Testbericht:
Sony Reader PRS-T3 vs. PRS-505

Sony Reader PRS-505 (links) vs. Sony Reader PRS-T3 (rechts)

Sony Reader PRS-505 (links) vs. Sony Reader PRS-T3 (rechts)

 

Seit 2009 nenne ich einen Sony Reader PRS-505 mein Eigen. Und seitdem hat sich allerhand in der Branche getan – nicht zuletzt im Hinblick auf die Alleinstellungsmerkmale derartiger Devices wie E-Ink-Displays und langen Akkulaufzeiten. Zeit also, den neuen Sony Reader PRS-T3 einem Praxistest zu unterziehen und zu schauen, was er im Vergleich zum älteren PRS-505 so alles auf dem Kasten hat.

Die Neuerungen lassen sich gleich zu Beginn auf drei wesentliche Punkte komprimieren: WLAN, Display und Touch. Während der „Alte“ Reader nur per USB-Schnittstelle befüllt werden konnte, besitzt der PRS-T3 WLAN, ein wesentlich flotteres Display mit besserem Kontrast und höherer Auflösung sowie die Bedienbarkeit über ein berührungsempfindliches Display.

Äußerlichkeiten und Konnektivität

Der PRS-505 ist etwas länger und schwerer (250g vs. 160g) als der T3, liegt dafür aus meiner Sicht aber etwas besser in der Hand – zudem hat er das schönere (Alu)Gehäuse, das beim T3 einer glänzenden Kunststoffoberfläche in drei Farbvarianten gewichen ist. Beim PRS-T3 kann es zudem passieren, das man beim Lesen ungewollt mit der Touchfläche in Berührung kommt. Dafür besitzt der PRS-T3 den größeren internen Speicher (2 GB statt 256 MB), von dem aber nur etwas über die Hälfte für eigene Bücher zur Verfügung steht. Beide Reader können mit externen Speicherkarten erweitert werden, wobei man seine alten SD- bzw. Memory-Sticks aus dem PRS-505 nicht im neuen T3 nutzen kann, da dieser ausschließlich Micro-SD-Karten unterstützt. Ebenfalls nachteilig: Während die Kartenslots beim PRS-505 einfach über Seiteneinschübe erreichbar waren, ist der Kartenslot des T3 hinter der rückseitigen Kunststoffabdeckung verborgen. Immerhin hat der T3 den schnelleren USB-Anschluss (USB 2.0 statt USB 1.0). Wichtigste Neuerung des PRS-T3 ist letztlich die WLAN-Unterstützung nach 820b/g/n-Standard.

Sony Reader PRS-T3: WLAN und integrierter Browser

Sony Reader PRS-T3: WLAN und integrierter Browser

 

Display

Die Bildschirmgröße ist mit 6 Zoll (15,5cm) bei beiden Geräten identisch, die Auflösung des T3 Pearl-E-Ink-Displays allerdings mit 1024×758 Pixeln höher als beim PRS-505 mit 800 x 600 Pixeln, ebenfalls die Darstellung von Graustufen (16 statt 8). Feineres Schriftbild hin oder her – augenscheinlicher ist die deutlich flottere Reaktionsgeschwindigkeit des T3. Ein Seitenwechsel benötigt weniger als eine Sekunde, während der PRS-505 hier viel gemächlicher reagiert und zudem jeden Umblättervorgang mit einer kurzen Invertierung des Displays quittiert wird. Der Bildschirm des T3 ist sogar schnell genug, Internetseiten über den Touch in annehmbarer Zeit zu zoomen bzw. zu scrollen. Einziger Wermutstropfen des Displays im Vergleich zur Konkurrenz von Amazon Kindle, tolino shine & Co: Auf eine Hintergrundbeleuchtung muss man nach wie vor verzichten und ist somit auf angemessenes Umgebungslicht angewiesen. Sony bietet dafür eine Leseleuchte als Zubehör an, für die rund 50,- EUR extra investiert werden müssen.

Bedienung und Funktionen

Obwohl der PRS-505 im Vergleich zum neuen T3 keine Touch-Funktionalität besitzt, war dessen Bedienkonzept ausgereift – etwa die Textzoomfunktion über eine separate Hardware-Taste. Beim T3 benötigt man dafür schon drei „Klicks“. Statt 18 verschiedener Tasten bietet der T3 nur fünf: Zwei Tasten zum vor- bzw. zurückblättern (welche man auch nach wie vor gerne beim Lesen in Anspruch nimmt), einen Home-Button sowie zwei Steuertasten.

Zuweilen vermisst man beim Lesen eine Uhr, diese kann durch längeres Drücken der Hardwaretaste rechts im oberen Statusfeld angezeigt werden. Praktisch sind auch die über die reine Lesefunktion hinausgehenden Applikationen des PRS-T3 wie handschriftliche Notizen, Wörterbücher sowie der integrierte Browser. Darüber hinaus können Textmarkierungen an das Online-Notizbuch Evernote oder an Facebook gesendet werden. Insgesamt sind an dieser Stelle aber noch weitaus mehr Anwendungen denkbar, denn immerhin werkelt im Hintergrund ein vollständiges, wenn auch etwas in die Jahre gekommenes Android 2.3 „Gingerbread“ Betriebssystem, das um eine Sony-Reader-spezifische Oberfläche erweitert wurde. Highlight ist der integrierte, HTML 5.0 kompatible Internetbrowser.

Sony Reader PRS-T3 - Netzanbindung zu Evernote und Facebook

Sony Reader PRS-T3 – Netzanbindung zu Evernote und Facebook

 

Für kurzweilige Recherchen – beispielsweise bei Wikipedia –  reicht dieser aus. Zudem kann man damit PDF-Dokumente oder EPUBs herunterladen, die anschließend im Bücherregal „Standardsammlungen“ landen. Für die Benutzung des Browsers empfiehlt es sich, die Anzeige von Bildern (Hardwaretaste rechts – „Mehr“ – „Einstellungen“ – Häkchen beim Eintrag „Bilder laden“ entfernen) zu deaktivieren – denn sonst reagiert das E-Ink-Display beim Scrollen bzw. Zoomen doch etwas zu träge.

Wegrationalisiert wurde die ohnehin stiefmütterlich behandelte MP3/AAC-Wiedergabe-Funktion des PRS-505. Im Grunde genommen ist das etwas schade, da das Thema „Hörbuch“ den Funktionsumfang des T3 noch abgerundet hätte. Dank WLAN kann man Bücher nun auch direkt online kaufen – dafür muss der Reader für die digitale Rechteverwaltung autorisiert werden. Der Online-Shop wird über den integrierten Browser geöffnet – ganz so rund wie in dem geschlossenen Amazon-Kindle-System wirkt das Ganze zwar nicht – dafür kann man mit etwas Glück virtuell beim Bücherladen um die Ecke kaufen.

Fazit: Sonys Reader PRS-T3 überzeugt mit gutem Display und einigen Alleinstellungsmerkmalen wie die Anbindung an die Notiz-Wolke von Evernote, dem integrierten Wörterbuch und dem durchaus nützlichen Browser. Leider muss man auf ein beleuchtetes Display verzichten und insgesamt werden die Features des Android-Systems nicht vollständig ausgeschöpft – das ist angesichts der günstigen Preise von inzwischen unter 90 EUR verkraftbar. Im Vergleich zum PRS-505 lohnt die Neuanschaffung.

 

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