiber, um die Dekarbonisierung der Energieerzeugung zu beschleunigen.
Diese Analyse wird die einzelnen Komponenten des Strompreises detailliert untersuchen, um eine fundierte Prognose für 2026 zu erstellen und private Haushalte mit strategischen Handlungsempfehlungen für ihr Kostenmanagement auszustatten.
Fundament der Prognose: Die Anatomie des Strompreises
Ein tiefgreifendes Verständnis der Strompreiszusammensetzung und ihrer historischen Entwicklung ist die unerlässliche Grundlage für eine valide Zukunftsprognose.
Historische Preisentwicklung (2000-2025)
Seit der Liberalisierung des Strommarktes um die Jahrtausendwende hat sich der nominale Strompreis für Haushaltskunden in Deutschland mehr als verdoppelt.3 Diese Entwicklung hat Deutschland im internationalen Vergleich zu einem Hochpreisland für Strom gemacht.5 Besonders aufschlussreich ist die Verschiebung der Kostenstruktur: Während zu Beginn der 2000er Jahre die Kosten für Beschaffung und Vertrieb dominierten, wuchs der Anteil staatlich veranlasster Preisbestandteile (Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte) bis 2020 auf über 50 % des Gesamtpreises an.4 Eine signifikante strukturelle Änderung war die vollständige Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Juli 2022.8 Entgegen der Erwartung führte dies jedoch nicht zu einer nachhaltigen Entlastung der Verbraucher. Der Effekt wurde durch die zeitgleich explodierenden Großhandelspreise infolge der Gaskrise und den kontinuierlichen Anstieg der Netzentgelte mehr als kompensiert.5 Dies verdeutlicht eine wiederkehrende Dynamik am deutschen Strommarkt: Die Reduzierung eines staatlich induzierten Kostenblocks wird oft durch die Volatilität anderer, marktgetriebener oder ebenfalls regulierter Komponenten neutralisiert. Die Strompreisentwicklung ist somit weniger ein Abbild reiner Energiekosten als vielmehr das Ergebnis politischer und regulatorischer Weichenstellungen.
Detaillierte Zerlegung des Referenz-Strompreises 2025
Als Ausgangspunkt für die Prognose 2026 dient die autoritative Aufschlüsselung des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) für das Jahr 2025. Der Durchschnittspreis liegt bei 39,69 ct/kWh.9 Dieser setzt sich aus drei Kernkomponenten zusammen 8:
- Beschaffung und Vertrieb: 16,04 ct/kWh (40,4 %)
- Netzentgelte: 10,95 ct/kWh (27,6 %)
- Steuern, Abgaben und Umlagen: 12,71 ct/kWh (32,0 %)
Diese detaillierte Basis für 2025 ist der entscheidende Referenzpunkt für die nachfolgende, komponentenbasierte Prognose für das Jahr 2026.
Tabelle 1: Evolution der Haushaltsstrompreis-Zusammensetzung (2020 vs. 2025)
| Preisbestandteil | 2020 (ct/kWh) | 2020 (%) | 2025 (ct/kWh) | 2025 (%) | Veränderung (absolut) |
| Beschaffung & Vertrieb | 7,22 | 23 % | 16,04 | 40,4 % | +8,82 ct/kWh |
| Netzentgelte | 7,88 | 25 % | 10,95 | 27,6 % | +3,07 ct/kWh |
| Steuern, Abgaben & Umlagen | 16,36 | 52 % | 12,71 | 32,0 % | -3,65 ct/kWh |
| Gesamtpreis (brutto) | 31,46 | 100 % | 39,69 | 100 % | +8,23 ct/kWh |
Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Daten von BDEW.4 Werte für einen Musterhaushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch. 2020-Preis inkl. 19% MwSt. zur besseren Vergleichbarkeit.
Die Tabelle illustriert eindrücklich die strukturellen Verwerfungen der letzten Jahre. Der Anteil der Beschaffungskosten hat sich fast verdoppelt, während der Anteil der staatlichen Abgaben durch den Wegfall der EEG-Umlage signifikant gesunken ist. Gleichzeitig sind die Netzentgelte weiter gestiegen, ein Trend, der die Energiewende begleitet.
Preisprognose 2026: Analyse der entscheidenden Treiber
Die Prognose für 2026 wird durch eine separate Analyse der Entwicklung jeder einzelnen Preiskomponente hergeleitet.
Komponente 1: Beschaffung & Vertrieb – Die Signale des Terminmarktes
Der maßgebliche Indikator für die zukünftigen Großhandelskosten ist der Strom-Future an der Energiebörse EEX. Der Kontrakt für die Grundlastlieferung im gesamten Jahr 2026 (EEX German Power Future Base Cal-26) notierte Mitte September 2025 bei rund 86,40 €/MWh, was 8,64 ct/kWh entspricht.10 Dieser Wert liegt deutlich unter den Krisen-Höchstständen, aber weiterhin über dem Niveau vor 2021.
Ein entscheidender Faktor für den deutschen Strompreis bleibt die enge Kopplung an den Gaspreis, da Gaskraftwerke oft den preisbildenden Grenzkostenpreis im Merit-Order-System setzen.11 Die Futures für niederländisches TTF-Gas, die Leitwährung für den europäischen Gasmarkt, werden für Lieferungen im Jahr 2026 in einem stabilen Korridor von etwa 32 bis 34 €/MWh gehandelt.12 Diese relative Stabilität deutet darauf hin, dass der Markt derzeit keinen erneuten Preisschock von der Gasseite erwartet.13
Prognose Beschaffungsanteil: Der reine Börsenpreis von ca. 8,6 ct/kWh ist nicht identisch mit dem Endkundenpreisanteil. Letzterer enthält zusätzlich Risikoprämien, Kosten für Ausgleichsenergie und die Vertriebsmargen der Versorger. Basierend auf der Relation zwischen Großhandels- und Endkunden-Beschaffungskosten im Jahr 2025 wird für diesen Preisbestandteil ein leichter Rückgang von 16,04 ct/kWh auf einen Bereich von 14,5 bis 15,5 ct/kWh prognostiziert.
Komponente 2: Netzentgelte – Zwischen Subvention und Investitionsbedarf
Die Entwicklung der Netzentgelte wird 2026 maßgeblich durch eine politische Intervention bestimmt. Die Bundesregierung hat einen Gesetzesentwurf zur Bezuschussung der Kosten der Übertragungsnetzbetreiber in Höhe von 6,5 Milliarden Euro für das Jahr 2026 auf den Weg gebracht.14 Diese Maßnahme zielt direkt darauf ab, die Stromrechnungen aller Endverbraucher zu senken. Der Zuschuss dürfte den durchschnittlichen Haushaltsstrompreis um schätzungsweise
1,5 bis 2,0 ct/kWh reduzieren.
Dieser kurzfristigen Entlastung steht jedoch ein langfristiger, gegenläufiger Trend gegenüber. Der Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze zur Integration erneuerbarer Energien und zur Bewältigung der Sektorenkopplung erfordern in den kommenden Jahrzehnten Investitionen in Höhe von hunderten Milliarden Euro.7 Dieser immense Investitionsbedarf erzeugt einen strukturellen, dauerhaften Aufwärtsdruck auf die Netzentgelte. Regionale Unterschiede bei den Entgelten bleiben zwar bestehen, wurden aber durch eine Reform im Jahr 2025 bereits teilweise harmonisiert.17
Prognose Netzentgeltanteil: Der Bundeszuschuss wird den zugrundeliegenden Kostenanstieg für 2026 mehr als ausgleichen. Ausgehend von einem Durchschnittswert von 10,95 ct/kWh im Jahr 2025 wird für 2026 eine deutliche Reduktion auf 9,0 bis 9,5 ct/kWh erwartet.
Komponente 3: Steuern & Abgaben – Der steigende CO2-Preis als Faktor
Im Rahmen des nationalen Brennstoffemissionshandels (BEHG) geht die CO2-Bepreisung 2026 von einem Festpreis in eine Auktionsphase über. Der Preis wird sich in einem staatlich festgelegten Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2 bewegen.19 Dies stellt eine spürbare Erhöhung gegenüber dem Preis von 55 €/Tonne im Jahr 2025 dar.
Dieser höhere CO2-Preis verteuert die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen und schlägt sich somit im Großhandelspreis nieder, was indirekt auch die Umlagen beeinflusst. Die direkten staatlichen Preisbestandteile wie die Stromsteuer (2,05 ct/kWh) und die durchschnittliche Konzessionsabgabe (ca. 1,66 ct/kWh) werden voraussichtlich stabil bleiben.3
Prognose Steuer- & Abgabenanteil: Der Gesamtwert dieser Komponente betrug 2025 12,71 ct/kWh. Da die wesentlichen Posten stabil bleiben und der Effekt des höheren CO2-Preises moderat ausfallen dürfte, wird für diesen Bestandteil eine weitgehende Stabilität prognostiziert. Die Erwartung liegt in einem Bereich von 12,5 bis 13,0 ct/kWh.
Gesamtprognose 2026: Synthese der Komponenten
Die Addition der prognostizierten Nettopreise der einzelnen Komponenten ergibt das Gesamtbild für 2026. Ausgehend vom Nettopreis 2025 (33,35 ct/kWh) ergibt sich folgende Kalkulation:
- Beschaffung & Vertrieb (netto): ca. 12,6 ct/kWh (Rückgang aufgrund niedrigerer Future-Preise)
- Netzentgelte (netto): ca. 7,5 ct/kWh (Ausgangswert 2025 von 9,20 ct/kWh abzüglich des Subventionseffekts von ca. 1,7 ct/kWh)
- Steuern & Abgaben (netto): ca. 10,7 ct/kWh (weitgehend stabil)
Daraus ergibt sich ein Netto-Gesamtpreis von ca. 30,8 ct/kWh. Inklusive der 19 % Umsatzsteuer führt dies zu einem Brutto-Endkundenpreis von rund 36,7 ct/kWh.
Die finale Prognose für den durchschnittlichen Haushaltsstrompreis in Deutschland für das Jahr 2026 liegt somit bei 36,7 ct/kWh, mit einem wahrscheinlichen Schwankungsbereich von 35,5 bis 38,0 ct/kWh. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 3 ct/kWh oder rund 7,5 % im Vergleich zum Durchschnittspreis des Jahres 2025.
Die Analyse zeigt, dass der Strompreis 2026 stark politisch beeinflusst ist. Die Bundesregierung nutzt eine direkte Subvention bei den Netzentgelten, um dem preistreibenden Signal der eigenen Klimapolitik (CO2-Preis) entgegenzuwirken. Dies deutet auf eine politische Abwägung zwischen Klimazielen und der sozioökonomischen Belastung der Verbraucher hin. Die Stabilität des Preises ist somit künstlich herbeigeführt und stark von der Fortführung solcher Subventionen in den Folgejahren abhängig.
Konkrete Auswirkungen: Kosten-Szenarien für Ihren Haushalt
Um die abstrakte Prognose greifbar zu machen, werden die erwarteten Jahresstromkosten für typische Haushaltsgrößen berechnet und den Kosten des Vorjahres gegenübergestellt. Als Referenzhaushalte dienen 23:
- Single-Haushalt (Wohnung): 1.800 kWh/Jahr
- Paar-Haushalt (Wohnung): 2.800 kWh/Jahr
- Familie (4 Personen, Einfamilienhaus): 4.500 kWh/Jahr
Tabelle 2: Voraussichtliche Jahresstromkosten 2026 nach Haushaltstyp
| Haushaltstyp | Jahresverbrauch (kWh) | Preis 2025 (ct/kWh) | Kosten 2025 (€) | Preis 2026 (Prognose) | Kosten 2026 (€) | Ersparnis 2026 (€) |
| Single (Wohnung) | 1.800 | 39,7 | 715 € | 36,7 ct/kWh | 661 € | ca. 54 € |
| Paar (Wohnung) | 2.800 | 39,7 | 1.112 € | 36,7 ct/kWh | 1.028 € | ca. 84 € |
| Familie (EFH) | 4.500 | 39,7 | 1.787 € | 36,7 ct/kWh | 1.652 € | ca. 135 € |
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Verbrauchsdaten 23 und Preisprognosen aus diesem Bericht.
Die Tabelle verdeutlicht, dass die prognostizierte Preissenkung für alle Haushaltstypen zu einer spürbaren finanziellen Entlastung führt, die je nach Verbrauchsmenge zwischen rund 50 und 140 Euro im Jahr liegen kann.
Strategische Alternative: Photovoltaik-Eigenverbrauch im Kostenvergleich
Eine zunehmend attraktive Alternative zum reinen Netzbezug ist die Eigenerzeugung von Strom mittels einer Photovoltaik (PV)-Anlage. Der Vergleich zeigt das erhebliche Sparpotenzial, insbesondere in Kombination mit einem Stromspeicher.
Gegenüberstellung der Kosten
- Netzstrompreis 2026 (Prognose): 36,7 ct/kWh
- PV-Gestehungskosten (Annahme): 8,0 ct/kWh
Für den Vergleich wird der Familienhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.500 kWh herangezogen.
- Szenario A (PV ohne Speicher): Bei einem typischen Eigenverbrauchsanteil von 30 % (1.350 kWh) werden die restlichen 70 % (3.150 kWh) aus dem Netz bezogen.
- Kosten Eigenverbrauch: 1.350 kWh×8,0 ct/kWh=108,00 €
- Kosten Netzbezug: 3.150 kWh×36,7 ct/kWh=1.156,05 €
- Gesamtkosten: 1.264,05 €. Dies entspricht einem effektiven Mischpreis von 28,1 ct/kWh.
- Szenario B (PV mit Speicher): Durch einen Heimspeicher kann der Eigenverbrauchsanteil auf bis zu 70 % (3.150 kWh) gesteigert werden. Nur noch 30 % (1.350 kWh) müssen aus dem Netz bezogen werden.
- Kosten Eigenverbrauch: 3.150 kWh×8,0 ct/kWh=252,00 €
- Kosten Netzbezug: 1.350 kWh×36,7 ct/kWh=495,45 €
- Gesamtkosten: 747,45 €. Dies entspricht einem effektiven Mischpreis von 16,6 ct/kWh.
Der wahre Wert des PV-Eigenverbrauchs liegt nicht nur in der Einsparung der reinen Energiekosten. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde vermeidet den Bezug des teuren Netzstroms, der zu rund 60 % aus regulierten Kosten wie Netzentgelten, Steuern und Abgaben besteht. Eine PV-Anlage mit Speicher wird somit zu einem effektiven Instrument, um sich von diesen staatlich regulierten Preisbestandteilen und deren zukünftigen Steigerungen abzukoppeln. Der finanzielle Anreiz für einen Stromspeicher bemisst sich daher nicht an der Differenz zwischen PV-Kosten (8 ct) und Großhandelspreis (ca. 15 ct), sondern an der Differenz zwischen PV-Kosten und dem vollen Endkundenpreis (36,7 ct).
Tabelle 3: Kostenvergleich: Netzbezug vs. PV-Eigenverbrauch (Familienhaushalt 2026)
| Szenario | Gesamtverbrauch (kWh) | Eigenverbrauch (kWh) | Netzbezug (kWh) | Jahresgesamtkosten (€) | Effektiver Mischpreis (ct/kWh) | Jährliche Ersparnis (€) |
| 100 % Netzbezug | 4.500 | 0 | 4.500 | 1.652 € | 36,7 | – |
| PV ohne Speicher (30 %) | 4.500 | 1.350 | 3.150 | 1.264 € | 28,1 | 388 € |
| PV mit Speicher (70 %) | 4.500 | 3.150 | 1.350 | 747 € | 16,6 | 905 € |
Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Nutzerangaben und Preisprognosen aus diesem Bericht.
Die Analyse zeigt, dass eine PV-Anlage bereits ohne Speicher eine erhebliche Ersparnis ermöglicht. Die Investition in einen Stromspeicher maximiert jedoch das Potenzial und kann die jährlichen Stromkosten mehr als halbieren, was sie zu einer strategisch wertvollen Absicherung gegen zukünftige Preissteigerungen macht.
Aktives Kostenmanagement: Die optimale Wechselstrategie
Verbraucher sind den Preisentwicklungen nicht passiv ausgeliefert. Ein aktives Vertragsmanagement kann zu erheblichen Einsparungen führen.
Den “besten Monat” zum Wechseln entmystifizieren
Im Gegensatz zum Gasmarkt, wo die Preise im Sommer tendenziell niedriger sind, weisen die Strompreise für Endkunden kaum eine vorhersagbare saisonale Schwankung auf.26 Der “beste Zeitpunkt” für einen Anbieterwechsel ist daher kein bestimmter Kalendermonat, sondern wird durch spezifische Ereignisse und Vertragskonditionen bestimmt.
Optimale Zeitpunkte und Auslöser für einen Wechsel
- Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung: Dies ist der wichtigste Auslöser. Kündigt ein Versorger eine Preiserhöhung an, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht und können den Vertrag zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Preise beenden. Dies ist die ideale Gelegenheit, den Markt zu prüfen und zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.27
- Jährliche Vertragsprüfung: Es empfiehlt sich, jährlich, etwa zwei bis drei Monate vor Ablauf der Mindestvertragslaufzeit, die aktuellen Tarife zu vergleichen. Ein neuer Vertrag kann bis zu sechs Monate im Voraus abgeschlossen werden, was einen nahtlosen Übergang sicherstellt.29
- Wechsel aus der Grundversorgung: Wer sich noch nie um seinen Stromvertrag gekümmert hat, befindet sich in der Regel in der lokalen Grundversorgung. Diese Tarife sind fast immer die teuersten am Markt.5 Ein Wechsel ist hier jederzeit mit einer kurzen Kündigungsfrist von nur zwei Wochen möglich und sollte umgehend erfolgen.29
Leitfaden zur Anbieterauswahl
- Vertragslaufzeit: Verträge mit einer Laufzeit von 12 Monaten bieten eine gute Balance aus Preissicherheit für ein Jahr und der Flexibilität, danach wieder auf Marktentwicklungen reagieren zu können.28
- Preisgarantie: Eine “eingeschränkte Preisgarantie”, die für die gesamte Erstvertragslaufzeit gilt, ist essenziell. Sie schützt vor Preiserhöhungen bei den Beschaffungs- und Vertriebskosten. Nur Änderungen bei Steuern, Abgaben und Umlagen können dann noch weitergegeben werden.28
- Bonus-Fallen vermeiden: Tarife mit hohen Neukundenboni haben oft einen überhöhten Arbeitspreis. Nach dem ersten Jahr entfällt der Bonus, und der Vertrag wird teuer. Für eine nachhaltig günstige Versorgung sollten Tarife ohne Boni oder über Vergleichsrechner, die eine Berechnung ohne Boni ermöglichen (z. B. “Langfristige Planung”), bevorzugt werden.28
Fazit und Handlungsempfehlungen
Die Strompreise für private Haushalte in Deutschland werden sich 2026 voraussichtlich bei rund 36,7 ct/kWh stabilisieren, was einer leichten Entlastung gegenüber 2025 entspricht. Diese Entwicklung ist jedoch primär das Resultat eines temporären, staatlichen Zuschusses zu den Netzkosten. Die zugrundeliegenden Kostentreiber – insbesondere der massive Investitionsbedarf für den Netzausbau und die steigenden Kosten für die Dekarbonisierung – deuten auf einen erneuten Aufwärtsdruck ab 2027 hin, sobald die Subvention ausläuft.
Für Verbraucher ergeben sich daraus folgende priorisierte Handlungsempfehlungen:
- Sofort Handeln: Überprüfen Sie Ihren aktuellen Stromvertrag. Sollten Sie sich in der teuren Grundversorgung befinden, leiten Sie umgehend einen Anbieterwechsel ein. Die potenzielle Ersparnis ist erheblich, und der Prozess ist unkompliziert.
- Strategisch Planen: Befinden Sie sich in einem Laufzeitvertrag, notieren Sie sich das Vertragsende und beginnen Sie zwei bis drei Monate vorher mit dem Tarifvergleich. Nutzen Sie konsequent Ihr Sonderkündigungsrecht, falls Ihr Anbieter eine Preiserhöhung ankündigt.
- Langfristig Investieren: Für Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern stellt die Investition in eine Photovoltaik-Anlage, idealerweise in Kombination mit einem Stromspeicher, die wirksamste und nachhaltigste Strategie zur Senkung der Stromkosten dar. Sie minimiert die Abhängigkeit vom Netz und schützt vor zukünftigen Steigerungen der regulierten Preisbestandteile.
- Verbrauch Optimieren: Unabhängig vom Tarif bleibt die Reduzierung des eigenen Stromverbrauchs die fundamentalste und direkteste Methode, um die Stromrechnung dauerhaft zu senken.
Referenzen
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- Dossier Strompreise in Deutschland – BDEW, Zugriff am September 18, 2025, https://www.bdew.de/energie/strompreise-dossier/
- German Power Financial Base Futures Pricing – ICE, Zugriff am September 18, 2025, https://www.ice.com/products/57609948/german-power-financial-base-futures/data
- Power futures: the Franco-German calendar product 2026 spread hits record gap | Kpler, Zugriff am September 18, 2025, https://www.kpler.com/blog/power-futures-the-franco-german-calendar-product-2026-spread-hits-record-gap
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- CO2-Steuer 2025, 2026 für Gas und Heizöl in Deutschland: Tabellen – Heizungsfinder.de, Zugriff am September 18, 2025, https://www.heizungsfinder.de/heizung/heizkosten/co2-steuer
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- Durchschnittlicher Stromverbrauch in 1-, 2-, 3- und 4-Personen-Haushalten – Svea Solar, Zugriff am September 18, 2025, https://sveasolar.de/de-de/blog/stromverbrauch
- Wann ist der beste Zeitpunkt einen Stromvertrag zu eröffnen? – Finanztip Forum, Zugriff am September 18, 2025, https://www.finanztip.de/community/forum/thema/34919-wann-ist-der-beste-zeitpunkt-einen-stromvertrag-zu-er%C3%B6ffnen/
- Gasanbieter wechseln: So kommst Du zu günstigerem Gas – Finanztip, Zugriff am September 18, 2025, https://www.finanztip.de/gaspreisvergleich/gasanbieter-wechseln/
- Stromvergleich 2025: Finde den günstigsten Stromanbieter – Finanztip, Zugriff am September 18, 2025, https://www.finanztip.de/stromvergleich/
- Stromanbieter wechseln und sparen | 2025 – Finanztip, Zugriff am September 18, 2025, https://www.finanztip.de/stromanbieter-wechseln/
- Grundversorgung Strom & Gas: Darum lohnt sich ein Wechsel – Finanztip, Zugriff am September 18, 2025, https://www.finanztip.de/grundversorgung/
- Switching electricity provider: Avoid expensive surprises with bonuses, contract duration, etc. – YouTube, Zugriff am September 18, 2025, https://www.youtube.com/watch?v=3HNA7NJEaOU
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